Eine Nacht im Wald macht aggressiv

Wir haben zwei unserer Redakteure eine Nacht lang in den Wald geschickt, um ihre Schlafstörungen und Ängste zu bekämpfen. Es war kalt und langweilig.

Unser Redaktionsleiter hat zweifelsohne eine höllische Freude daran, uns zu quälen. Unter dem Deckmantel der Horizonterweiterung heisst es dann immer wieder: «Stellt euch euren Ängsten!». Brave und willenlose Schafe, die wir sind, folgen wir dann auch seinen Anweisungen und überwinden uns dazu, Dinge zu tun, die uns von alleine nicht in tausend Jahren eingefallen wären.

Angst und Schlafprobleme

Nachdem wir also schon – trotz Abneigung gegen wilde Tiere – Raubkatzen-Kacke beseitigt, unsere Unsportlichkeit im Burlesque-Zirkus erwiesen und unsere Flugangst im Langstreckenflug (halbwegs) überwunden haben, soll es diesmal unserer französischsprachigen Redaktorin Pearl an den Kragen gehen. Genauer gesagt: Ihrer Angst vor der Dunkelheit.

Und was eignet sich dazu besser, als einfach mal eine Nacht in den dunklen Wäldern des Uetlibergs bei Zürich zu verbringen? In einem Anfall ritterlichen Mutes und jugendlichen Leichtsinns beschliesse ich – selbst kein grosser Fan von düsteren Orten und Wäldern im Allgemeinen – unsere Kollegin auf ihrem Abenteuer zu begleiten. Ausserdem habe ich massive Schlafstörungen und vor kurzem einen Artikel gelesen, in dem es hiess, dass diese verschwinden sollen, wenn man regelmässig in der Natur schläft.

Tipp: Schlafsack nicht vergessen!

Ausgerüstet mit einer Kunststofftasche gefüllt mit drei dünnen Ikea-Decken und einem winzigen Rucksack voller Snacks und Zigaretten treffe ich mich um 23 Uhr mit Pearl am Zürcher Hauptbahnhof. Ich hätte eigentlich ein Zelt und Schlafsäcke mitnehmen sollen. Hab ich aber nicht. «Ist doch eh schon so schön warm», waren meine Gedanken. Dumm – ich weiss.

Schon während der Zugfahrt malen wir uns aus, was uns bevorstehen könnte. Machentenschwingende Irre, satanische Kulte, die nur auf ihr nächstes Menschenopfer warten oder Nazi-Zombies, die nachts durch die Wälder streifen auf der Suche nach – wonach auch immer. Spoiler-Alert: Nichts dergleichen werden wir sehen.

Allgemein sehen wir relativ wenig. Es ist nämlich so richtig dunkel. Glücklicherweise hat Pearl eine starke Taschenlampe und so eine Art Mini-Scheinwerfer dabei, den man sich an den Kopf schnallen kann. Wir fühlen uns wie eine Mischung aus Indiana Jones und den Leuten aus «Blair Witch Project» und schlagen uns tatsächlich abseits der regulären Wege ins Gebüsch.

No Risk, No Fun, No Comfort

Das Ding ist folgendes: So sehr wir uns auch darum bemühen, möglichst weit weg von jeglicher Zivilisation zu kommen – nach spätestens zwanzig Minuten stossen wir schon wieder auf eine Sitzbank, einen Wanderpfad oder auf riesige Laternen in Giraffenform. Die sind zwar hässlich und ein bisschen gruslig, aber irgendwie doch nicht so ganz das, was wir erwartet haben.

Nach stundenlangem Umherirren (und einem kurzen Abstecher zu einer Aussichtsplattform neben einem Luxushotel) finden wir dann endlich zwischen hohen Bäumen auf einem kleinen Hügel mitten im Wald ein Plätzchen, an dem wir uns für die Nacht niederlassen können. Mittlerweile ist es drei Uhr, bitterkalt und ich bereue meine No-Risk-No-Fun-Attitüde zutiefst. Die Aufregung und Angst sind inzwischen einer leicht aggressiven Unlust gewichen. Wir wollen einfach Nachhause in unsere warmen Betten.

«Guten Morgen!»

Wir sitzen also auf dem harten Boden rum, essen Feigen und Brötchen, frieren unsere Ärsche ab und warten auf bessere Zeiten. Vor lauter Langeweile schaffe ich es tatsächlich, immerhin für eine kurze Weile einzunicken. Werde aber von Pearls Kreischen geweckt, als sich anscheinend eine Maus unserem kleinen Lager nähert.

Genervt packen wir unser Zeug ein und machen uns auf den Weg zum Zug. Es ist jetzt kurz vor sechs Uhr morgens. Da es uns mehrere Stunden gekostet hat, unseren kleinen Übernachtungsplatz zu finden, gehen wir davon aus, dass der Rückweg ebenso viel Zeit in Anspruch nehmen wird. Nach etwa drei Minuten Fussmarsch erreichen wir einen asphaltierten Weg, auf dem uns ein fröhlich «Guten Morgen»-rufender Jogger entgegenläuft. Der Bahnhof ist um die nächste Ecke. Unser Fazit gibts im Video:



6 Kommentare

Mr.Snapchat vor 8 Monate
Schad das ech euch ned uf snapchat fende!!!
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Antwort
Fail vor 8 Monate
Blair Witch Project meets Hipster...
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Antwort
Noldi Schwarz vor 8 Monate
Die beiden Redaktoren würden besser ihre Zeit beim Militär verbringen. Dort gibt es auch Nachtübungen ohne Komfort, aber mit einigen Herausforderungen.
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Antwort
Frank vor 8 Monate
Das liest sich wie eine Anleitung von "Die verkehrteste Art wie man im Wald übernachten kann". Das einzig respektable daran ist, euer totales Versagen noch dokumentiert zu haben. Selten musste ich erfahren, wie 2 einigermassen gebildete Menschen, derart katastrophal sich nicht zu helfen wissen
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