«Du gibst einer Familie die Chance, ein Kind zu haben»

Junge Samenspender haben uns erzählt, was sie von der Porno-Auswahl der Samenbank halten, wie es sich anfühlt in einen Becher zu ejakulieren und ob sie Angst haben, «ihre» Kinder zu treffen.

Masturbieren macht blind – dieser Mythos wird konsequent von Pausenplatz-Trollen und übervorsichtigen Eltern aufrechterhalten. Dabei weiss man: Wenn Männer regelmässig rubbeln, beugen sie Prostatabeschwerden vor. Und wenn sie am richtigen Ort masturbieren und sich beim Zielen etwas Mühe geben, tun sie auch Gutes für andere und helfen fremden Menschen bei ihrem Kinderwunsch.

Männer, die ihren Samen spenden wollen, gibt es hierzulande viele. Die grösste Samenbank hat eine Warteliste von rund 100 Menschen, um die 50 Spender sind aktiv. Dabei kann nicht jeder wahllos sein Erbgut weiterverteilen. Neben der Gesundheit sind auch das Aussehen und die Ausbildung Selektionskriterien. Um zu Spenden, müssen die Männer insgesamt rund 10 Mal bei der Samenbank auftauchen – für Vorabgespräche, Tests und einige Spende-Sessions. Rund 2000 CHF erhalten die Spender dafür als Spesenentschädigung.

Wir wollten wissen, was für Menschen in der Schweiz ihre Spermien spenden und haben uns mit einigen jungen Spendern unterhalten.

Typ 1: «Das war creepy»

Tim* ist 23, studiert BWL und hat eine tiefe, attraktive Stimme, die wir uns für unser Kind auch mal wünschen würden – falls es ein Junge wird. «Ich ging zur Samenspende, weil ich in der 20 Minuten gelesen habe, dass die Anforderungen für Spender ziemlich hoch seien», sagt uns Tim. «Ein Kumpel und ich wollten ausprobieren, ob wir durch die Checks durchkommen.»

Tim hat den Test bestanden – sein Kumpel leider nicht. Also ging er alleine zur Samenbank und fand das kurios: «Alles war etwas creepy. Da sitzen viele ältere Menschen, die dich einfach nur anstarren», sagt er. Er wurde in einen kleinen Raum geleitet, um dort seinen Samen zu spenden. «Dort stand ein kleiner Fernseher mit vorprogrammierten Pornos. Aber die Filme waren ziemlich langweilig, so als ob die eine 40-Jährige ausgesucht hat», sagt er. «Bei den nächsten Malen habe ich ab und an meinen Laptop mitgenommen. Dann lief alles besser.»

Nachdem ein Samenbank-Kind das 18. Altersjahr erreicht hat, könnte es die Personalien des Spenders auf Nachfrage erhalten. Würde das passieren – es wäre Tim ziemlich egal. «Ich habe mir überlegt, dass die dann eine Art Halbgeschwister für meine potentiellen eigenen Kinder sein würden und das macht mir schon ein wenig zu schaffen», sagt er. «Aber dafür gibst du einer Familie die Chance, ein Kind zu haben. Und das ist dann ja nicht mein Kind – das Soziale prägt einen Menschen ja mehr als das Genetische.»

Typ 2: «Das wäre niemals «mein» Kind»

Der 24-jährige Niels* studiert Informatik und spricht ziemlich offen über die eher tragische Geschichte, die zu seiner Spende geführt hat: «Meine Freundin wurde schwanger und da wir überhaupt nicht in der Lage waren, ein Kind grosszuziehen, trieb sie ab», sagt er. «Danach kam mir in den Sinn, dass es Paare gibt, die keine Kinder haben können. Denen wollte ich mit einer Samenspende helfen. Und etwas Geld ist natürlich auch nett.» Seine Freundin fand die Idee gut und war sogar etwas eifersüchtig, dass es für sie keine einfache, ähnliche Methode gibt, um zu helfen.

Angst, dass sich das Kind später mal melden könnte, hat Niels keine: «Ich fände es noch interessant, dieses Kind zu treffen. Ich würde es aber niemals als «mein» Kind betrachten», sagt er. «Schlussendlich prägt die Familie einen Menschen ja viel mehr, als das Erbgut, glaube ich.»

