Schwule machen Heteros zu besseren Männern

Die Neuauflage der Reality-Show «Queer Eye for the Straight Guy» ist eine überdramatische Ansammlung von Klischees. Und trotzdem hat die Sendung nichts von ihrer gesellschaftlichen Relevanz eingebüsst. Unser Autor ist grosser Fan.

In den frühen 2000ern veränderte eine TV-Show mein kleines, schwules Herz: «Queer Eye for the Straight Guy». Das ist diese Make-Over-Serie, in der fünf fabelhafte und natürlich gutaussehende homosexuelle Männer einen nerdigen, schlecht frisierten Hetero unter ihre Fittiche nehmen und nicht nur seinem Look, sondern gleich seiner ganzen Existenz einen Hauch von Glamour verpassen und damit sein Leben nachhaltig verändern.

Und meines auch. Abgesehen vom selbstverständlich wunderbar trashigen Konzept war es nämlich das erste Mal, dass ich Schwule im Fernsehen zu Gesicht bekam, die mehr waren, als schrullige Paradiesvögel in lustigen Nebenrollen. Nein – die «Fab 5» hatten was zu melden und waren so erfolgreich, dass ihnen eine eigene TV-Show gewidmet wurde. Ich wusste: So will ich auch sein!

Heute schon veraltet?

Seit Mitte der Woche strahlt Netflix nun ein eigenproduziertes Reboot von «Queer Eye» aus. Anstatt vor Freude die Pride-Flagge zu schwenken und vor Aufregung mein Grindr-Profil zu deaktivieren, um ja nicht beim Bingewatchen abgelenkt zu werden, war ich anfangs skeptisch.

In den letzten fünfzehn Jahren hat sich viel getan. Die LGBTQ-Community ist grösser und offener denn je, wir können mittlerweile an vielen Orten auf der Welt heiraten, wir sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Schwule werden nicht mehr nur als gut gekleidete Exoten gesehen, die genau wissen, welches Duftkerzen-Aroma dein Wohnzimmer am besten olfaktorisch untermalt. Kann das Klischee-Feuerwerk, das «Queer Eye» damals schon war, in unserer heutigen Zeit voll endloser (auch politischer) Debatten über Identitäten und Sexualität mithalten?

Gay-Klischees und Männlichkeit

Nach der ersten Folge weiss ich: Ja, es funktioniert. Obwohl das grossartige Konzept das gleiche geblieben ist, scheint der Grundtenor der Show anders, feinfühliger. Die Neuauflage fokussiert weniger stark den Krieg gegen Karohemden und ungepflegte Fussnägel, stattdessen mehr den Dialog zwischen Männern. Vieles dreht sich um die Definition von Männlichkeit, um Selbsterkenntnis und den Willen, die beste Version seiner selbst zu werden.

Dabei fehlen aber trotzdem nicht die Exzentrik, der Witz und der Charme, die den Erfolg der Emmy-prämierten Show schon seit 2003 ausgemachen. Die fünf Schwulen, die die unglücksseligen Heteros in Disziplinen wie «Modebewusstsein», «Kultur» und «Kulinarik» hilfreich zur Seite stehen, sind heute wie damals Prototypen an Gay-Klischees. Und das ist auch voll okay so.

Am Ende alles gut

Zwischen all den «Yassss, Queen!»-Ausrufen, den angeekelten Schreien beim Eliminieren von nicht enden wollenden Vorräten an Jeans-Shorts, den pathosgeschwängerten Vorträgen über ungesättigte Fettsäuren und die überlebenswichtige Rolle von Avocados und Beyonce ist «Queer Eye» noch etwas anderes: Eine Momentaufnahme unserer Generation, zwischen Rassismus, Sexismus, Vorurteilen, überstrapazierter Political Correctness und dem Aufeinandertreffen von grundverschiedenen Lebenskonzepten.

«Die originale Show kämpfte für Toleranz. Wir kämpfen für Akzeptanz», heisst es im Vorspann. Und wenn ein ultrareligiöser sechsfacher Vater von einer Gruppe schriller Homos nicht nur gelernt hat, wie man ein korrekt gemustertes Einstecktuch für den neuen Designeranzug wählt, sondern auch was Nächstenliebe und Akzeptanz bedeuten – dann scheint die Welt nur noch halb so schlimm.


 


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47 Kommentare

Toni vor 10 Tagen
Wo doch jedes kind weiss, dass schwule in den siebten kreis der hölle kommen, sollte keine schwulenwerbung gemacht werden.
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Der Bär vor 11 Tagen
Was für eine gequirlte Scheisse. Ich habe keine einzige Flasche Parfüm, gehe dank Amazon höchstens 1x pro Jahr in einen Kleiderladen (wenn ich beim Packen für die Ferien was vergessen habe) und habe nur 2 Paar Schuhe, die ich trage. Trotzdem bin ich schwul. Schiebt euch eure dummen Klischees doch sonstwo hin.
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Antwort von Ekeltoni vor 10 Tagen
Heten männer schieben sich aber nichts irgendwohin,hihihi🙃
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Antwort von hetiboy89 vor 10 Tagen
heteeomänner schieben sich heimlich sacha.. haha was miar fründina immer verzellen.. bitte schieb miar en dildo.. oh i binnau hetero.. und lah mich fickd
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