Telefonieren ist so 1998

Eine Anti-Anruf-Webseite geht viral. Die fiktive Telefonhasserin Finja erklärt, warum sie Anrufe verabscheut und für veraltet hält und zeigt Alternativen auf.

Wann und mit wem hast du das letzte Mal telefoniert, ausser mit deiner Mutter? Auf der Webseite warum-ich-keine-anrufe-mag.de ist der Name Programm. Eine junge Dame, die kesse «Finja», erklärt hier detailliert, «warum ich die meisten Anrufe nicht annehme. Und warum ich E-Mails so sehr liebe!».

In neun ausführlichen Punkten begründet sie ihre Abneigung gegen Telefonate und die Vorteile von elektronischer Kommunikation, die die Stimmbänder schont und Zeit spart:

1. Weil ich ziemlich beschäftigt bin
2. Weil mein Terminkalender […] auf meinem Handy gespeichert ist
3. Weil ein Anruf keine Spuren hinterlässt
4. Weil telefonieren ein unüberlegter und unhöflicher Kommunikationsweg ist
5. Weil Wiederholungen zeitaufwändig, arbeitsintensiv und kostspielig sind
6. Weil Anrufe manchmal unangenehm und unpassend sind
7. Weil ich dir meine Telefonnummer wahrscheinlich nicht freiwillig gegeben habe
8. Anrufe lassen sich nicht sortieren und priorisieren
9. Weil ich vergesslich bin

RUF! MICH! NICHT! AN!

Natürlich erklärt Finja – die in Wahrheit Holger heisst und laut Selbstbeschreibung als «dicker, bärtiger Mann nackt am PC» sitzt – jedes Argument detailliert und hält auch gleich passende Lösungen parat. Der Grundtenor: Ruf mich nicht an, schreib mir eine E-Mail, verdammt!

Zusätzlich gibt es noch praktische Tipps und Service-Nummern, um lästigen Anrufen aus dem Weg zu gehen. Herzlichen Dank!

Sind Mails und Textnachrichten aber wirklich so viel besser als Telefonate? Ist es nicht einfacher, schneller, effizienter und nervenschonender, kurz mal anzurufen, um an eine Information zu gelangen, als stundenlanges Herumgeschreibe? Ausserdem hat man sofort seine Antwort und muss nicht erst darauf warten, dass sich der Angeschriebene an den Computer oder sein Smartphone begibt, die Nachricht liest und dann irgendwann eventuell antwortet.

Texten ist auch nicht immer die beste Lösung

Das Antworten auf Mails und SMS kann zugegeben auch ziemlich schnell gehen, muss aber nicht. Wir haben alle schon irgendwann ungeduldig auf virtuelle Antwort gewartet. Sei es die Liebes-SMS vom Schwarm, die Terminbestätigung für ein wichtiges Arbeitsmeeting oder auch die Rückmeldung dieses einen Online-Stores über die Beschwerde zur unvollständigen Lieferung. Irgendwie gar nicht so cool.

Und was haben die Menschen eigentlich gemacht, bevor es Telefone gab?


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7 Kommentare

holger vor 2 Jahre
Schön dass Holger keinen Job hat und darum nicht telefonieren muss...
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Frau Keludovik vor 2 Jahre
"Mein Terminkalender ist auf dem Handy" Ja und ? Telefonieren ist auch nur 'ne App, welche in den Hintergrund gelegt werden kann. Dann Lautsprecher an, Terminplaner starten und gut ist. Weiss natürlich nicht, ob das auch auf (sche)i(ss)Phones funktioniert...
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Peter aus dem Süden vor 2 Jahre
In der Welt der Lügen und verarsche, stehe ich auf Email. Versprechungen und Abmachungen sind dann festgehalten. "Habe ich nicht gesagt" und "so habe ich das nicht gemeint" sind dann belegbar. Antworten müssen überlegt sein und nicht irgend ein geschafel. Ab und zu kann ein kurzes Gespräch mehrere Fragen klären. Aber dann per Email festhalten.
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Peter Götz vor 2 Jahre
Kommt halt immer drauf an! Eine Adresse, Telefonnummer, technische Daten, sind als SMS oder eMail besser, da gibt es keine Übermittlungsfehler. Brauche ich z.B. einen Arzttermin ist Telefon auf alle Fälle schneller. Auch bei Fragen, bei welchen sich aus der Antwort die nächste Frage ergibt, sind per Telefon schneller erledigt.
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