Bleiben Soundcloud nur noch 50 Tage?

Die Berliner Musikplattform Soundcloud ist bald pleite und macht die letzten Atemzüge – doch das Internet, Künstler und Freiwillige eilen zur Hilfe, um das Startup vor dem Tod zu bewahren.

Seit einiger Zeit geht ein Munkeln durch die Untiefen des Internets, das die Musiknerds und Indie-Label-Liebhaber der Welt bestürzt die Hände überm Kopf zusammenklatschen lässt. Denn: Der Musik-Streamingdienst SoundCloud liegt in den letzten Atemzügen und soll – laut diverser Tech-Insider-Prognosen – demnächst von der Bildfläche verschwinden.

Dem gehypten Berliner Startup geht die Kohle aus. Das berichten zumindest etablierte Onlinemagazine wie «The Fader» und «TechCrunch». Um Geld zu sparen und die Firma vor dem endgültigen Aus zu bewahren, entliessen die Gründer Alex Ljung und Eric Wahlforss vor kurzem 173 Mitarbeitende in ihrer Homebase – also rund 40 Prozent der gesamten Crew. Dumm nur, dass auch die Massenentlassung wohl nur wenig genützt hat: SoundCloud soll sich nämlich nur noch etwa 50 weitere Tage über Wasser halten können, wie «Digital Music News» berichtet. Die internationalen Büros in San Francisco und London hätten zu viel Geld geschluckt.

Schöpfungsquelle schlechter Podcasts

Sollte die Musikplattform nun sterben, hinterlässt sie eine grosse Lücke im Netz. Soundcloud war mehr als nur ein Streamingdienst: Gilt er doch als Heimat furchtbarer Podcasts von gelangweilten Stay-at-Home-Mums, als Schöpfungsort des Vaporwave-Genres und als Katalysator unentdeckter Künstler – wie damals Kehlani und Post Malone, die mithilfe der Plattform durch die Decke schossen. Viele Musikkünstler sind nach wie vor auf Soundcloud angewiesen.

Wie die genauen Gründe für die miserable Entwicklung des Startups lauten, ist noch nicht ganz geklärt. Die vergangenen Monate musste die Firma ganz schön strampeln und hat unter anderem eine vergebliche Käufersuche und zweistellige Millionen-Verluste hinter sich – und das trotz einer zwischenzeitlichen Finanzspritze von rund 70 Millionen Dollar.

«Ich arbeite an dem Soundcloud-Ding»

Trotz der schlechten Aussichten gibt es noch einen Restfunken an Hoffnung: «Chance the Rapper» will das Unternehmen retten, bevor es zu spät ist. Auf Twitter schreibt er: «Ich arbeite an dem SoundCloud-Ding». Ergibt auch Sinn, denn sein Album «Coloring Book» landete 2016 den Spitzenplatz auf der Plattform. Falls er damit aber meint, dass er das ganze Ding einfach kaufen will, muss er wohl seinen ganzen Hausstand verscherbeln – die Firma ist nämlich rund 200 Millionen Dollar schwer.

Sollte auch das nicht klappen, gibt es noch einen letzten Strohhalm, an den man sich klammern kann: Ein Team aus 150 Freiwilligen, die sich nur «The Archive» nennen, wollen einen Grossteil der veröffentlichten Tracks retten und auf ihrer Website verewigen.

Wer also noch Musik oder Podcasts auf Soundcloud hostet, sollte seine Daten retten und lieber auf eine alternative Plattform wie BandCamp umziehen – auch wenn das Schicksal des Berliner Startups noch nicht ganz besiegelt ist. 


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8 Kommentare

Tim Turbo vor 5 Monate
Viele sind der Meinung dass Soundcloud seinen Untergang selbst verschuldet hat als sie anfingen, Dj mixe zu löschen. Das war aber niemals eine eigene Entscheidung, sondern kam von den Rechteinhabern, also den Labels
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Project Acid vor 5 Monate
Alternative wäre hearthis.at. ich persöhnlich finde es schon fast besser wie SC. Jahres Abo auf Pro nur 20euro und bin nun 3 jahre dabei und hatte nie problene
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Phil vor 5 Monate
Im März 2016 startete SoundCloud seinen Bezahldienst. Seit Dezember 2016 werden bei SoundCloud zwischen den Liedern Werbespots abgespielt, wenn der Benutzer nicht das kostenpflichtige Abo abgeschlossen hat. Kaum ein Jahr später sind sie Hinüber, wieso wohl? Hättet eure Bude besser 2014 für 2 Milliarden an Twitter verkauft.
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Linglingus vor 5 Monate
Wo kann man spenden?
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