Typ 3: «Hauptsache etwas Kohle verdienen»

Oliver* ist 22, hat eine KV-Ausbildung abgeschlossen und ist seit gut einem Jahr arbeitslos. Absichtlich, versteht sich. «Um zu Reisen und etwas Rumzuhängen», wie er erklärt. «Sperma zu spenden war eine einfache Methode, etwas Geld zu verdienen», sagt er. «Und die Gesundheitschecks konnte ich auch gleich erledigen.»

Er hofft, dass er niemals von einem Kind hören wird, dass aus seinem gespendeten Sperma entstand: «Das wäre mir schon sehr unangenehm, denn für mich ist die Sache abgeschlossen», sagt er. «Aber ich glaube auch nicht, dass ein Kind jemals das Bedürfnis haben wird, seinen genetischen Vater kennenzulernen. Denn Familien, die auf eine Samenspende angewiesen sind, werden sich ja sicher gut um den Nachwuchs kümmern. Zumindest hoffe ich das jetzt mal.»

Viele Gründe – ein Zweck

Der eine spendet des Geldes wegen, der andere aus einem sozialen Aspekt und der letzte schlicht, weil er sich etwas beweisen will. Wirklich Angst davor, irgendwann seinen «eigenen» Kindern zu begegnen, hat aber keiner.

Wenn es dich beim Lesen gejuckt hat und du ebenfalls deinen Samen spenden willst, melde dich bei einer der Schweizer Samenbanken. Denn, so würde es ein nationaler Fernsehsender formulieren: Jedes Spermium zählt!

* Alle Namen von der Redaktion geändert


Kommentar schreiben

16 Kommentare

Egospermator vor 1 Jahr
Wenn sie wüssten, ob sich da jemand nen kleinen Hitler erzieht, könnte ich den - ich nenne es so - verantwortungslosen und von Geldsorgen getriebenen Umgang mit dem eigenen Saft vielleicht nachvollziehen. Ich würde lieber nicht in so eine Sache hineingezogen werden wollen...man weiss ja nie. (hehe, und die katholische Kirche findets "äusserst verwerflich", wenn man hier auch den Google-Ergebnissen Betrauen schenken darf).
0
0
Antwort
Gespendeten vor 1 Jahr
Würde gerne meinen biologischen Vater kennen, leider keine Chance 😞
24
5
Antwort
Phil Meh vor 1 Jahr
Das käme für mich nie und nimmer infrage, der Gedanke, dass dann irgendwo in der Welt draussen ein Kind rumläuft, das ähnlich aussieht und ähnlich veranlagt ist wie ich, vielleicht mit den gleichen Sorgen, Problemen oder Talenten und ich ihm nicht bestehen kann, würde mich durchdrehen lassen. Niemand versteht ein Kinder besser als seine Eltern, wenn du dich da bewusst aus der Verantwortung ziehst, ist das feige, egoistisch oder einfach gedankenlos. Ich bin sicher, die jungen Männer Anfangs zwanzig werden es in zehn Jahren übelst bereuen und den einen oder anderen Therapeuten nötig haben!
38
40
Antwort
Antwort von Erklärbär vor 1 Jahr
Du sagst es richtig: Die Eltern verstehen ihr Kind am Besten...und nicht der Erzeuger. Das ist ein Unterschied. Würde es keine Samenspender geben, gäbe es eine Menge unglücklicher Paare da draussen, die ansonsten keine Kinder bekommen könnten. Somit ist das ganze alles andere als feige und egoistisch von den Spendern.
42
7
Antwort
Welche Vergewaltiger sind in deinem Lieblingsfilm?

Welche Vergewaltiger sind in deinem Lieblingsfilm?

Bist du auch bald Pornostar?

Bist du auch bald Pornostar?

Das Netz sucht ihr eine Abschlussballbegleitung

Das Netz sucht ihr eine Abschlussballbegleitung

Diese Seite macht dich zur Weihnachtsfee

Diese Seite macht dich zur Weihnachtsfee