«Du musst dich nicht beschissen fühlen»

Perfektes Leben, perfekte Körper – Instagram hat wenig mit unserer Realität zu tun. Eine Autorin hat die Schnauze voll davon. Ihr Projekt «abouttherealstruggle» plädiert für mehr Realness.

Schaut man hinter all die tätowierten Gliedmassen, perfekt gegossenen Latte-Art-Cappuccinos, Açai -Bowls und Yogaposen, die uns Tag für Tag auf Instagram vor die Nase gehalten werden, erkennt man vor allem eins: Den Drang, sich als jemand präsentieren zu wollen, der man im ungefilterten Leben nicht ist. Wir alle wollen schön aussehen, intelligent und interessant wirken – auch wenn wir im Alltag eher so die Netflix-Gammler sind, denen fettige Chipskrümel im Gesicht kleben.

Kathrin Weßling hat die Schnauze voll von gekünstelter Perfektion. Ihr drei Tage altes Projekt «abouttherealstruggle» erobert gerade die Instagramsphäre und zieht immer mehr Follower an, denen es genauso geht. Frei nach dem Motto «Mehr Sein als Schein» postet die 32-jährige Autorin aus Hamburg Bilder, die die Wirklichkeit zeigen: Roh, ungefiltert, authentisch. Statt grüner Smoothies am Morgen und bunter Yogamatten sehen wir ein unaufgeregtes Frühstück aus Kippen, Kaffee und Medikamenten. Dazwischen tote Küchenpflanzen, chaotische Kleiderhaufen und Bierflaschensammlungen.

Perfekte Wohnzimmer, perfekte Leben, perfekte Körper

«Früher konnte ich in die Wohnzimmer und Leben echter Menschen gucken. Ich sah Alltagsszenen, ich sah Freude und Scheitern, perfekt arrangierte Geburtstagstische, aber auch den Schmutz, das Versagen. Heute sehe ich nur noch perfekte Wohnzimmer, perfekte Leben, perfekte Körper. Ich wollte ein Gegengewicht schaffen», erzählt uns Kathrin. Dass das Ganze auf so viel Resonanz stossen würde, habe sie nicht gedacht. Die Schriftstellerin erkläre sich den Erfolg dadurch, dass sie offenbar nicht die einzige sei, die genug vom perfekten Einheitsbrei habe.

Nicht nur die Hamburgerin interessiert sich dafür, was hinter den Social-Media-Kulissen abgeht: «abouttherealstruggle» lockte innerhalb weniger Tage bereits rund 1'200 User auf ihr Profil – und die Zahl der Abonnenten wächst und wächst. Was zeigt: Wir alle haben Heisshunger auf eine riesige Portion Realness.

Alle können ihre Fotos einschicken

Dass Instagram, Facebook, Snapchat und andere soziale Medien unsere psychische Gesundheit massgeblich beeinflussen können, ist längst bewiesen und wundert uns kaum: Immerhin sind wir – wenn wir es zulassen – 24/7 von perfekt inszenierten Alltagsschnipseln umgeben, die uns unter Druck setzen und an uns zweifeln lassen. Das weiss auch Kathrin und kontert: «Du musst dich nicht beschissen fühlen, weil dein Leben nicht perfekt aussieht oder ist – da draussen gibt es ganz viele, bei denen es auch so ist. Kleines Geheimnis: Wir sind sogar in der Überzahl.»

Das Projekt soll aber nicht nur Kathrins ungefilterten Alltag zeigen, sondern alle ermutigen, selbst Fotos einzuschicken: «Von mir sind auf dem Account nur zwei Bilder», sagt sie. «Mir geht es darum, das Leben aller zu zeigen – nicht nur meines.»


