Unterwegs mit Nackten in der Natur

Der 26-jährige Zürcher Roshan Adhihetty hat jahrelang Nudisten beim Wandern begleitet – und war dabei selbst unbekleidet. Seine Eindrücke hat er in einem ziemlich coolen Bildband zusammengestellt.

Der junge Zürcher Fotograf Roshan Adhihetty sorgte bei den diesjährigen «Swiss Photo Awards» für einen kleinen Eklat. Seine Fotostrecke «Nacktwanderer» sollte in der Kategorie «Reportage» ausgezeichnet werden – wurde sie aber nicht. Denn: Der 26-Jährige hatte bei seiner Arbeit einige der Bilder inszeniert und digital verändert. Aus journalistischer Sicht ein eindeutiger Fauxpas, aus dem künstlerischen Blickwinkel jedoch nachvollziehbar. Die Jury disqualifizierte Roshan jedoch und sorgte mit dieser Entscheidung für einige Diskussionen.

«Fotografie ist für mich Kunst, ich inszeniere Bilder und lasse mich dabei auch oft von klassischen Malereien – wie denen von Caspar David Friedrich – und der Ästhetik meines grossen Vorbilds Ulrich Seidl inspirieren. Ich greife in die Szenerie ein und reduziere die Wirklichkeit auf das Wesentliche.»

Ein Skandal ist besser als kein Skandal

Im Reglement sei nicht explizit erwähnt worden, dass dies verboten sei, erzählt uns der Künstler. «Ausserdem habe ich es im Erklärungstext bei meiner Einsendung zum Wettbewerb ausdrücklich angegeben. Das hat anscheinend nur niemand gelesen. Deswegen finde ich es ein bisschen unfair. Trotzdem verstehe ich die Entscheidung.» Man hätte ihn jedoch besser von Anfang an abgelehnt – nicht etwa drei Stunden vor der Verleihung.

Trotzdem: «Die Sache hat polarisiert und ein grosses Medienecho hervorgerufen. Ich glaube, von dieser Disqualifikation habe ich letztendlich mehr, als wenn ich den Preis tatsächlich gewonnen hätte», grinst Roshan fröhlich. Doch sind wir nicht hier, um über Skandälchen in der Kunstbranche zu tratschen, eigentlich geht es um das erste Buch des Schweizers mit singhalesischen Wurzeln.

Alles ohne Sex

«Nacktwanderer» – das bisher grösste Projekt des studierten Fotografen erschien vor kurzem im «Sturm und Drang»-Verlag und ist seither in allen grösseren Buchhandlungen erhältlich. Ein ziemlich grosser und wichtiger Schritt in der Karriere des sympathischen Mittzwanzigers, der laut eigener Aussage ziemlich bescheiden lebt: «Ich komme derzeit mit rund 2000 Franken monatlich über die Runden.» Ein bisschen mehr wäre natürlich schön, er sei aber glücklich, dass er seinen Traumberuf selbstständig ausleben könne.

Im Jahr 2014, im Zuge seiner Bachelorarbeit, begann Roshan Adhihetty sich für Nudismus zu interessieren. «Kollektives Nacktsein hat mich einfach fasziniert», erklärt er. «Vor allem, wenn es sich um ältere Menschen dreht und fernab von sexuellen Gedanken gelebt wird. Das finde ich berührend und wollte das Thema unbedingt fotografisch umsetzen.» Ein klassischer Nacktbadestrand sei ihm jedoch zu klischeehaft erschienen.

Merkwürdig, anders und wunderschön

Er schwärmt: «Und dann habe ich von den Nacktwanderern erfahren. Das sind alles gut integrierte, oft erfolgreiche Menschen, die ein bisschen aus dem Alltag ausbrechen und der Natur nahe sein wollen.» Nach fast zwei Monaten erfolglos versuchter Kontaktaufnahme zu verschiedenen Gruppen in der Schweiz, Österreich und Deutschland dann der erste Erfolg. Roshan durfte an einer kleineren Wanderung teilnehmen und sogar seine Kamera mitbringen. Einzige Bedingung: Auch er müsse sich ausziehen.

«Ich bin eigentlich total prüde und es war anfangs eine wahnsinnige Überwindung. Aber schon bald habe ich das abgelegt und dann war es irgendwie … natürlich», lacht der Fotograf. Bis heute sei er schon auf über 30 Nacktwanderungen mitgegangen, die grösste Gruppe hatte sogar 94 Teilnehmer. Und jedes Mal entstanden Bilder. Ein bisschen merkwürdig, ein bisschen anders aber immer wunderschön.

In der Diashow oben seht ihr einen kleinen Ausschnitt der Aufnahmen, die bei Nackwanderungen entstanden sind. Vielleicht spornt euch das ja selbst an, mal im Adams- oder Evakostüm die Natur zu erleben.


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29 Kommentare

Bernd vor 5 Monate
Wir haben Roshan bei unseren Wanderungen als netten, umkomplizierten jungen Mann erlebt, der das Durchschnittsalter der Wandergruppe etwas geringer werden ließ. Da viele Wanderer sich in den Regionen gut auskennen, war es unser Ziel, ihm attraktive Naturkulissen zu bieten, die sich in ihrer Großartikeit aber nur selten mit den Schweizer Alpen messen können. Es ist deshalb sehr schade, dass es ihm, aus Gründen fehlender gesellschaftlicher Akzeptenz, nicht gelungen ist, sein Vorhaben in der Schweiz zu realisieren. Wir waren froh, ihm die Schönheiten Deutschlands und Österreichs zeigen zu können.
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Reader vor 5 Monate
Ich finde es ziemlich erschreckend, wie Weltfremd und absolut verklemmt so einige hier doch sind. Solche Leute finde ich viel ekliger, als nackte Menschen. Diese Menschen tun niemandem etwas zuleide. Ihr hingegen schon. Geht ins Kloster, da müsst ihr die heutige Welt nicht mehr anschauen!
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Kadi vor 5 Monate
Ich finde Nacktwandern sollte in der Schweiz generell erlaubt sein sofern sie nicht gerade in der Stadt herumlaufen.Das ist doch etwas ganz natürliches
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Antwort von michael vor 5 Monate
Die gute Nachricht lautet: Es ist bereits (fast) überall in er Schweiz erlaubt, weil nicht verboten. "Fast" - weil in zwei kleinen Kantonen juristisch umstrittene Bestimmungen gelten, die es unter einer Geldbuße stellen. michael
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