Ich habe eine Woche lang im Büro masturbiert

Angeblich führt Selbstbefriedigung im Büro zu höherer Produktivität. Wir verstehen es als unsere Pflicht, diese These auf Herz und Hoden zu testen.

Vor ein paar Monaten erklärten ein paar Psychologen aus Grossbritannien, dass Masturbieren im Büro produktiver macht. Unter anderem weil die Mitarbeiter dann «weniger aggressiv» wären und Selbstbefriedigung zu «mehr Lächeln» im Büro führen würde.

Für die Wissenschaft und den Lebenslauf

Meine Eltern hingegen erzählten mir früher, Onanieren mache blind. Da ich bis heute ohne Brille durchs Leben schreite, habe ich mir einen gesunden Zweifel gegenüber Masturbationsmythen angeeignet. Die einzig logische Konsequenz ist es also, die Behauptungen der britischen Wissenschaftler eigenhändig zu testen. Dann kann ich in ein paar Jahren auch behaupten, eines der grössten Medienhäuser der Schweiz habe mich fürs Wichsen bezahlt. Das macht sich gut im Lebenslauf, schätze ich.

Eigentlich bin ich ja nicht so der Ich-wichse-im-Büro-Typ. Diesen stelle ich mir entweder als 25-jährigen Fitness-Fritz auf Steroiden oder eher noch als leicht deprimierten, geschiedenen, dicklichen Mittvierziger mit Halbglatze und Job im mittleren Management vor. Vielleicht macht mich mein wissenschaftliches Experiment eben auch zu so einem Typen, wer weiss? Den Managementlohn zumindest fände ich ganz ok, auf die Halbglatze könnte ich verzichten.

Die grossen Fragen

Montag, 10:00 Uhr, Scheisslaune. Obwohl ich mich viel zu müde fühle, verziehe ich mich aufs Klo. Glücklicherweise gibts auf unserem Stockwerk eine Ein-Kammer-Toilette und glücklicherweise ist die auch angenehm weit von meinem Arbeitsplatz entfernt. Nachdem ich mich hingesetzt und mir eine Minute lang irgendwas von investigativem Journalismus und Pulitzer-Preis eingeflüstert habe, tue ich das, was man immer tut, wenn man der eigenen Eichel ins Auge blickt: Über die grossen Fragen des Lebens sinnieren.

Soll ich Pornhub oder Youporn öffnen? Was ist, wenn mich der Geschäftsführer hört? Werde ich hierfür genug gut bezahlt? Wer hat bisher alles in diesem Raum masturbiert? Hat Steve Jobs auch auf dem Klo onaniert oder war er wegen den LSD-Trips so erfolgreich? Klingt eine Hand, die klatscht, anders als eine Hand, die masturbiert?

Bekommt das jemand mit?

Ich entscheide mich für Porno-Gifs (wegen des fehlenden Sounds), muss dooferweise abwechselnd an Steve Jobs und den Geschäftsführer denken, kriege es aber doch auf die Reihe und komme nach fünf Minuten in die Kloschüssel. Puh. Ich fühle mich erleichtert, aber eher weil die Sache jetzt vorerst vorbei ist. Und ich bin ein bisschen peinlich berührt und wasche mir die Hände beinahe zwei Minuten lang mit Seife, in der Angst, die Mitarbeiter könnten etwas riechen.

Drei Tage und fünf Session später hege ich langsam den Verdacht, dass jemand aus dem Büro mitbekommt, weshalb ich plötzlich ein bisschen länger und öfter auf der Toilette herumhänge. Ich lasse subtil Kommentare über Verdauungsprobleme in Gespräche einfliessen und spreche ein paar Stossgebete gen Himmel. In Bezug auf meine Produktivität stelle ich aber kaum Veränderungen fest. Ich scheine ein bisschen mehr mit Mitarbeiterinnen zu flirten und frage mich, ob mich das nun zu einem Creep macht. Zu besserer Arbeit führt das aber wohl kaum.

Am fünften Tag fühle ich mich bei der Angelegenheit beinahe schon routiniert. So als ob ich seit Jahren täglich PR-Texte verfasse, Make-Up-Tutorials drehe oder mich sonst wie selbstbefriedige. Einmal lief ein Mitarbeiter pünktlich zum Orgasmus ins Vorräumchen der Toilette – das war nicht so sexy. Aber ansonsten waren die Sessions bisher überraschend angenehm und tatsächlich ein kleiner Aufheller im Büroalltag. Nicht ganz so gut wie gratis Schoggigipfel, aber besser als eine Sitzung mit der HR-Abteilung.

