Behandle deine Depression für 90 Franken

Eine neu entwickelte Online-Therapie-Plattform bietet nun günstige Kurse für psychisch kranke Menschen an. Die Macherinnen wollen damit lange Wartezeiten für Betroffene überbrücken.

Etwa 1300 Menschen nehmen sich jedes Jahr in der Schweiz das Leben. Oftmals sind es schwere Depressionen, Angst- oder Essstörungen, die Betroffenen den Alltag schwermachen. So schwer, dass sie keinen anderen Ausweg sehen als Selbstmord zu begehen. Doch soweit muss es gar nicht erst kommen – wenn man rechtzeitig Hilfe bekommt.

Hat man das erste Hindernis genommen, sich einen Therapieplatz zu suchen, heisst es jedoch oft: Warten, warten, warten. Denn die Plätze sind begrenzt und die Wartezeit ist lang. Durchschnittlich müssen Hilfesuchende in der Schweiz etwa sieben Wochen ausharren, in manchen Fällen auch um einiges länger. Für viele Menschen kann das lange Alleinsein fatale Folgen haben. Katrin, Nora und Farina, drei Gründerinnen aus Deutschland, wollen das ändern: Die Mittzwanzigerinnen riefen die Online-Therapie-Plattform «Selfapy» ins Leben, um die Wartezeit für Betroffene mit Therapiekursen zu überbrücken.

Online-Programm auch für Schweizer nutzbar

Ob Burnout, Depression, Ess- oder Angststörung – die angebotenen Kurse sind breit gefächert. Über neun Wochen erhält man in verschiedenen Modulen Texte, Videos, interaktive Übungen und Techniken, die in direkter Zusammenarbeit mit anderen Psychologen entwickelt wurden und dabei helfen sollen, mit dem eigenen Alltag klarzukommen.

Die Online-Therapie kostet umgerechnet zwischen 90 und 200 Franken. «Wir hatten sehr lange auch eine Schweizer Psychologin, die die wöchentlichen Telefonate mit den Schweizer Nutzern geführt hat. Das Programm ist also nicht nur auf Deutschland limitiert», erzählt uns Mitgründerin Nora, die selbst Psychologie studierte.

Schnupperkurs zum Thema Angst

Bleibt noch die Frage zu klären, ob das Programm auch wirklich was taugt. Als wir in den Kurs zum Thema «Angststörung» reinschnuppern, merken wir schnell: Die Online-Therapie ist schon im Schnupperkurs sehr umfassend, einfach verständlich und zudem auch schön gestaltet. In der Einführung wird ein persönliches Gespräch mit einemPsychologen vereinbart, danach folgt die Erklärung des Kursablaufs.

Es geht darum, uns in schwierigen Situationen selbst besser zu verstehen und Werkzeuge zu erlernen, um richtig mit Panikattacken und ihren körperlichen Symptomen umzugehen. Am Ende des Moduls erhalten wir bereits eine kleine Vorschau auf das, was uns in der nächsten Lektion erwartet.

Abschliessend kann man sagen: Die Online-Therapie ist zwar kein Pflaster für akute Notfallsituationen – darauf verweisen die Gründerinnen auch selbst – aber eine durchstrukturierte und preiswerte Alternative, um die Zeit bis zum Therapieplatz zu überbrücken. Vorausgesetzt man hat genug eigene Kraft, um sich den Übungen und Texten zu widmen. 


