Soll Spotify Nazi-Musik sperren?

Letzte Woche entfernte Spotify ein paar Dutzend Rechtsrockkünstler aus dem Angebot. Ist das ein guter Schritt oder führt die Zensur nur zur Verstärkung des Problems?

Eine Woche nach dem eskalierten White-Supremacy-Aufmarsch in Charlottesville überschlagen sich die Reaktionen: Gewisse White-Power-Anhänger fühlen sich durch die negativen Reaktionen, mit denen sie konfrontiert werden, schlecht behandelt (sie wollten doch nur «friedlich» Rassenkampf führen) und stellen Videos von sich beim Weinen ins Netz. Andere verloren ihre Jobs oder den Rückhalt der Familie. Facebook, Reddit, GoDaddy und andere Internetunternehmen verbannten Nazi-Gruppen und -Homepages – und jetzt ziehen auch die Musikstreaminggiganten nach.

Spotify bannt Nazi-Bands

Nachdem das amerikanische Branchenportal Digital Music News ein paar Dutzend White-Supremacist- und Nazi-Bands auf Spotify entdeckt hatte, reagierte der Streamingriese prompt und entfernte beinahe alle der genannten Bands. Darunter finden sich beispielsweise die Deutsche Rechtsrockband Freikorps («Deutschland den Deutschen») oder die polnischen Selbstmord («Aryan Voice of Hatred»). Deezer, der kleine Bruder von Spotify, verbannte die Bands ebenfalls. Apple Music ist derweil für eine etwas restriktivere Zulassungspolitik bekannt und verbannte bereits 2014 diverse Nazi-Künstler aus dem Sortiment.

Die rechtsextreme Musikszene ist aber gross. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr 69 Tonträger indiziert – laut der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien eine Rekordzahl. Spotify sperrt Künstler proaktiv anhand dieser deutschen Liste, erfasst dadurch aber noch lange nicht das gesamte Spektrum an rechtsextremer Musik. Die brandenburgische Band Exzess, die im vergangenen Herbst im St. Gallischen Unterwasser vor 5000 Neonazis auftrat, findet sich beispielsweise immer noch auf dem Streamingdienst.

Das stellt uns vor ein paar Fragen:

Soll man (rechts-)extremistische Musik von Streamingportalen verbannen?

Einerseits müssten die Streamingdienste solche Musik bereits anhand ihrer AGBs sperren. Spotify liess kürzlich auch kommunizieren, dass «illegale Inhalte und Musik, die Hass und Gewalt gegen Rasse, Religion, Sexualität oder Ähnliches fördern oder fordern» entfernt werden. Und grundsätzlich ist ein Verbreiten von menschenfeindlichen und faschistischen Inhalten sowieso zu verhindern.

Andererseits kann ein Aussperren das «Wir gegen die Welt»-Gefühl, das Aktivisten oder Terroristen beflügelt, nur noch verstärken. Ein Beispiel: Der «Daily Stormer», das federführende Neonazi-Portal aus den Staaten, musste sich nach der kürzlichen Sperre durch GoDaddy ins Darknet verziehen. Das bestätigt viele aus der Szene aber nur in ihrer Ansicht, dass sie niemandem mehr trauen können, sich enger zusammenschliessen und vielleicht sogar noch stärker radikalisieren müssen.

Und: Ganz generell ist es doch bedenklich, die Rede- und Meinungsfreiheit einzuschränken – was uns gleich zur nächsten Frage führt.

Was soll man überhaupt sperren?

Die grosse Frage lautet: Wo zieht man die Grenze? Darf man rechtsextreme Elemente verwenden, wenn sie ironisch oder satirisch gemeint sind (man denke an Rammstein)? Sind die linksextremen Slime («Deutschland muss sterben») okay? Auf Spotify sind sie jedenfalls zu finden. Und: Läuft man nicht irgendwann Gefahr, einen Safe-Space für Schneeflocken zu schaffen, auf dem nur noch apolitische Liebessongs und Weihnachtshits gespielt werden? Selbst Bob Marleys «I Shot the Sheriff» (angenommen es geht wirklich um Cops und nicht um Geburtenkontrolle) könnte als Aufruf zur Gewalt am Staat interpretiert werden.

Klar, Gewalthetze, wie sie beispielsweise die Band Mordkommando verbreitete («Bomben auf Wiedikon» oder die Morddrohung gegen die Zürcher Stadtpräsidentin Corinne Mauch), sollen nicht publiziert werden dürfen.

Was bringt die Sperre überhaupt?

Mordkommando sind nicht auf Spotify. Auf dem Streamingportal ist es – zumindest für Aussenstehende – tatsächlich relativ schwierig, antisemitische Parolen zu hören. Auf Youtube hingegen ist es ein Leichtes, Songs von Landser («Opa war Sturmführer bei der SS») oder Stahlgewitter («Auftrag Deutsches Reich») zu finden. Und selbst wenn die grossen Portale extremistische Musik sperren würden, gibt es immer noch 4chan, Liveleak und das Darknet. Und eine grossangelegte Internetzensur – wie sie Aktivisten durch den amerikanischen «Internet Freedom Act» befürchten – wäre ein gewaltiger Rückschritt für die Menschheit.