Ein paar Statistiken

Nach einer Woche ist die Zeit gekommen (lol), ein Fazit zu ziehen. Ganz wissenschaftlich präsentiere ich euch zuerst die reinen Daten:

  • - Ich habe an fünf Tagen zehn Mal im Büro onaniert
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  • - Neun Mal mit Hilfe von Pornobildchen, einmal ganz oldschool, mit Fantasie und so
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  • - Zwei Mal lief jemand in den Vorraum der Toilette
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  • - Einmal war mir die Sache so peinlich, dass ich die Übung nach zwei Minuten abgebrochen habe
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  • - Insgesamt habe ich rund 45 Minuten auf Kosten meines Arbeitgebers masturbiert. Pi mal Daumen habe ich rund 30 Stutz die Toilette heruntergespült


Wichtiger als die wissenschaftlichen Ergebnisse ist aber die Analyse. Grundlegend kann ich der Studie nicht widersprechen. Es ist ganz okay, im Büro zu masturbieren – nicht mehr und nicht weniger. Wahnsinnig viel glücklicher machte mich die ganze Aktion aber nur an dem Tag, an dem ich tatsächlich ohne Pornografie masturbierte. Ich hatte das Gefühl, positiver und produktiver zu sein. Aber das lag vielleicht schlicht daran, dass ich an dem Tag eh schon horny war und deshalb weniger auf die Reihe bekam.

Scheiss aufs Schamgefühl

Der grösste Gewinn für mich: Sollte ich mich mal wegen akuter Geilheit kaum konzentrieren können, werde ich keine Probleme mehr damit haben, auf dem Büroklo Fünf-gegen-Eins zu spielen. Aber das wars auch schon. Einen Versuch war die Sache garantiert wert. Alleine schon für den Lebenslauf, die Wissenschaft und den Journalismus. Angeblich sei der ja am Arsch, aber wahrscheinlich fehlts dem Land halt einfach an wagemutigen Menschen wie mir. Das ist traurig.

* Name der Redaktion bekannt


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161 Kommentare

Raul vor 12 Tagen
Naja, regelmässig mache ich das nicht. Aber es gab es auch schon, dass ich einfach sooo spitz war und mich kaum konzentrieren konnte. Dann kurz aufs Klo und gut war.
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Dave vor 15 Tagen
Heute garantiert 10% der tillate-leser schütteln den kopf, 40% müssen plötzlich dringend aufs wc und 50% sind nicht betroffen weil sie afbeitslos sind.
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Antwort von Pfui vor 15 Tagen
Hahaha.. die restlichen 50% besorgen es sich wo anders..
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Sapphire ?️ vor 15 Tagen
Also Bitte, seid ihr alle so unbefriedigt? wenn ich Morgens geil bin, dann gibts nen quickie oder ich mache es mir selbst, aber Zuhause!! Ich bin jemand der es Täglich mind. 1x, gerne auch mehrmals am Tag braucht. Aber Selbst wenn ich Single wäre könnte ich nicht, nachdem ich alle meine Mitarbeiter begrüsst habe noch auf die Toilette gehen und es mir selbst besorgen.. Sorry das ist ein riiiiesen Abturner selbst PornHub ist da keine grosse Hilfe! Ich steh morgens nicht auf und denke mir boaah ich freue mich heute soo auf meine Arbeitskollegen, und auf meine Arbeit.. Schon alleine der gedanke das ich im büro hocken muss damit ich Geld verdiene um überhaupt gewisse standarts erfüllen zu können ist für mich eine klatsche der realität ich wäre lieber wo anders und würde meine Zeit auch gerne anders verwenden als zu Arbeiten.. und dann kommt da noch dazu das ich durch meine Arbeit zu abgelenkt bin und mich darauf konzentrieren möchte und gar keine Zeit dafür habe noch an sex oder etwas derartiges zu denken, man soll ja seine Arbeit korrekt und genau erledigen, ansonsten kann man sich auch gleich im als Pornodarsteller oder im Puff bewerben. Und Auch die mitarbeiter sind nicht wirklich das gelbe vom ei oder denkt man im ernst es sei anturnend umgeben von irgendwelchen langweiligen bürostuhlfurzern die selbst von sich so überzeugt sind das man kotzen könnte... Also ich bin so zufrieden mit meinem Sexleben das ich es nicht nötig habe an meinem Arbeitsplatz noch derart intim zu werden.. und wenn es mir langweilig wird dan gibt es genügend andere dinge auf die ich mich konzentrieren kann. Amüsiert wird sich dann wo anders und zwar so richtig und nicht auf dem Bürokloo mit gerademal 200 Quadratmetern.. Peace and Out 😂✌🏻
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