Die langweiligste Form des Voyeurismus

Einer der grössten viralen Trends aus Asien besteht auf nichts anderem, als wildfremden Menschen per Livestream stundenlang beim Lernen zuzusehen.

Dass aus dem ostasiatischen Raum viele Trends nach Europa und Amerika rüberschwappen, die in unserem westlichen Kulturkreis teilweise ziemlich bizarr wirken, ist jetzt keine erschütternde Neuigkeit. Gangnam Style, ein Detektiv mit Arschgesicht oder die «Karma is a Bitch»-Challenge sind nur die Spitze des Eisbergs an Absurditäten, die uns unsere Freunde aus Korea und Japan näherbringen.

Nachdem der Trend «Mukbang» vergangenes Jahr endlich auch unsere Welt erreicht und unsere Bildschirme mit hungrigen jungen Menschen gefüllt hat, die sich vor laufender Kamera stundenlang möglichst viel Essen reinstopften, dürfen wir uns nun über eine Abwandlung dieses Hypes freuen.

600'000 langweilige Fans


Anstatt zu futtern, widmen sich Protagonisten der sogenannten «Study Clips» stundenlang stillschweigend und hochkonzentriert ihren Hausaufgaben – und lassen die Welt dabei per Livestream zusehen. Der Trend, der in Japan schon seit 2016 immer mehr an Bedeutung gewinnt, setzt sich nun langsam aber sicher auch bei uns durch.

Während die japanischen «Stars» dieses wohl langweiligsten Trends aller Zeiten bis zu drei Millionen Klicks pro Stream verzeichnen, kommen westliche Kanäle mit teilweise mehr als 600'000 Zusehern zwar noch nicht ganz an den Erfolg der Originale ran, sind aber auf bestem Weg dahin.

Die Kombination machts

So etwa der Channel «TheStrive Studies» der amerikanischen Medizinstudentin Jamie L., die sich seit gut einem Jahr beim Lernen von ihren inzwischen rund 80'000 Abonnenten beobachten lässt. Viel passiert in den Videos nicht. Man sieht die junge Frau am Schreibtisch sitzen, ab und zu blättert sie in einem Buch, die meiste Zeit der bis zu zweieinhalbstündigen Sessions konzentriert sie sich wortlos auf ihren Bildschirm.

Die Faszination an dieser Art von Video könnte sich aus der Mischung von semi-sexuellem Voyeurismus – wie bei den Essens-Streams – und der beruhigenden Wirkung inklusive ASMR-Effekt der leisen Hintergrundkulisse beim Lernen zusammensetzen. Ausserdem fühlt man sich gleich nicht mehr so einsam, wenn man während des Streams selbst am Studieren ist.


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14 Kommentare

Markus vor 8 Tagen
Haupsache Trend. Egal was. Ich warte auf den mit-Kopf-auf-den-Tisch-klopfen Marathon.
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Geile Stute vor 8 Tagen
Erotik findet eben im Kopf statt
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Palmenwedler vor 8 Tagen
mir schauen Sie lieber zu wenn ich mir eins von der Palme wedle.
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MArtin vor 8 Tagen
Wie kann man denn da Lernen ? Als ich mir für die Abschlussprüfung, die letzten 2 Jahre Biologie in die Birne gedrückt habe, bin ich im Zimmer rumgelaufen. aber 5 oder 10 Stunden auf dem Stuhl sitzen, da schläft man ja ein. PS: 2 Jahre Biologie auswendig gelernt. Eine Glatte 2 (in der schweiz wäre es eine 5) im mündlichen Test 😀 WIN
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