Ganz ehrlich: Wir sind unschlüssig, worauf wir hier plädieren sollten. Logisch: Rassismus und Faschismus sind das Resultat von unsinnig geschürter Angst und blindem Hass. Und das will kein vernünftiger Mensch. Aber ob die Streamingportale hier einen Beitrag zu einer besseren Welt leisten oder kontraproduktiv handeln – das ist schwierig zu beurteilen.


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191 Kommentare

Mariona vor 21 Tagen
Heute lese ich Sexistischen linken Frauendreck Scheiss..soviel dazu!
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Supporter vor 1 Monat
Das hier führt doch zu nichts. Natürlich ist die Diskussion angebracht, und auch teilweise verständlich. Gerade im Falle Landser, Stahlgewitter etc. um hier mal die rechten zu nennen. Jedoch muss wie die Kommentare zeigen, auch in Richtung des Rap, Raggae oder Punk gezielt werden. Da muss ich sagen nein. Jeder der sich hinziehen lässt von dieser Musik, hat so oder so ein Problem. Ich höre auch ganz gerne klar frauenverachtende Musik, ehre aber meine Mutter, Schwester, Freundin, die Dame aus dem HR oder eine Sicherheitsangestellte trotzdem. Nebenbei hatte ich auch die Phase mit 12-14 als die Landser Texte ihren Reiz hatten. Kann die heute noch teilweise auswendig und plärre sie im angeheiterten Zustand ,ohne es Ernst zu meinen, mit Kollegen immer noch nach. Sehe aber die Sachlage politisch, ethisch und moralisch ganz anders als die "Musiker" dieser Lieder. Ich denke wirklich es hat keinen Zweck Musik so zu verbieten. Selbst auf Spotify nicht. Wo wird die Grenze gezogen? Müssen alte Onkelz Lieder auch verboten werden? (Ja ich kenne die Geschichte, Nein ich habe keine Lust darüber zureden). Alles was anzieht schreckt heutzutage zum Glück auch ab, oder regt zum Nachdenken an. Heute reden wir über den Verbot vom "Rechtsrock", gestern war es noch zu offene sexuell ausgerichtete Musik, morgen ist es Musik welche sich gegen den Kapitalismus richtet und übermorgen muss ich meine signierte Georg Michael CD und das Best of Modern Talking öffentlich verbrennen, weil dies dann angesagt ist. Musik soll Musik bleiben und wer daraus einen Amoklauf startet (Marylin Manson, Rammstein), gegen schwule hetzt (Bounty Killer, Sizzla) oder denkt das Reich kommt wieder (Landser) ist selber ein infantiler, schwacher und kranker Geist.
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Zombie vor 1 Monat
Hmmm?? Ich hab mich noch nie zu einem Artikel geäussert, wo es sich um Rechts oder Links dreht, weil ich absolut neutral und unpolitisch bin, doch in diesem Artikel geht es um Musik und ich bin ja auch Musiker!!! Wie kann man so dämmlich sein und Musik verbieten wollen? Als wie Rassismus und Antisemitismus von Hitler persöhnlich erfunden worden sind😃!! Wenn ich die Menschheitsgeschichte betrachte, so hat es das alles schon vor XXX Jahren früher gegeben, in einer Zeit, wo es überhaupt keine Musikinstrumenten und Fernsehern gab, Mord und Totschlag und Völkervernichtung hat es leider immer gegeben!! Wer der Meinung ist, das bestimmte Musiken oder bestimmte Horrorfilme einen Menschen zu einem Rassisten und Mörder machen, ist besoffen!! Ich finde, im Jahr 2017 sollte jeder selbst entscheiden, was Er hören und sehen will, das ist alles immernoch charakterlich, individuell und einem selbst überlassen. Magt Jemand Oberkrainer? Dann soll Er Oberkrainer hören! Magt Jemand Gangsterrap? Dann soll Er Gangsterrap hören! Magt Jemand Punk? Dann soll Er Punk hören! Magt Jemand Rechtsrock? Dann soll Er Rechtsrock hören! Es ist noch lange nicht gesagt und bewiesen, dass solche dann wegen der Musik, ich wiederhole : NUR WEGEN DER MUSIK, alle zu Mördern mutieren 😃!! Ich bin für einen grossen schweizweiten Verbot der Billagrechnung, denn Die ist schon menschenverachtend genug.........und Diejenigen wo diese Billagrechnung erschaffen gehören absolut IN THE JAILHOUSE NOW FELLAS!!!!!😃
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ben vor 1 Monat
unglaublich diese kommentare hier! 70 jahre reichen aus um zu vergessen was? wer solches toleriert ist kein scheiss besser! hier gehts nicht um links oder rechts..hier gehts um nazi scheiss! andere liga...
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