«Lolitas sind kein Fetisch»

Wir durften einen Teil der Schweizer Lolita-Szene auf einer Schifffahrt über den Vierwaldstättersee begleiten und mehr über diese kaum bekannte Subkultur erfahren.

Vor einigen Monaten durfte ich die bekannte Schweizer Cosplayerin Sara G. treffen und einen kleinen Einblick in ihre fantastische, bunte Welt erhaschen. Dabei habe ich auch erfahren, dass die junge Frau aus Ebikon neben ihrer Vorliebe, in Manga- und Anime-Charaktere zu schlüpfen, noch ein weiteres kreatives Hobby hat: Sie ist in der Lolita-Szene aktiv.

Diese Subkultur – die irgendwann Ende der Neunziger und Anfang der Zweitausender in Japan entstand und Anleihen aus fernöstlicher Popkultur, vergangenen europäischen Epochen und vielleicht auch irgendwie aus der Gothic-Szene vereint – ist hierzulande kaum bekannt.

Wie ein Spatz unter Pfauen

Um also mehr darüber zu erfahren, begleite ich Sara und ihre Freundinnen heute bei einer kleinen Kreuzfahrt über den Vierwaldstättersee von Luzern nach Brunnen. Zu Treffen wie diesem kommen regelmässig Lolitas aus der ganzen Schweiz zusammen, um sich auszutauschen, gemeinsamen Aktivitäten nachzugehen und natürlich ihre neuesten modischen Errungenschaften auszuführen.

Es kommt eigentlich relativ selten vor, dass ich mich underdressed fühle – als ich das illustre Grüppchen aus jungen Frauen in wunderschönen Kleidern sehe, komme ich mir aber sofort vor wie ein langweiliger kleiner Spatz inmitten einer Runde majestätischer Pfauen. Die Outfits sind nicht nur wahnsinnig schön, sondern auch jedes für sich von Kopf bis Fuss durchgestylt und durchdacht. Keines ähnelt dem anderen!

Man kann sich kaum sattsehen

Die Silhouette mit Pettycoat und hochgeschlossenem Blüschen oder Kragen ist immer gleich. Die Aufmachung könnte aber unterschiedlicher nicht sein. Vom relativ straighten Matrosen-Chic über zuckerwattepinke Kuchen-Prinzessinnen und Steampunk-Elemente bis hin zu sehr klassisch-eleganten Vintage-Kleidchen im viktorianischen Stil – ich kann mich kaum sattsehen an all den aufwändigen Ensembles.

Ich merke sofort: Hier steckt nicht nur Modebewusstsein, sondern vor allem auch ganz viel Liebe zum Detail drin. Wie ich herausfinde, werden viele der Teile selbst entworfen und geschneidert, andere um teures Geld von Designerlabels aus Japan importiert. Warum aber all diese Mühe?

Dumme Sprüche bleiben nicht aus

Im Gegensatz zu vielen anderen Subkulturen haben Lolitas grundsätzlich keine politische Agenda, erklärt mir Sara: «Es baut sehr viel auf Ästhetik auf, eigentlich ist es in erster Linie ein Modestatement. Sehr feminin, elegant, mit vielen Details. Dazu kommt dann auch der Lifestyle-Aspekt. Es kann gern ein bisschen dekadent sein – es muss eben alles zusammenpassen. Wie heute auf dem Schiff, danach gehen wir Teetrinken und Kuchenessen.» Es ginge darum, die Welt ein bisschen schöner zu gestalten.

Im normalen Alltag tragen die Lolitas eher selten ihren pompösen Look. Das wäre natürlich einerseits zu aufwändig und auf der anderen Seite wohl auf die Dauer zu nervenaufreibend. Denn – kein Wunder – Kommentare von Passanten bleiben bei solch einem Anblick nicht aus. «Die meisten Reaktionen sind sehr positiv, viele Leute freuen sich und finden es schön, uns so zu sehen. Manche bitten höflich um ein Foto, andere sind neugierig und stellen Fragen», erzählt mir Jura-Studentin Lea, die heute im Sailor-Lolita-Style unterwegs ist. «Aber es gibt leider auch immer wieder Menschen, die heimlich Bilder machen. Und natürlich bleiben auch dumme, machmal anzügliche Sprüche nicht aus.»

Es geht nicht um Sex

Sara führt aus: «Lolitas sind kein Fetisch! Es geht wirklich nicht um Sexualität, sondern nur um die Mode und das Lebensgefühl. Manche scheinen das nicht zu begreifen.» Auch mit dem berühmten namensgleichen Charakter von Vladimir Nabokov hat der Style nichts zu tun. Hier könnte es eventuell auf ein sprachliches Missverständnis zurückzuführen sein. Wobei unsere Lolitas zwar auch schöne, junge Frauen sind – jedoch prinzipiell reichlich wenig mit dem sexuellen Innuendo der russischen Romanfigur gleichhaben.

Die Schifffahrt ist dann viel zu schnell vorbei, zu Kaffee und Kuchen schaffe ich es heute leider nicht mehr. Mit einem guten Gefühl mache ich mich auf den Weg zurück nach Zürich und freue mich darüber, dass es Menschen gibt, die den Mut finden, aus der Reihe zu tanzen und bei all dem Bösen und Schrecklichen, das Tag für Tag passiert, die Freude an den schönen Seiten des Lebens nicht verlieren.


Kommentar schreiben

31 Kommentare

MopS-Phinalin vor 19 Tagen
Alles ist fetisch, alles ist SEX!
3
1
Antwort
Ekeltoni vor 21 Tagen
Ich fahr schon mal den spargel aus, hä hä hä.
8
14
Antwort
Marc vor 21 Tagen
Und wieder, wird etwas zerstört, weil jeder - egal wie bescheiden man aussieht - auf den Zug aufspringen muss. Fuglitas eher.
11
20
Antwort
Simon vor 22 Tagen
lolita (begriff) ist doch ganz klar ein fetish...der titel ist also absoluter schwachsinn..es gibt aber noch die lolita-mode aus japan...ich denke ihr redet davon..recherchieren leuts...
28
7
Antwort
Warum tragen diese Jungs schulterfreie Tops?

Warum tragen diese Jungs schulterfreie Tops?

Sind wir wirklich zu doof für Fremdwörter?

Sind wir wirklich zu doof für Fremdwörter?

Wir wissen, wo ihr eure Penisbilder schiesst

Wir wissen, wo ihr eure Penisbilder schiesst

Hast du den schlimmsten Mitbewohner der Welt?

Hast du den schlimmsten Mitbewohner der Welt?