Die geheimen Vorlieben der Instagrammer

Ein dreiköpfiges Team aus Berlin hat unsere intimen Instagram-Geheimnisse per Datenanalyse entschlüsselt – und das Ganze in einem Buch an die Öffentlichkeit gebracht.

Instagram ist die Plattform schlechthin, wenn es um digitale Selbstdarstellung geht. Nirgendwo sonst zeigen wir uns in der Öffentlichkeit so privat wie auf der Fotosharing-App. Egal ob wir #feiern, #fressen, #netflixen oder #reisen – alles, was wir machen, landet früher oder später im Insta-Feed. Dass wir uns auf Instagram gegenseitig bloss eine schöne, heile Welt vorgaukeln, die so gar nicht existiert, wissen die meisten User.

Trotzdem können wir es uns nicht verkneifen, unsere banalen Alltagsmomente mit Freunden und Fremden aus aller Welt zu teilen. Um die Bilder auffindbarer zu machen und sie nicht einfach in den digitalen, schwarzen Abgrund der App zu werfen, verwenden wir GPS-Informationen wie Hashtags, Orts- und Usermarkierungen. Was sagt dieser Datenschatz über uns aus?

Intime Einblicke in das Leben der Instagram-User

Der Journalist Tin Fischer, der Programmierer David Goldwich und Grafikdesigner Ole Häntzschel aus Berlin, verschaffen sich einen Einblick in das Leben und die Vorlieben der User: Welche Schönheitsideale haben wir? Wohin reisen wir gerne? Welche Körperteile bringen die meisten Likes? Die Antworten auf diese Fragen fanden die drei Kreativköpfe, indem sie Instagram-Userdaten analysierten: Dazu untersuchten sie Aufnahmezeitpunkte, Bildunterschriften, Orte, Namen und Kommentare der Fotos.

Montags würden beispielsweise besonders häufig Bilder mit dem Hashtag #krank hochgeladen. Diese Erkenntnis nahmen die drei als Titel für ihr Buch, in dem sie jede Menge dieser Auswertung vorstellen: «Nach dem Wochenende bin ich erst mal #krank».

Weiter fand das nerdige Trio heraus, dass es einen grossen Unterschied zwischen dem gibt, was man in #selfies selbst gerne zeigt (nämlich das Gesicht und die Frisur) und dem, was andere an uns liken: Die Bikinifigur und den Bizeps. Du stehst auf Farbe unter der Haut? Wusstest du aber auch, dass das meistverbreitete Tattoo-Motiv auf Instagram der #totenkopf ist? Rund 60’000 Mal ist das Tattoo auf den Körpern der insgesamt 500 Millionen Instagram-User zu finden.

Die nerdige Welt der Datenanalyse

Besonders verblüffend sei jedoch der Hashtag #frühlingsgefühle, der im Frühling ungewöhnlich hohe Sprünge mache: «Spasseshalber haben wir ausgerechnet, ab welcher Temperatur Frühlingsgefühle entstehen und kamen auf 12 Grad, wobei das natürlich nicht in Stein gemeisselt ist», meint Tin zu 20 Minuten Tilllate.

Die Idee, fremde Userdaten auszuwerten kam Tin erstmals, als er herausfinden wollte, wo es die meisten Regenbögen gibt. Der Journalist recherchiere ab und an auch Infografiken: «Datenjournalisten arbeiten sonst eher mit Facebook- oder Twitter-Daten. Für unsere Frage war aber Instagram genau das richtige Medium», sagt der Journalist zur Entstehung des Buches, das seit dem 1. Dezember 2016 erhältlich ist.

Der in Berlin lebende Tin hat nach all seinen Einblicken in die Datenwelt trotzdem nichts an seinem Verhalten auf Instagram geändert. Er versuche nicht mal sparsam mit seinen Daten umzugehen. Google sei nach wie vor der Big Brother des Internets. Auch Instagram wisse nicht so viel über seine User wie der Netz-Riese. Uns verrät er sogar sein Lieblingshashtag: «#krank – aber natürlich nur, wenn man die Daten dazu sieht». 


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1 Kommentar

Drehdichnichtum vor 12 Monate
Diese Ergebnisse sind einfach Gesellschaftsdaten die man schon lange kennt
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