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Klammere dich nicht an deinen Besitz

Adieu, tschüss, bye bye: Wer einen Verlust schnell abschreiben kann, ist im Vorteil. Leider macht uns die Psyche oft einen Strich durch die Rechnung.

Illustration: Marcel Reich 

«Should I stay or should I go», bleiben oder gehen? Was sich die Punk-Urväter von The Clash schon 1982 fragten, ist im Sommer 2017 aktueller denn je. In einer Blockbuster-Saison vollgepackt mit enttäuschenden Filmen wären viele am liebsten in der Pause aus dem Kino gelaufen. 

Doch selbst bei Stinkern wie «The Mummy» sind die meisten sitzengeblieben. Dabei hätte man die Zeit sinnvoller nützen können. Allerdings hat man 20 Franken Eintritt bezahlt, und das Geld will man nicht zum Fenster rausgeschmissen haben. Man bleibt – und quält sich doppelt. 

Nicht nur, weil der Film mies bleibt. Sondern auch, weil man weiss, dass man eigentlich in einer Bar oder zuhause mehr Spass haben könnte. Doch den Verlust (die 20 Franken) werten wir viel höher als den (Spass)-Gewinn. Nicht nur im Kino.

Neandertaler-Verhalten

Dass wir in schlechten Filmen sitzen bleiben, geht zurück bis in die Urzeit. Damals gab es zwar noch keinen Tom Cruise, doch die Angst vor Verlust war schon in den Köpfen fest verankert. Aus gutem Grund: Für einen Urmenschen war es überlebenswichtig, seinen Besitz zu behalten. Der Verlust der Vorräte bedeutete den Tod – während frei herumlaufende Tiere zwar einen Gewinn, aber auch ein Risiko sein konnten.

Die Wissenschaft nennt dieses Verhalten den Ausstattungseffekt. Wir bewerten Dinge stärker, sobald wir sie besitzen. Was uns gehört, ist automatisch wertvoller. Dinge, die wir besitzen, wollen wir auch nicht mehr verlieren. Sogenannte Messies – Personen, die sich von keinem ihrer Besitztümer trennen können – sind also nicht einfach irr. 

Weg ist weg

Allerdings: Wir sind keine Neandertaler mehr. Vor allem bei finanziellen Angelegenheiten tut es gut, sich von Altlasten zu trennen und nach vorn zu schauen. Denn gewisse Investitionen, sogenannte «sunk Costs», kommen nicht zurück. Auch dann nicht, wenn wir an ihnen hängen oder darüber nachdenken, wie viel Zeit, Mühen oder Geld man für sie schon geopfert hat. 

Im Gegenteil: Wer emotional argumentiert, kann seine Situation verschlimmern. Denn entscheidend ist nur die Zukunft. Bei der Entscheidung, ob man – finanziell, emotional oder sonstwie – investieren will, darf die Vergangenheit keine Rolle spielen. Weg ist weg.

Waffen und Liebe

Bei Politikern ist dieser Denkfehler weit verbreitet. Sie geben sogar zu, dass ein Kampfjet, ein neues Tram oder das Veloweg-Netz in der Stadt ein Flop ist. Aber man hat schon so und so viele Millionen Franken an Steuergeldern dafür eingesetzt – das darf nicht einfach für nichts gewesen sein. Wenn Politiker aber Ökonomen wären und etwas von Finanzen verstehen würden, wüssten sie: Sie liegen falsch. Denn der Spruch, man solle gutes Geld nicht schlechtem hinterherwerfen, kommt nicht von Ungefähr.

Heikler ist die Sachlage in der Liebe. Wenn die schöne Elena in der Kuppelshow «Love Island» nach der Trennung von Jan heulend klagt, er hätte ihr früher sagen sollen, dass es nicht klappt, sie habe schon so viel Gefühl investiert, liegt sie wirtschaftlich gesehen falsch: Entscheidend ist nur, ob Jan und Elena als Paar eine Perspektive haben. Doch bei einem Ehepaar mit Kindern haben investierte Zeit und Emotionen durchaus einen Wert. Nicht umsonst heisst es, die Ehe sei dazu da, «über Zeiten der Nichtliebe hinweg zu kommen».

Abwägen und entscheiden

Was tun? Am besten einen kühlen Kopf bewahren. Bevor man eine Entscheidung trifft, sollte man klären, welche Kosten «sunk», also versunken sind, und welche nicht. Dabei dürfen nur Dinge beachtet werden, welche die Sachlage tatsächlich beeinflussen.

Völlig emotionslos muss man nicht agieren. Eine Beziehung kann und muss Tiefen durchlaufen, bevor sie neue Höhen erreicht. Aber bei Geldfragen sollte man nicht wie ein Romantiker, nicht wie ein Messie, sondern wie ein Wirtschaftsfachmann denken. 

Frei nach dem Motto: Was geschehen ist, kann man nicht zurückholen – der Rest des Lebens beginnt jetzt. Was auch für die eigene Jugend, respektive die Vorsorge gilt. Denn das Thema geht alle an. Wer klug ist, informiert sich, wägt ab und entscheidet zukunftsgerichtet. Schliesslich ist das Alter kein schlechter Film, aus dem du einfach rauslaufen kannst.

Bleiben oder gehen? In welcher Situation hast du es verpasst, alte Zöpfe abzuschneiden?


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25 Kommentare

M.M vor 1 Monat
ich war 23 Jahre verheiratet...es begann alles sehr schön. grosse liebe 2 Kinder. leider spielten sich über die Jahre immer grösser werdende Eifersuchtsdramen ab (grundlos) das ganze steigerte sich bis hin zu krankhaften Eifersucht Szenen und Selbstmord Drohungen. Da fragte ich mich dann, möchtest du nochmals so viele Jahre mit diesem Mann der dir soviel leid...soviel Energie und Lebenskraft geraubt hat verbringen? Meine Antwort war ein ganz klares NEIN.... Heute nach zehn Jahren, kann ich sagen es war die Beste Entscheidung die ich treffen konnte.
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Independend Watchdog vor 1 Monat
Ich bin schon ein Dutzend Mal mitten im Film aus dem Kino gelaufen. Habe aber auch schon schlechte Filme bis zum bitteren Ende geschaut, weil ich dauernd dachte "Jetzt kommt gleich eine sensationelle Wendung", "jetzt kommt gleich die Pointe", "jetzt geschieht gleich etwas total Unvorhergesehenes" .... usw. ..., das dann aber meistens nicht eintraf. PS: Die schlechtesten Filme der Neuzeit (nach 1980), die ich bisher gesehen habe, waren Independence Day und Watchmen.
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Irina B. vor 1 Monat
leider von meinem Ex-Freund... viel zu lange ans Gute geglaubt.... bin selber schuld. danke für die Tipps
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Robert vor 1 Monat
Bis zu meinem 20. Lebensalter besass ich nicht viel mehr als meine Kleidung, meinen Stolz und einen Appetit. Von 20 bis 50 war ich wie eine Elster und schleppte alles nach Hause, was mir gefiel und ich mir leisten konnte. Von 50 bis 60 lehnte ich zurück, schaute mich um und genoss die Dinge, die mir gehörten, aber dann zwischen 60 und 70 stellte ich fest, dass es mir Spass macht, sie zu verschenken. Jetzt mit 70 Jahren, habe ich erkannt, das mir nur drei Dinge wichtig sind meine Bibel, meine Brille und meine falschen Zähne Marias Südafrika
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