Christliche Gruppe dreht Sex- und Party-Doku

Der Film «Liberated – The New Sexual Revolution» dokumentiert amerikanische Studierende bei exzessivem Partymarathon während des «Spring Breaks» und zeigt die dunkle Seite von Geschlechterrollen-Verteilung.

Die Doku «Liberated – The New Sexual Revolution» («Befreit – Die neue sexuelle Revolution») zeigt auf recht eindrucksvolle, wenn auch sehr amerikanische Weise, wie gefährlich Gender-Rollenbilder in Zusammenhang mit moderner Auffassung von freier Sexualität sein können.

Das Ende von sexueller Gewalt

Als Beispiel hierfür begleitet das Filmteam um Regisseur Benjamin Nolot einige junge US-Studenten und -Studentinnen während der grössten Sause ihres jeweiligen College-Jahres: Spring Break in Florida. Hierzulande kaum ein Thema, ist das exzessive Party- und Aufrissspektakel während der Frühlingsferien in den USA ein Highlight für unzählige junge Menschen.

Der Film prangert die Normalisierung von sexueller Ausbeutung, stark geprägt durch den Einfluss von Massenmedien, frei zugänglicher Pornografie und Darstellung von intimen Beziehungen in Filmen und Serien an. «Unser Film erkundet die Fundamente, auf die unsere Wahrnehmung von Geschlecht und Sexualität gebaut ist. Gerade in Zeiten von #metoo ist es sehr wichtig, dieses Gespräch zu vertiefen, um sexuelle Gewalt zu beenden», erklärt der Regisseur im Interview mit der «Christian Post».

Vergewaltiger und Schlampen?

Keine Frage, die Dokumentation behandelt ein wichtiges Thema, das weltweit ein akutes Problem darstellt. Auch die streckenweise relativ differenzierte Herangehensweise an das Material ist lobenswert. Es wird nicht blind aus einer Perspektive gegen ein bestimmtes Geschlecht geschossen – die Macher versuchen viel eher, herauszufinden, worauf bestimmte (zwischen)menschliche Verhaltensmuster basieren.

Das bringt «Liberated» gut auf den Punkt: Männer sind nicht per se böse Vergewaltiger, Frauen keine billigen Schlampen. Geltungsdrang, gesellschaftlicher Druck, falsche Erwartungshaltung, kulturelle und mediale Einflüsse spielen eine grosse Rolle in der Persönlichkeitsentwicklung jeder Person.

Ballerman-esque Balzrituale


Abgesehen davon ist der Film – der von der christlichen Non-Profit-Organisation «Exodus Cry» produziert wurde – aber leider eine Ansammlung von Ami-Klischees, die unserer Generation wenig gerecht werden. Schaumpartys, Bikini-Contests, Selfies mit Jungfrauenblut auf billigen Hotelbetten. Ich möchte stark behaupten, dass das sehr allgemeine und vereinfachte Bild, das «Liberated» von Millennials zeichnet, nicht stellvertretend für eine gesamte Generation stehen kann.

Der Anteil an Leuten in unserem Alter, die sich auf ballermann-esque Balzrituale und angestrengt-freizügige Flatrate-Partys einlassen, dürfte im Verhältnis verschwindend gering sein. Zudem erscheinen viele der Szenen und Interviews, die im Film zu sehen sind, für europäische Verhältnisse teilweise etwas aufgesetzt, fast lächerlich.

Ausnahmezustand in Sodom und Gomorrah

Klar wird auch in Europa gesoffen und gefickt. Aber es wird darum nicht so ein grosses Fass aufgemacht. Ich persönlich kann mir zumindest nicht vorstellen, dass es in unseren Kreisen grossartig verbreitet ist, sich verschmitzt und beinahe schon peinlich-berührt dafür rechtfertigen zu wollen, sexuell aktiv zu sein.

Natürlich ist es schwierig, einen Film über Rape-Culture und Gender zu drehen, den man an einem einzelnen Ereignis aufhängt. Und genau hier liegt für mich der Fehler: Als Doku über den «Ausnahmezustand Spring Break» wäre «Liberated» erste Sahne. Der lauwarme Versuch jedoch, den schlecht versteckten christlich-erhobenen Zeigefinger tadelnd zu erheben, um aufzuzeigen, in welch verkommener Sodom-und-Gomorrah-Welt wir leben, hinterlässt unglücklicherweise einen eher fahlen Nachgeschmack. Schade.

Ab kommender Woche auf Netflix.

LIBERATED: THE NEW SEXUAL REVOLUTION | Official Trailer (2018) from Magic Lantern Pictures on Vimeo.



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16 Kommentare

Rico vor 4 Monate
Unsere Studenten sind dagegen fast schon kleine graue Mäuschen (na gut müssen sie auch, sonst würde die Politik sie im nu bestrafen). Was alles so im dekadenten Amerika abgeht können wir uns nicht vorstellen.
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Linette vor 4 Monate
kleinkram/ Mein Tip ;" US Students Spring Break Sqining Contest"
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bruno vor 4 Monate
wer ist jetzt der grosse motzer der alles besser weiss? der postpostpost moderne mensch hat den tiefgang einer pfüze und die aufmerksamkeitspanne einer kuckucksuhr.
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Canniuanos vor 4 Monate
Feminismus ist eine wunderbare Sache, solang es um Gleichberechtigung geht. Der Vorwurf jedoch, wir oder irgendwer 'im Westen' lebe in einer "Rape Culture' ist weit übers Ziel geschossen und reine Misandrie. Googelt z.B. Theresa Kachindamoto, Stammesführerin in Malawi, welche einer wirklichen "Vergewaltigungs-Kultur", die ihren Namen auch verdient, ein Ende setzt. Diese Frau ist eine Heldin unserer modernen Zeit.
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