Meine Nacht als Luxus-Escort

Unsere Redaktorin wurde von einem jungen Millionär dafür bezahlt, ihn auf eine VIP-Party zu begleiten. Dabei hat sie gelernt, dass Geld nicht glücklich macht und sich Superstars von Champagnerflaschen nicht beeindrucken lassen.

Hört man den Begriff Escort-Girl, denkt man wahrscheinlich zuerst an eine grossbusige, stark geschminkte Fake-Blondine im Arm eines alternden notgeilen Typen mit Halbglatze, Schweissflecken und einer fetten Karre, die sein kleines Gemächt kompensieren soll. Dass die Realität aber auch ganz anders aussehen kann, durfte ich vor ein paar Tagen selbst erleben.

Ich bin nicht käuflich!

Einer meiner besten Freundinnen – ein bildhübsches Model – wurde von einem stinkreichen Typen eine unfassbare Summe dafür angeboten, diesen zur VIP-After-Party eines grossen Popkonzerts in Genf zu begleiten. Einzige Bedingungen: Schön aussehen und eine Freundin mitbringen. Diese Freundin war dann wohl ich. Trotz anfänglicher Bedenken («Ich bin doch nicht käuflich!») war die Neugier letztendlich stärker als mein Stolz. Wie oft bekommt man schliesslich schon die Chance, einen direkten Einblick ins Leben der Superreichen erhaschen zu können?

Wir hatten keine genaue Ahnung, worauf wir uns eingelassen hatten. Bis auf Uhrzeit und Ort gab es keine weiteren Vorabinfos. Doch schon kurz nach unserer Ankunft war eigentlich alles ziemlich klar: Der Kerl, dem wir heute Gesellschaft leisten durften, war blutjung (etwa in unserem Alter, also Anfang 20), ausgestattet mit Papis Platin-Kreditkarte und hat nur ein Ziel im Leben: Das Beste aus dem Tag zu holen.

Der Popstar ist nicht beeindruckt

Das bedeutet ja für jeden Menschen etwas anderes, im Fall unseres Gastgebers heisst es offensichtlich: Buche den besten Tisch im exklusivsten Club des Landes, bestelle mehr Champagnerflaschen als nötig wären, um die ganze Schweiz damit zu bewässern und horte eine Runde schöner Mädchen um dich. Beeindruckst du durch diesen Overkill an Eitelkeiten auch noch den internationalen Superstar am Nebentisch – umso besser! Ob der berühmte Herr uns überhaupt bemerkt hat, wage ich zu bezweifeln. Falls doch, wird er sich aber wahrscheinlich eher unangenehm berührt weggedreht haben, anstatt sich neiderfüllt und sehnsüchtig nach unserer illustren Gesellschaft zu sehnen.

Letztendlich diente unsere Anwesenheit alleine dazu, dekorativ rumzusitzen, ein bisschen Smalltalk zu führen und dem Jungen, der sich alles Materielle auf der Welt leisten kann, das Gefühl zu geben, nicht alleine zu sein. Für echte Freundschaften stand ihm das Geld im Weg. Ein bisschen tat mir diese Erkenntnis im Herzen weh. Und doch fragte ich mich kurz: Warum holt er sich nicht gleich richtige Callgirls? Ganz simpel und plump gesagt, bekäme er bei Professionellen wohl mehr für seine Kohle.

Immer schön den Schein wahren

Ich habe lange nachgedacht und bin zu folgender Erkenntnis gekommen: Trotz Cash, Schampus und einem nach aussen hin sorglosen Leben ist und bleibt er doch ein kleines, schüchternes Bubi. Ein kleiner Junge, der vor Zurückweisung und Versagensängsten gebeutelt ist und vor intensiven Kontakt mit Menschen – vor allem mit Frauen – mehr Angst und Respekt hat, als er je zugeben würde. The purpose is to pretend – not to go until the end. Stattdessen gibts jede Menge Selfies für Instagram und Snapchat. Der Abend kostet ja immerhin eine ganz schöne Stange Geld und muss deshalb Social-Media-mässig ausgeschlachtet werden. Soll sich ja lohnen – immer brav den Schein wahren.

Er zahlt für den Traum, den Moment. Und das sollen alle sehen. Dass er die Nacht damit verbringen wird, sich alleine in einem teuren Hotelzimmer einen runterzuholen, während meine Freundin und ich mit einem Haufen Cash in der Tasche nachhause gehen und unser ganz normales, langweiliges Leben weiterleben.
 


Kommentar schreiben

129 Kommentare

Ungläubiger vor 2 Monate
Das glaubt ja keiner, das er nicht mehr wollte und auch erhalten hat. Komische Geschichte ...
2
0
Antwort
Peter vor 2 Monate
Das finde ich ziemlich frech. Sein Geld nehmen, seinen Champagner trinken und dann noch den Schneid haben einen solchen Artikel zu veröffentlichen. Was die Callgirls angeht: möglicherweise denkt er sich bei nicht professionellen, dass es weniger auffällt, dass die Girls bezahlt sind (Was natürlich nicht stimmt)
53
9
Antwort
Snoob vor 2 Monate
Mobile Dekoration - also du als frau soltest wissen das man manche dinge kauft, nicht weil sie nützlich sind oder man sie tatsächlich brauchen würde, sondern nur desswegen weil es a gut aussEiht, und b einem die leere im raum etwas nimmt. Etwa so wie eine Zimmerpflanze. Und es soll ja Frauen geben die reden sogar tatsächlich mit ihren Pflanzen wenn sie sie Gissen und mit Dünger, oder in eurem Fall hier eben mit geld versorgen, so das sie auch weiter gedeihen, und mann noch lange freude an ihnen hat wie sie so völlig nutzlos in der ecke rumstehen.
30
3
Antwort
Antwort von pflanzenmampfer vor 2 Monate
alter... hol einfach nur schon die bio-klasse nach, deutscher rechtschreibung kannst du dich danach widmen... aktuell hat eine pflanze garantiert einen höheren iq und einen grösseren nutzen als du. sorry min jung...
0
5
Antwort
Ich verkaufe eigentlich alles, was ich mache

Ich verkaufe eigentlich alles, was ich mache

Tattoos, die zum Daumenkino werden

Tattoos, die zum Daumenkino werden

Soll Spotify Nazi-Musik sperren?

Soll Spotify Nazi-Musik sperren?

Er pisst Insta-Fitness-Stars ans Bein

Er pisst Insta-Fitness-Stars ans Bein