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37 Kommentare

Hanspeter vor 4 Monate
Was ist den so schlimm an einem suizid? Nüchtern betrachtet ist es immer noch jedem sein eigenes Leben, die einen wollen es leben egal was kommt und es gibt andere die möchten dem, aus was für Gründen auch immer ein Ende setzen. Und kommt mir jetzt nicht Egoismuss, den die anderen die einen wegen einem suizid verurteilen sind nicht weniger egoistisch. Manchmal ist man sich selbst und vorallem der Gesellschaft gegenüber einfach überdrüssig. Lasst die Menschen die gehen wollen ohne sie zu verurteilen doch einfach gehen.
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Mr. Nasty vor 4 Monate
Vom Quatschen gehen Depressionen auch nicht weg. Ich behaupte, ich bin ja kein Arzt, dass man Depression mit Bewegung weg bringt. Frische Luft und Bewegung. Seit ein paar Jahren, wird alles auf die "Psychologie Schiene" geschoben. Jeder hat ein psychologisches Problem und muss sofort in Behandlung. Wer körperlich gesund ist, genügend Geld hat um alle Rechnungen zu bezahlen usw., der muss nicht depressiv sein. Ängste entstehen im Kopf. Durch zu sehr grübeln, alleine sein usw.
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Antwort von vor 4 Monate
Stimmt eben nicht so ganz...schön wärs. Frische Luft, Bewegung und gesunde Nahrung können bestimmt hilfreich in der Prophylaxe sein, was tust Du aber wenn Du es nicht mehr an die frische Luft, ja kaum noch aufs Klo schaffst, wenn Du es nicht mehr schaffst, Dich zu ernähren? Es ist ein Teufelskreis und kann durchaus auch genetisch veranlagt sein. Und wenn die Depression eine körperliche Ursache hat, dann hilft Dir das alles auch nicht weiter...dass die psychologische Schiene übertrieben wird, dass dadurch manchmal(oft) Probleme erschaffen werden, die vorher gar keine waren, da geh ich total einher mit Dir. Ich finde grundsätzlich sollte JEDER der mit den Symptomen einer Depression zu kämpfen hat erst einmal einen ganzheitlichen körperlichen Check machen lassen, BEVOR eine Psychotherapie begonnen wird (Blutwerte, Stoffwechsel usw.)... Denn oft lässt sich ein Problem schneller und einfacher beheben ohne das zusätzliche psychische Probleme kreiert werden müssen...Ich habe es des öfteren erlebt, dass sich jemand in die Therapie geschleppt hat, eine beginnen wollte und am Ende war es Eisenmangel oder die Unverträglichkeit der Pille...es gibt -zich rein körperliche Ursachen, die zu den Symptomen führen können...werden Diese aber nicht gesehen und behoben sondern damit begonnen, was denn in der Kindheit und Jugend oder nach dem Tod von Xy oder nach der Scheidung (die Reaktion darauf liegt in der Kindheit uswusf.) wird-im "Idealfall" noch bei einem schlechten Therapeuten, der dann noch munter ein paar Traumata suggeriert-dann kann sich auch psychisch ein richtiges und behandlungsbedürftiges Problem entwickeln und dann hat man den Salat...Da sehe ich heute durchaus ein Problem. Ich finde es gut, bekommen die Themen ihren Platz, momentan kippt es allerdings in eine, in meinen Augen, nicht produktive Richtung, weil mehr Probleme geschaffen werden als tatsächlich vorhanden sind...den ganzen wirtschaftlichen Aspekt darf man auch nicht ignorieren...die Pharma profitiert ungemein von dem Boom, genauso Psychiatrien...oder warum werden ambulante Stationen geschlossen, damit man in der Forensik einen Whirlpool einbauen kann? Forensik bringt mehr Geld. Warum werden Medikamente verschrieben, bei denen nachweislich Depressionen eine der Hauptnebenwirkungen sind (Medis, die in anderen Ländern deswegen verboten sind).. Geld...Dass es nur ums Helfen geht-und ja ich darf, ich komm aus dem Fach-ist ein schöner Gedanke aber leider nicht Realität. Menschen werden auch krank gemacht.
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Who C. vor 4 Monate
Bitte vergesst nicht wie Komplex dieses Thema ist. Schon in den ersten 3 Sätzen wird eine Folge mit der Ursache verwechselt. Es ist das Leben mit all seiner Grausamkeit, vor allem durch Menschen ohne echte Moral, welches "Betroffenen den Alltag schwermacht". Die Folgen daraus sind "psychische Krankheiten", bis zum Suizid... Ob das nun die ultimative Analyse der menschlichen Psyche war möge bezweifelt werden aber nirgends im Text wird unsere Gesellschaft, Kultur oder Moral erwähnt. Das wenige Wissen über unseren Geist und Bewusstsein lässt aber darauf schliessen, dass es Alles damit zu tun hat.
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