Kommentar schreiben

11 Kommentare

Mr. Nasty vor 5 Monate
Ich kenne Instagram überhaupt nicht. Tätowierte schaue ich mir überhaupt nicht an. Ordnung muss sein zu einem gewissen Grad. Wenn es zu aufgeräumt ist, wirkt es wie eine Kulisse. Aber so wie sie lebt, ist schon eher Ghetto. Vor allem Büchseneintopf? Geht gar nicht!
0
0
Antwort
Dr.Frenchenstein vor 5 Monate
Soll das jetzt Kunst sein? Oder hip? Alkohol, Zigaretten, Medikamente und Wähhh Food Eintopf und Quetiapin.....Schizophrenie und Depressionen. Kind das am Boden rumkraxelt mit all dem Dreck....no thank you! In der Wohnung Rauchen wenn ein Kind anwesend ist, ist ein "no-go" Nebenwirkung Quetiapin: Schläfrigkeit, Benommenheit, Kopfschmerzen, Gewichtszunahme, Erhöhung des Triglycerid-Wertes im Blut, Erhöhung des Cholesterin-Wertes, Abnahme des HDL-Cholesterins. Blutdruckabfall mit Schwindelgefühl, beschleunigter Herzschlag (Tachykardie), Leberfunktionsstörungen, Vermehrung bestimmter Leberenzyme im Blut, Verstopfung, Übelkeit und Erbrechen, Schnupfen, Mundtrockenheit, Gewichtszunahme, Mangel an weißen Blutkörperchen (Leukopenie), vorübergehende Schilddrüsenunterfunktion, Erhöhung des Blutzuckerspiegels. Tolles Heilmittel!!!!!
1
1
Antwort
Zombie vor 5 Monate
Sehr geehrte Damen und Herren und Trannys und Hermaphroditen, Gays, Lesbis, Bis und Aliens, wir haben hier das perfekteste, weltweite, instagrammische Exemplar eines weiblichen Geschlechtes, wo zeigt, wie man am besten nicht leben soll. Da fehlen aber noch ein paar ganz ganz wichtige Dingen um das perfekteste Leben vollständig haben zu können. 1. Heute muss man UNBEDINGT mager wie ein Skellett sein und selbstverständlich Narben und Tattos am gesamten Körper haben. 2. Müllsäcke oder Mülleimern kann man als Begriff gerne für immer vergessen, denn für was hat man denn eine grosse Wohnung, wo man Diese ja nur drinnen lagern kann gel. 3. Ein Staubsauger ist daher vollkommen falsch am Platz, weil man die Fäkalien von der Katze und des Babys als Schönheit dieser Recycleanlage......oh Verzeihung ich meinte natürlich dieser Wohnung absolut als Schönheit unantastbar sein muss. 4. Auf gar kein Fall darf absolut nicht vergessen werden, das man täglich und nächtlich seine Medis mit viel Alkohol einnehmen muss, damit man sich psychisch nur gesund fühlt. 6. Bei Bild 4 erfreut sich die Männerwelt ( Mich exklusiv ) weil das Bild so gestaltet wurde, dass die Dame viel lieber etwas anderes in Ihrem Mund hätte. 7. Absolut nicht wegzudenken ist die Tatsache, das sexuelle Gefühle nur noch mit Lebensmitteldildos zu stillen sind oder mit den Joysticks einer Playstation, je nach Laune. 8. Der lezte und wichtigste Beitrag ist ein grosses Dankeschön an der Dame Kathrin Weissling, weil Sie mich dermassen zum Lachen gebracht hat, das ich jetzt lauter Lachen pipi machen gehen muss!!! Besten Dank für die Aufmerksamkeit, zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie den Arzt Ihres Apothekers!!!!😃
7
3
Antwort
Melissa vor 5 Monate
so wies bei der aussieht siehts bei mir nicht mal beim Umzug oder beim Putztag aus. Sorry das ist nicht schön sondern abstossend wie sie lebt... Ordnung ist wichtig...
5
5
Antwort
«Wir Syrer verlieren fast nie unseren Humor»

«Wir Syrer verlieren fast nie unseren Humor»

Soll Spotify Nazi-Musik sperren?

Soll Spotify Nazi-Musik sperren?

2500 Franken für eine einzige Büroklammer

2500 Franken für eine einzige Büroklammer

Was Frauen tun würden, wenn sie Männer wären

Was Frauen tun würden, wenn sie Männer wären