An diesen Orten kann kein Schwein schlafen

Hängematten in luftiger Höhe oder ein Zelt direkt am Abgrund: Ein Instagram-Account entlarvt die gestellten Camping-Fotos von Hipster-Reisenden mit liebenswertem Zynismus.

Kennt ihr diese ach-so-inspirierenden Sprüche übers Reisen, die nach tiefster Erkenntnis klingen aber in etwa so gehaltvoll sind wie die Anmachsprüche aus «Jung, wild & sexy»? Üblicherweise findet man sie bei Menschen, die in ihrer Insta-Bio «Wanderlust» und auf Facebook als Ausbildung «Schule des Lebens» angegeben haben. Ein Beispiel: «Reisen ist das einzige, was du dir kaufen kannst, das dich reicher macht.» Oder: «Es fühlt gut an, sich in die richtige Richtung zu verlaufen.»

«Nur rasch fürs Foto das Zelt aufbauen»

Die Menschen, die das Internet mit Strandbildern mit solchen Sprüchen vollspammen, sind häufig auch dieselben, die ins Niemandsland ein Kamerastativ, eine Fisheye-Linse, eine überteuerte Lomography-Kamera und drei Powerbanks fürs Insta-Live-Video mitschleppen – die Survival-Ausrüstung bleibt aber Zuhause. Denn: Es geht ja nur ums Foto.

Der 28-jährigen Luisa wurde das schmerzlich bewusst, als sie gemeinsam mit Freunden den Grand Canyon besuchte. Die Kumpels der Kanadierin wollten beim Besuch «nur rasch das Zelt auf einem grossen Stein aufbauen – für ein Foto». Übernachten wolle man da aber natürlich nicht. Es geht ja schliesslich mehr um den Social-Media-Fame als um das «Verlaufen in die richtige Richtung».

Sie entlarvt all die Fake-Fotos

Der 28-Jährigen ging das ziemlich gegen den Strich – verständlicherweise. Vor allem nachdem sie bemerkte, dass ihre Freunde nicht die einzigen sind, die nur einem Foto zuliebe an einem Abgrund, auf einem total unpraktisch gelegenen Stein oder auf einer Strasse (!) ein Zelt aufbauen. Auf Instagram wimmelt es von solchen freakigen Out-of-the-box-Photos von geborenen Naturmenschen und Reiseliebenden.

Mit dem Account @youdidnotsleepthere sammelt sie jetzt die absurdesten Fotos von Schlafplätzen, an denen garantiert niemand übernachtet hat – garniert mit wunderbar zynischen Kommentaren. Grund der Aktion: Sie findet es schlicht stupid, wenn man die immer gleichen, angeblich inspirierenden Sujets zum tausendsten Mal ablichtet, anstelle sich beispielsweise für die Natur einzusetzen. «Wenn du schon einen Insta-Account mit tausenden Followern hast, dann nutze den doch gefälligst als Plattform um für etwas einzustehen», sagt Luisa gegenüber dem «Field Mag». Das klingt zwar nach Moralkeule, aber: Wo sie Recht hat, da hat sie Recht. 


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6 Kommentare

Nature vor 4 Monate
Nur weil ihr Stubenhocker Angst kriegt sobald es irgendwo paar Insekten, keine Zivilisation und kein Luxus gibt, heisst das nicht, dass es allen so geht. Viele dieser Bilder können durchaus möglich sein. Vielleicht schickt Tillate mal ihre Hiupster-Redakteure für ein paar Tage in die Natur? Die zwei die eine Nacht im Wald verbringen wollten sind ja kläglich gescheitert. Traurig.
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Isleno vor 5 Monate
Also ich würde an den meisten dieser Orte pennen. Mache das auch auf Ibiza, hoch auf dem Felsen. Man muss sich bloss merken, wohin zum pinkeln. Aber Leute, die halt die ganze Zeit am PC hocken, verstehen das wohl nicht, weil sie schon Angst haben, vor die Tür zu gehen..
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Schlauer Fux vor 5 Monate
Die Auswirkungen einer Gesellschaft die am verblöden ist.
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grümpfli vor 5 Monate
ok einige fotos sind fragwürdig, wie das auf der strasse. aber ich wäre schon oft froh gewesen, wenn ich solch tolle schlafplätzte gefunden hätte. das eine foto mit den beinen über dem abgrund ist wahrscheinlich aus einem portaledge heraus gemacht. und somit sehr plausible.
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