Geheimnisvolles Dinner mit reichen Menschen

Wir haben einen Abend mit gut betuchten Leuten bei einem mysteriösen Dinner-Event im Zürcher Tram-Museum verbracht.

Kurz vor 18 Uhr stehen wir am vorgegebenen Treffpunkt bei der Zürcher Pestalozziwiese. Hier sollen wir nach «Schaffnern» Ausschau halten, die uns weitere Infos zum Verlauf des Abends geben werden. Heute findet nämlich eine Veranstaltung namens «Secret Dinner» unter dem Motto «Eine Reise ins frühere Zürich» statt. Das «Secret Dinner» ist so secret, dass man Vorhinein – abgesehen von Treffpunkt, Uhrzeit und Motto – genau gar nichts darüber weiss. Gibt Spannung und Kick oder so.

Die Schaffner, die wir suchen sollen, sehen wir schon von Weitem, da sie bereits von einer kleinen Menschenmenge belagert sind, an die sie geheimnisvolle Kärtchen (die sich als Menüplan entpuppen) an die Teilnehmer verteilen. Eines fällt uns jetzt schon auf: Die erwartete Ansammlung von ein paar lustigen Hipsters, die sich für einen Abend voll crazy-fabulous fühlen wollen und etwas «total abgefahrenes» erleben wollen, indem sie etwas essen, das sie nicht kennen, bleibt aus.

Zu schön, zu reich, zu gut gekleidet

Stattdessen sammelt sich schnell eine ziemlich große Gruppe von Leuten um uns, von denen der überwältigende Teil  aus sichtbar wohl-situierten Pärchen mittleren Alters besteht. Einige davon punkten, dem ausgefallenen Anlass entsprechend, mit schicker Abendgarderobe, gut geschnittenen Anzügen und Mut zu modischen Statements (in erster Linie Hüte). Ich fühle mich, wie so oft im Leben, fehl am Platz zwischen all diesen schönen, reichen Menschen. Meine persönlichen Fashion Statements heute: Schweissflecken (Deo vergessen) und Übergewicht (Diät vergessen).

Zwischen all den schönen, schlanken, gut und teuer gekleideten Gästen fühle ich mich wie ein Waisenkind, dem von einem unbekannten Wohltäter ein Abend im Luxus gewährt wurde, bevor es zurück ins Heim muss, um dort Kohle zu schaufeln und sich von trockenem Brot und Eintopf aus selbst eingelegtem Sauerkraut zu ernähren.

Vorurteile sind unsexy


Nachdem die rund 80 Gäste des Abends vollversammelt sind – auch die eine oder andere D-Promi-Lifestlye-Bloggerin inklusive illustrer Entourage hat sich eingefunden – werden wir tatsächlich stilvoll mit einer eigens angemieteten Strassenbahn abgeholt, die uns an den noch unbekannten Ort des Geschehens transportieren und schon einen Hinweis auf das Setting liefern soll.

Ich machs kurz: Das heutige geheime Dinner findet im Zürcher Tram Museum statt. Und, not gonna lie, der erste Eindruck ist ziemlich cool. Eine lange, wunderschön gedeckte Tafel mitten zwischen den historischen Zügen, hübsche Lichterketten und starke Drinks. In diesem Ambiente erscheinen die eleganten Anzugträger gleich viel weniger bedrohlich und unnahbar und ich muss mich – mal wieder – selbst daran erinnern, vorschnelle Verurteilungen zu vermeiden.

Partyfotos, Sexwissenschaftler, Wein-Etikette


Wir sitzen zwar zwischen zwei sehr eleganten und freundlichen Pärchen, die sich anfangs zwar über ihre Geschäftsreisen nach Jordanien, Dubai, Russland und Singapur austauschen, aber – nachdem sie sich höflich über unseren Background erkundigt haben – damit beginnen, in Erinnerungen an die «alten Zeiten» schwelgen, zu denen Tilllate noch ein Partyfoto-Portal war. Lustig und sehr sympathisch, wie diese megaseriösen Herr- und Damschaften von ihren Ausgeh-Eskapaden aus früheren Jahren erzählen.

Was anfangs wie ein Snob-Spiesser-Event gewirkt hat, entpuppt sich mittlerweile als richtig schöner und gemütlicher Abend mit supergutem Essen, netten Specials wie Violinisten und verrückten Sexwissenschaftlern und eigentlich richtig coolem Publikum. Klar, die meisten Leute hier gehören zu der Sorte Mensch, die beim Weinbestellen erst einen Schluck kosten und am Glas riechen und dann dem Kellner bestätigen, dass er «nicht korkt» oder sowas in der Art. Davon mal abgesehen sind alle hier voll gechillt und mega offen und nach ein paar Gläsern Wein (der fachgerecht getestet wurde) auch wirklich witzig.

Für 120 Franken pro Person allein fürs Essen (Getränke sind extra) ist der Spass jetzt nicht gerade ein Jahrhundertschnäppchen – aber irgendwie doch noch halbwegs leistbar. Und machen wir uns nichts vor – das Gesamterlebnis ist schon mehr Wert als ein Besuch bei McDonald's.


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14 Kommentare

Zombie vor 1 Monat
Hmmm? Reiche Menschen? Nie etwas dagegen gehabt, wozu auch? Ich bin und war niemals gutbetucht und jezt? Wass soll ich gegen Sie haben? Gar nix!! Sie sind auch Menschen und viele davon sind humorvoller als man denkt!! Die Frage wäre, wenn ich reich wäre, was würde ich mit dem Geld anstellen? Ganz einfach, ich würde Sponsor von 20min und Tilllateteam werden, weil ich Journalisten seit immer cool finde!! Danach würde ich jedes 3te Wochenende selber Dinnern veranstalten wo nur Presseleute, Bankleute, Staatsleute eingeladen sind und ich glaube das erste Abendessen würde ich im grossen Speisesaal vom Landesmuseum Züri veranstalten, wo damals die Regierenden gespeist hatten!!! Danach würde ich die besten Violinisten aus Venezia mit einer kleinen Maskeradengruppe einreisen lassen und widme meinen lieblings Gästen dann meine absolute Lieblingskomposition von Antonio Lucio Vivaldi : Die vier Jahreszeiten!!! Zum Schluss des Dinners, gibts danach ein Geschenk für jeden einzelnen Gast und zwar eine originale venezianische Maske von mir selbst erschaffen!! Wohl bekommen meine Damen und Herren, mich vor Ihnen verbeug!!
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Dr. Who Madame How vor 1 Monat
Das ist genau so! Auch wenn es nur ein reicher Erbchampion ist - viele mussten irgendwie durch ein Studium kommen und da wurde noch ordentlich gebangt (ich meine nicht den Sex 😉) und Sorgen verdrängt etc.! Diese Leute können nur schon dadurch sehr menschlich sein. Und natürlich gibt es auch die Philanthropen: Sie würden gerne Spenden, aber Tauben sollte man nicht füttern... Kurz gesagt: Es geht elend lang bus du einmal oben bist, aber dann geht es dir recht gut dort - es lässt sich dort auch in schwierigen Zeiten leben. Ein frohes Leben ist ein glückliches!
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vor 1 Monat
das haben Sie sehr schoen geschrieben . . !
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Josh Nr vor 1 Monat
Mein Vater kauft mir das Trammuseum... ich lad euch alle ein... nehmt Papbecher mit ich servier euch guten wein..
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