«Meine Beziehung ist an der Kaufsucht zerbrochen»

Rund fünf Prozent der Schweizer sind süchtig nach Shopping – besonders unsere Generation leidet darunter. Wir erklären dir, ab wann die Zalando-Bestellung zur Sucht wird.

«Ich leide seit mehreren Jahren an Depressionen. Um die innere Leere zu füllen und mich abzulenken, bestelle ich fast täglich Klamotten bei grossen, billigen Online-Kaufhäusern. Am Ende des Monats weiss ich oft gar nicht, wie ich noch Essen kaufen soll. Ich habe hohe Schulden», schreibt eine anonyme Userin im Onlineforum «Paradisi». Ihr Schuldenberg beläuft sich auf 20'000 Franken. Dabei ist die Userin nur eine von rund 500'000 Betroffenen, die in der Schweiz an Kaufsucht leiden.

Macht man die Augen im eigenen Freundes- und Bekanntenkreis auf, wird einem schnell klar, dass dieses Verhalten gar nicht so selten ist. Vor allem weibliche Jugendliche leiden darunter zwanghaft kaufen zu müssen: Bei einer meiner Freundinnen flattern wöchentlich Amazon-, Zalando- und Asos-Pakete ins Haus – die eigene Wohnung wird zum Shoppingcenter. Oft höre ich dann den Satz «Man gönnt sich ja sonst nichts», mit dem der Kaufrausch legitimiert werden soll. Gönnt sich meine Freundin noch oder ist das schon krankhaft?

Eine Methode, um vor Problemen wegzulaufen

Der Übergang zwischen Gefährdung und Normalität sei laut Frau Dr. Jennifer Reng fliessend. Jemand ist kaufsüchtig, wenn die Person den Kaufdrang nicht mehr unter Kontrolle hat und sich innere Unruhe breitmacht, falls dem Drang nicht nachgegeben wird: «Kaufsüchtige wollen dem unerfreulichen Alltag entkommen, sich entspannen, ablenken oder kaufen einfach bloss, weil es billig ist. Es ist ihre Methode, um mit Stress umzugehen.» Mit neuen Hosen, Schuhen und Kosmetikartikeln sollen Gefühle der Leere, Angst, Wut und Trauer vertrieben werden.

Statt Probleme zu verscheuchen, lässt das Verhalten der Süchtigen neue entstehen und zieht oft viel Scham mit sich: «Ich bestelle sehr viel im Internet, oftmals auch mit dem Wissen, dass ich das Geld nicht habe. Die vielen Sachen hängen dann noch mit Etikett im Kleiderschrank oder ich werfe sie direkt in die Ecke sobald ich vom Einkaufen nach Hause komme, weil sie mich nicht mehr interessieren. Ich habe meinen Freund oft deswegen angelogen, meine Beziehung ist an meiner Sucht zerbrochen», äussert sich Sandra901 im Forum.

«Kaufsüchtige müssen lernen, ihre Impulse zu kontrollieren»

Das zwanghafte Bedürfnis, immer mehr und mehr Sachen haben zu wollen, hat jedoch nicht nur psychische Ursachen, wie Reng bestätigt: Wir leben in einer Konsumgesellschaft, in der uns Werbung immer und überall entgegenspringt. Uns wird suggeriert, dass wir diese meist überflüssigen Dinge brauchen, um glücklicher und erfüllter zu sein – egal ob es sich dabei um irgendwelche Modetrends, technische Gadgets oder verdammte Müsliriegel handelt.

Der Kaufrausch ermöglicht ein kurzes Vergessen, er lässt Betroffene vor Konflikten und Belastungen flüchten. Eine Heilung solle deshalb zweispurig angegangen werden: «Kaufsüchtige müssen lernen, ihre Impulse zu kontrollieren, gleichzeitig aber müssen seelische Konflikte und soziale Defizite aufgearbeitet werden. Beides kann in einer Psychotherapie oder auch in Selbsthilfegruppen geschehen», erklärt die Verhaltenspsychologin.


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19 Kommentare

Frustkäufe vor 5 Monate
Frauen haben ja sonst nicht viel im Leben ausser Ihren Handtäschli, Schüeli und Iphone 😃
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Antwort von Nat vor 5 Monate
Nicht alle Frauen sind so...
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Antwort von Globi vor 5 Monate
Und Männer haben nichts anderes als Autos, Sex, Fussball und Bier im Kopf. Klar.
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Eeehmm vor 5 Monate
Also... Wenn ich täglich verdammte Müesliriegel kaufen gehe, bin ich shoppingsüchtig? o_o Nicht verdammte Müesliriegel-süchtig?
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