Mit Basteln, iMac und $$$ ins harte Leben

Eine Luzerner Privatschule bietet charakterspeziellen Jugendlichen ein alternatives Lernsystem. Durch aussergewöhnliche Unterrichtsmethoden werden Stärken gefördert und selbstständige junge Erwachsene geformt. Vorausgesetzt, man hat das nötige Kleingeld.


54 Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren besuchen zurzeit die «Projektklasse» in Luzern. Eine kleine Privatschule, untergebracht in einem modernen Kastenbau aus ganz viel Metall und Glas. Schulleiter Hansruedi Eberli empfängt mich lächelnd und erklärt mir das Grundkonzept seiner Schule, während der Reihe nach alle Jugendlichen zu uns an den Tisch kommen, um uns die Hand zu reichen. Irgendwie seltsam. Sehr höflich, aber einfach wirklich seltsam.

Modernes Drei-Punkte-Konzept ohne Hausaufgaben

«Viele Jugendliche haben ein Problem mit strengen Strukturen», erklärt Hansruedi. Da Strukturen aber wichtig für einen geregelten Ablauf seien, baut der Tagesplan der «Projektklasse» auf relativ flachen Hierarchien und einem simplen Drei-Punkte-Konzept auf.

Einerseits sind das tägliche Vorträge zu bestimmten Themen, an denen – unabhängig vom Alter – alle Schüler gesammelt teilnehmen. Das Setting erinnert an einen Unihörsaal. Heute dreht es sich um die Vormachtstellung der Weltmacht USA. Die Kinder machen sich Notizen, die sie später zusammenfassen und durch eigene Recherche ergänzen werden.

Danach wird an individuellen Projekten gearbeitet. Ich darf mich in einer Art Grossraumbüro mit den «Projektklässlern», die alle über eine eigene Workstation inklusive iMac verfügen, unterhalten. Von einem Rechercheprojekt zu guten Erfolgen und besseren Noten in der Lehre, über Bastelarbeiten an einem Schiffsmodell bis hin zu einer Präsentation über das wohl nerdigste Spiel aller Zeiten – World of Warcraft – ist so ziemlich alles dabei.

Um einen anerkannten Abschluss zu erhalten, wird das Programm dann noch mit Unterricht in Standardfächern wie etwa Deutsch, Mathematik und Englisch vervollständigt. Auch hier herrscht eine lockere Atmosphäre, Hausaufgaben gibt es nicht.

Teenie-Traum oder überteuerte Hipster-Steiner-Schule?

Projektbereichsleiter und Lerncoach (so heissen hier die Lehrer) Markus, gutaussehend, charmant, blond mit Hipsterzöpfchen, gibt mir ein bisschen mehr Input: «Die meisten hier sind spezielle Charaktere, die in normalen, öffentlichen Schulen viele Probleme hatten und keinen Anschluss gefunden haben. Hier bei uns ist aber jeder willkommen und durch respektvollen Umgang, individuelles projekt- und praxisorientiertes Arbeiten helfen wir dabei, nicht nur den Abschluss zu schaffen, sondern sich auch auf das Leben danach vorzubereiten – ob Lehre oder weiterführende Schule.»

Klingt doch eigentlich mal ziemlich cool – keine Hausaufgaben, eigenständiges Arbeiten, kreative Förderung, eigener iMac und sexy Lehrer, die keine sein wollen. Teenie-Himmel meets Hippie-Kommune, würd ich mal sagen. Was ist der Haken an der Sache? Vielleicht das Stigma, auf einer Art «Hipster-Steiner-Schule» gewesen zu sein? Vielleicht aber auch die zwei- bis dreitausend Franken an Schulgebühren, die monatlich (!) lockergemacht werden müssen. Kann sich auch nicht jede junge Single-Mama mal einfach so nebenbei leisten.

Selbstbewusstsein zu entwickeln ist nicht immer einfach

Um die Finanzen muss sich Schülerin Laura nicht kümmern, dafür kommen ihre Eltern auf. In ihrer alten Schule hatte die kesse Blondine grosse Probleme mit den Mitschülern und in Folge sackten auch ihre schulischen Leistungen Richtung Keller. Seit sie in der Projektklasse ist, gehe es in jeder Hinsicht bergauf, freut sie sich.

