Pinguine liefern dir ein Alibi fürs Nichtstun

Internationale Forscher bieten jetzt die perfekte Möglichkeit, uns vor der Arbeit zu drücken. Wir dürfen für die Wissenschaftler Pinguine in der Antarktis zählen.

Seit Beginn dieses Artikels blinkte mein Cursor schon bestimmt tausendfach. Schuld daran sind Pinguine. Forscher der University of Oxford und der Australian Antarctic Division wollen nämlich, dass wir die für sie zählen. Fluch und Segen für alle Prokrastinations-Fans!

Vor knapp zwei Jahren stellten die Wissenschaftler in der Antarktis 50 Kameras auf, die das ganze Jahr durch Bilder der Umgebung machen. Mehrere Hunderttausend pro Jahr. Die Aufnahmen sollen Aufschluss über die Pinguin-Populationen geben. «Wegen der enormen Datenmenge brauchen wir Freiwillige, die uns helfen, sie zu zählen», erklärt Forscher Tom Hart in einer Pressemitteilung. Dafür liessen wir uns bestimmt nicht zweimal bitten.

«Wo ist Walter?» der Tierwelt

Auf penguinwatch.org kriegen wir als erstes eine unnötige Anleitung, wie sich Pinguine, Jungtiere und Eier unterscheiden lassen. Die müssen nämlich separat getaggt werden. Ein bisschen genervt darüber, diese Ablenkungsmöglichkeit nicht einfach kopflos angehen zu können, klicken wir uns durch die Einführung. Im Hinterkopf die Belohnung in Form von süssen Pinguin-Bildern.

Spätestens jetzt brennt uns als «Wo ist Walter?»-Enthusiasten vor Aufregung das Herz. Der Schwierigkeitsgrad bei den Pinguinen entpuppt sich jedoch als wesentlich tiefer. Die Seevögel machen es uns extrem einfach, sie zu markieren. Das wissenschaftliche Äquivalent zum Bestreichen eines Brotes.

Im Dienste der Wissenschaft

Seit das Forschungsprojekt im September 2014 begonnen hat, vertaggten mehr als über 28'000 Menschen über 300'000 Tiere. Wie ginge es unserer Wirtschaft wohl, wenn diese Zeit in die Arbeit anstatt in Pinguine-Bilder-Anschauen investiert worden wäre?

Aber genug des schlechten Gewissens! Schliesslich dient unsere verschrobene Prioritätensetzung der Wissenschaft. «Eine Frühwarnung über schrumpfende Populationen kann extrem hilfreich sein, denn so können Naturschutzorganisationen informiert werden, um menschliche Aktivitäten wie Fischen oder die Ölsuche einzugrenzen», sagt Hart.

Wem Pinguine zuwider sind, so unverständlich das auch sein mag, kann übrigens auch Wal-Schwanzflossen markieren und beschreiben. Gerngeschehen, Welt. Sorry, Chef.


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