Serien werden jetzt in erhöhtem Tempo geglotzt

So viele Serien, so wenig Zeit: Hardcore-Binge-Watcher helfen sich mit «Speed Watching», um sich schnellstmöglich alle Lieblingsserien innert kürzester Zeit reinzuballern. Wir haben die Methode getestet.

Allein das vergangene Jahr hat uns unzählige neue US-Serien beschert. Welcher Mensch auf dieser Welt hat auch nur ansatzweise genug Zeit, um dem nachzukommen? Genau, keiner. Deswegen haben Hardcore-Binge-Watcher eine einfache – aber effiziente – Methode entwickelt, um ihr Serienpensum aufzuholen: Sie schauen ihre Lieblingsserien einfach mit der doppelten Geschwindigkeit.

Diese Art, Filme und Serien zu konsumieren, nennt sich «Speed Watching». Der Vorteil: Wer doppelt so schnell schaut, schafft auch doppelt so viele Folgen. Anleitungen von geübten Speed-Watchern versprechen, das Gehirn gewöhne sich an das Tempo. Schaue man sich «Orange Is the New Black» oder «The Crown» mit einer Geschwindigkeit von 1.2 oder 1.5 an, schaffe man später auch das Zweifache – oder sogar noch mehr.

«Du schaust nicht, sondern konsumierst nur»

Schön und gut, aber was ist mit der kreativen und künstlerischen Intention, die in den meisten Werken steckt? Kunstpausen und die emotionale Wirkung des Films gehen beim «Speed Watching» komplett verloren. Das bestätigt auch Devindra Hardawar, Co-Host des Podcast «Slashfilmcast» in einem Interview mit der «New York Times»: «Du schaust dann nicht wirklich, sondern konsumierst nur und lässt den Film nicht an dir arbeiten. Das ist schlecht.»

Erfinder der Methode soll der frühere Jurastudent Alexander Theoharis sein, der «Speed Watching» eher aus Versehen entdeckte. Der «Seattle Times» erzählte er, dass er vor einigen Jahren versehentlich auf den Beschleunigungsknopf gekommen sei und aus Zeitspargründen dann einfach so weiterschaute. Mittlerweile konsumiere er Serien wie «The Office» mit 2.4-facher Geschwindigkeit.

«Pretty Little Liars» im Speed-Watch-Selbstversuch

Ist das wirklich so doof, wie es sich anhört? Oder komme ich möglicherweise auf cineastische Hochtouren und will mir nie wieder «Breaking Bad», «Crazy Ex-Girlfriend» und andere Serien im einfachen Tempo geben? Hilft alles nichts, muss ich ausprobieren. Guilty Pleasure meiner Wahl, für das ich im Leben keine Sekunde opfern, es aber trotzdem sehen will: «Pretty Little Liars».

Erster Gedanke: Das Gekicher und Gequassel wirkt noch nervtötender als im Normaltempo. Aber: Alles passiert Knall auf Fall, es gibt keine langgezogenen Momente, in denen ich wegklicken könnte. Nach den ersten zwei Minuten gewöhne ich mich an die schnell aufeinander folgenden Texte der Protagonistinnen und muss zu meinem eigenen Entsetzen feststellen: Ich mag die Serie. Sehr sogar.
Ob ich die Staffel im Zeitraffer-Modus gucken werde, weiss ich noch nicht – dafür ist mir die Handlung dann wohl doch zu wichtig. 


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18 Kommentare

Dominik G. vor 2 Monate
Ähm, warum sollte ich eine Serie möglichst schnell durchsehen wollen? Ich schaue zwar nicht viele Serien, aber wenn ich eine gefunden habe die mir gefällt, hoffe ich, dass sie möglichst lange dauert und ich mich möglichst lange daran erfreuen kann.
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Anonym vor 2 Monate
Jammern das die Menschheit immer schneller arbeiten muss etc... Aber zuhause Serien schneller schauen
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RustyLungz vor 2 Monate
Lieber speed nehmen dann kann man länger schauen!!!
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Sandro Benz vor 2 Monate
Ehm - Student der das erfunden hat?!? Das habenwir schon in den 90er Jahren während den Mittagspausen im Studium gemacht (mit Windows Media Center: Doppelte Gechwindigkeit mit Ton möglich)....
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