Risse im Asphalt einfach mal mit Gold aufgiessen

Die New Yorkerin Rachel Sussman belebt ein traditionelles japanisches Handwerk wieder: Kintsugi. Anstatt edles Porzellan mit Gold zu flicken, füllt sie damit Risse und Unebenheiten in Strassen, Bodenbelägen und Wänden.

Kintsugi geht bis ins 15. Jahrhundert zurück und basiert auf der Philosophie, Bruchstellen und Scherben in wertvoller Keramik nicht verstecken zu müssen, sondern diese als Teil ihrer Geschichte anzusehen. Demnach werden Risse und herausgebrochene Stücke mit einer teuren Mischung aus Lack und Pulvergold geflickt und veredelt.

Für ihr Projekt «Sidewalk Kintsukuroi», verlegt Rachel Sussman aus Brooklyn, New York, den alten japanischen Brauch des Kintsugi auf die Strassen westlicher Grossstädte. Anstelle von kostbaren, empfindlichen Familienerbstücken repariert die Künstlerin jedoch Löcher, Risse und Unebenheiten unter unseren Füssen.

Die Geschichte sichtbar machen

Ähnlich dem fernöstlichen Vorbild will sie damit das Augenmerk auf die Geschichte lenken, die direkt unter, neben und vor uns passiert. Die kaum wahrnehmbaren Veränderungen, die in der Welt um uns herum passieren, sollen so sichtbar und schön gemacht werden.

«Wir reden hier nicht über die Millionen von Jahre, die es gebraucht hat, um den Grand Canyon zu formen», erklärt die Künstlerin im Interview mit dem Magazin «Hyperallergic». Es ginge um Ritzen im Boden, die sich über Jahrzehnte direkt vor uns gebildet hätten, aber in einer derartigen Langsamkeit, dass sie für das menschliche Auge einfach nicht fassbar seien.

Die verändliche Natur des Universums

Bisher habe sie Risse in den Strassen von Soho und Williamsburg in New York City vergoldet. Und – als permanente Kunstinstallation – einen langen Sprung in der marmornen Eingangshalle des «Des Moines Art Center», das Zurzeit auch Fotografien ihrer «Sidewalk Kintsukuroi»-Serie ausstellt.

«Unebenheiten repräsentieren etwas, das Aufmerksamkeit verlangt. Und die Oberflächen, auf denen wir laufen oder fahren werden üblicherweise so lange ignoriert, bis sie einen wirklich kritischen Zustand erreichen», meint Rachel Sussman. «Sie zu vergolden ist eine Möglichkeit mit frischem Blick unsere Umgebung zu betrachten.»

Mit der Zeit, das weiss die Künstlerin, werden auch diese goldenen Reparaturarbeiten verblassen. Das sei aber die veränderliche Natur des Universums. «Noch mehr Grund also, die Zeit, die wir haben, zu ehren.»


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24 Kommentare

Haklaj vor 7 Monate
Japan und das Deutschland der 40er Jahre haben die besten Kulturen und Traditionen, es ist Schade, das man so dekadent auf diese herbblickt.
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Antwort von Le Tintin vor 7 Monate
Deutschland der 40 er Jahre? Sorry, hast du einen an der Klatsche? Verherrlichst du hier den Nationalsozialismus?
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Analfeti vor 8 Monate
Und wann werden die menschlichen ritzen und löcher vergoldet um auf die schönheit des pospaltes und der ani hinzuweisen? Das ist so ignorant. Risse in der strasse werden schön gemacht, aber nicht der anus? Somit beraubt man sich der estetik und erotick dieses teils des körpers und des lebens.
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Goldjunge vor 8 Monate
Das mit dem Goldpulver ist eine Täuschung! Bestimmt giesst sie das Gold flüssig ;-P
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