Mumus und Pimmel im norwegischen KiKa

Hierzulande gelten schon Plüschvaginas als obszön – in Norwegen hingegen läuft eine TV-Show, die Kindern unzensierten Sexualkunde-Unterricht gibt.

Für Kids der Neunziger sah Aufklärung oft so aus: Man ging zum nächsten Kiosk, kaufte sich die neuste Ausgabe der Bravo und blätterte gezielt zu den Body-Check-Seiten, um Brüste, Penisse und fremde Körper anzugaffen. Natürlich wurde die Kultzeitschrift nie deswegen gekauft, sondern nur wegen des glitzernden Lipgloss oder um das heisse Britney-Spears-Poster anzuhimmeln. Ist ja klar.

Auch wenn das Interesse an Sexualität schon damals existierte, wollte man sich das oft noch nicht so recht eingestehen. Die Scham war gross und abstruse Mythen über Selbstbefriedigung und die angeblich damit eintretende Blindheit schwirrten uns im Hinterkopf umher. Stattdessen guckte man sich die Seiten eben heimlich an – bis die Seiten zu klebrig waren, um weiterzublättern.

Eine TV-Show für sexuelle Aufklärung

Aufklärung und Sexualkunde sollte eigentlich nichts sein, bei dem man sich schämt. Zu wissen, was Sex überhaupt ist, wie der eigene Körper funktioniert und was während der Pubertät mit einem passiert, ist wichtig und hat seinen berechtigten Platz auf dem Lehrplan. Besonders in unseren Breitengraden sollte sich das zu Herzen genommen werden: Einen Aufstand machen, weil Geschlechtsteil aus Plüsch im Kindergarten aufklären sollen? Total unnötig. (20 Minuten berichtete).

Kommt der Sexualkunde-Unterricht in der Schule oder Zuhause nämlich zu kurz, muss man sich eben anders helfen. Ein paar Stunden auf «Pornhub» reichen da nun mal nicht aus. Sowas ähnliches müssen sich auch die Macher von «Newton: Pubertet» gedacht haben: Die norwegische Serie, die auf dem nationalen Sender «NRK» läuft, will Kindern und Jugendlichen Sexualität frühzeitig näherbringen und mit ihren Videos aufklären.

Unzensierte Geschlechtsteile vor laufender Kamera

Durch die Show führt uns die 29-jährige Moderatorin Line Jansrud, die mit Hilfe von Plastikgeschlechtsteilen zeigt, wie Sex überhaupt geht. Für einige Menschen in unseren Breitengraden mag das schon anzüglich sein. Die junge Frau, die den Erklärbär gibt, geht aber noch einige Schritte weiter: Unbefangen zieht sie beispielsweise die Schamlippen einer Frau auseinander, um die weibliche Anatomie und die Geschlechtsteile zu zeigen und zu benennen.

Tatsächlich bleibt niemand bei «Newton: Pubertet» im Ungewissen: Von Boobies bis hin zu Ständern wird wirklich alles gezeigt, komplett unzensiert dafür aber mit wissenschaftlichen Fakten untermalt. Dass die Serie für Heranwachsende ab acht Jahren konzipiert wurde, fällt dabei immer wieder in den Hintergrund.

Ein lockerer Umgang mit der eigenen Sexualität scheint in nordischen Ländern generell weit verbreitet zu sein. Ein schwedischer Cartoon für Kinder, in dem ein Penis und eine Vagina gemeinsam tanzen und singen, ging viral. Gerade weil diese Themen öffentlich gehandelt werden, sind sie auch heftiger Kritik ausgesetzt: Auf einigen Blogs wird die Show stark kritisiert und als pornografisch bezeichnet. Sowas sei nichts für kleine Kinder. Sex-positive Norweger wiederum loben die Moderatorin für ihre entspannte Art auch Themen wie Masturbation aufzugreifen.

Es ist doch irgendwie erfrischend, endlich mal Aufklärungs-Videos zu sehen, die kein Blatt vor den Mund nehmen und das Thema Sex weder unnötig aufbauschen noch verharmlost durch Bienchen und Blümchen darstellen. Von diesem lockeren Umgang könnten wir uns hier auch mal was abschneiden – dann würden Plüsch-Vaginas vielleicht auch keine nationale Debatte mehr auslösen.


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139 Kommentare

Holger vor 7 Monate
Leider kehren die verklemmten Zeiten bei uns zurück. Das sieht man bei der Bravo. Auf dem Flohmarkt habe ich gesehen, dass man sich dort früher beim Bodycheck mit nackten 16- und 17-Jährigen vergleichen konnte, um zu sehen, dass mit einem alles normal ist. Ich hielt das für eine geniale Idee. Dann habe ich aber gesehen, dass die jetzt nur noch Erwachsene zeigen. Wie soll man sich da vergleichen? Ich dachte erst, das läge an neuen Gesetzen, aber das habe ich genau recherchiert: Wenn die Eltern dafür unterschreiben, sind so harmlose Nacktfotos von Jugendlichen immer noch erlaubt. Als ich bei der Bravo nachgefragt habe, haben die mir das auch bestätigt, und geschrieben, sie würden darüber nachdenken, die Altersgrenze wieder auf 16 zu senken. Geändert hat sich aber bis heute nichts. Darum habe ich eine Unterschriftenaktion auf Change.org, Suchwort "Sexualaufklärung" gestartet, um die Bravo dazu zu bringen, auch wieder 16- und 17-Jährige beim Body-Check zu zeigen.
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Anonimus vor 10 Monate
Ich bin 1945 geboren. Zu dieser Zeit sprach man in der Familie nie über Sexuelles. Also wurde ich von den Eltern auch nicht aufgeklärt, das hat dann ein lieber Onkel für sie übernommen. Er hat mir die praktischen "Handgriffe" in der Praxis beigebracht. Es blieb natürlich immer unser Geheimnis. Die damalige Zeit war auch nicht so gefährlich für Päderasten als dass er mich deshalb hätte umbringen müssen. Gott sei Dank ! Geschadet hat es mir nicht, ich hatte Familie und zwei heute erfolgreiche Kinder die auch schon wieder Kinder haben. Ein offenes Verhältnis zur Sexualität ist wichtig für Kinder,nur so trauen sich Kinder auch über Ihre Erlebnisse zu sprechen .
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Amarena vor 10 Monate
Das zeigt wie verklemmt wir schweizer sind. Solange nacktheit nicht pornografisch dargestellt wird sehe ich kein problem. Mann sollte das ganze thema locker betrachten und nicht überdramatisieren dann kommt das schon gut.
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Heftiger vor 10 Monate
Bitte Bikinizone rasieren!
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