«Wir sind wie eine Familie. Ich habe meine besten Kolleginnen hier kennengelernt! Und auch der Unterricht gefällt mir jetzt viel besser. Man hat sehr viele Freiheiten, muss aber trotzdem seine Aufgaben erledigen. Das macht es nicht immer einfacher, hat mir aber geholfen, selbstständig und auch selbstbewusster zu werden!», schwärmt die 16-Jährige.

Aufgenommen und gefördert wird jeder –  Ausgrenzung gibt es nicht

Auch Lauras Altersgenosse Simon hatte es in der Vergangenheit nicht leicht. Durch seinen speziellen Charakter und verrückten Style mit bunten Haaren fiel er schnell auf und machte sich zum Aussenseiter – die Welt war noch nicht bereit für den Paradiesvogel. Heute gehört er zu den wenigen Ausnahmen, denen die Zeit in der Projektklasse durch kantonale Förderung finanziert wird. Dafür nimmt er auch einen langen Schulweg in Kauf; ein Internat gibt es nicht.

Aufgeregt erklärt er: «In anderen Schulen wird Kreativität nicht gefördert, im Gegenteil: Individualität wird genommen! Hier ist es genau anders. Hier kannst du sein, wie du möchtest und du wirst angenommen.»

Ich bin beeindruckt von der Reife und Offenheit, mit der mir die jungen Leute hier entgegenkommen. Zumindest auf menschlicher und emotionaler Ebene lernt man hier wohl mehr als in den meisten «normalen» Schulen.


Kommentar schreiben

39 Kommentare

ivan schüpfer vor 2 Jahre
Ich gehe in diese Schule und kann sehr wohl Deutsch schreiben. Die Meisten, die Haterkomentare schreiben, sind Neider. Ich war in der Öffentlichen Schule und ich freue mich extrem drüber, wie ich hier behandelt werde. In der PK kümmert man sich um die Jugendlichen, früher erlebte ich in der Schule nur "Massenabfertigung von Jugendlichen".
20
7
Antwort
Adrian Gashi vor 2 Jahre
Meiner Meinung nach sind die Kommentare völlig undurchdacht. Ich finde es richtig peinlich, dass es erwachsene Menschen gibt, die nicht gelernt haben, offen und ehrlich und mit eigenem Namen zu ihrer Meinung zu stehen. Ich persönlich finde es schade, dass es Menschen gibt, die so stark gegen neue Ideen und schulischen Fortschritt sind. Ich finde, dass es in Zukunft nur noch Schulen wie die PK geben sollte.
20
5
Antwort
Lehrer an der Volksschule vor 2 Jahre
Frau Risi, es ist sehr unfair von Ihnen und auch von den SchülerInnen der Projektklasse, mit pauschalisierten Aussagen gegen die Volksschule zu wettern - Genau so wie Sie es nicht fair finden, wie die Projektklasse von Aussensteheneden öffentlich dargestellt wird. Nur weil Sie keine guten Erfahrungen gemacht haben an der öffentliche Schule, heisst es noch lange nicht, dass die Volksschule generell keine aktuellen Themen behandelt, Kinder keine Fragen stellen dürfen oder Kinder nicht ,anders' sein dürfen. Da kenne ich Dutzende Beispiele von Lehrpersonen und Schulen, die wunderbare Arbeit leisten. Eine Schule zu verteidigen, indem man pauschal alle anderen in die Pfanne haut, ist nicht fair. Damit verletzen Sie sämtliche motivierten Lehrpersonen, die genau so auf der Volksschule arbeiten, wie sie es von Lehrpersonen erwarten und scheinbar in der Projektklasse erleben. Ich kenne sehr viele gute Beispiele von der Volksschule und bin der Meinung, dass wir in der Schweiz extrem privilegiert sind.
14
18
Antwort
Antwort von Montesori Schüler vor 2 Jahre
Die Volksschule ist für mich Satanisch und nutzlos. Es ist schlicht und einfach unbrauchbarer schwachsinn. Lg Montesorri Schüler
16
10
Antwort
video
«Vine» kommt zurück und alle so «Yaaas!»

«Vine» kommt zurück und alle so «Yaaas!»

Die 10 reichsten Youtuber sind 123 Mio. wert

Die 10 reichsten Youtuber sind 123 Mio. wert

«Ich würde mir nie Kassetten kaufen!»

«Ich würde mir nie Kassetten kaufen!»

Auf ein Bier mit einem Verschwörungs­theoretiker

Auf ein Bier mit einem Verschwörungs­theoretiker