Unsere illegale Shoppingtour im Darknet

Mord, Drogen und Menschenhandel sind im Darknet an der Tagesordnung. Wir wollten wissen, wie gefährlich die düstere Ecke des Internets wirklich ist und sind abgetaucht.

Das Internet ist der liebste digitale Spielplatz unserer Generation. Hier finden sich nicht nur süsse Katzen-GIFs und freizügige Instagram-Accounts – das Internet reicht viel tiefer, als die meisten von uns im Alltag zu Gesicht bekommen. Im Darknet, der düsteren Zwillingsschwester des Internets, finden sich teilweise extrem verstörende Ecken: Hier tummeln sich Menschenhändler, Vergewaltiger, Kannibalen, Pädophile und Auftragsmörder.

Doch die unendlichen Weiten des Darknets bieten auch Anonymität und Schutz für Journalisten und Aktivisten. Der Tor-Browser, der benötigt wird, um sich Zugang zum Darknet zu verschaffen, ist eigentlich eine ziemlich gute Sache: In Zeiten der digitalen Überwachung kann er Grundrechte sichern. Vor allem in autoritär regierten Staaten bietet das Darknet die Möglichkeit zu Organisation und Widerstand.
Unsere Redaktion nutzte bisher nur das «normale» Internet und wollte deshalb wissen, welche kranke Scheisse sich wirklich in den Tiefen des Internets versteckt.

45'000 Dollar für einen Auftragsmord

Mit dem besagten Tor-Browser schleusen wir uns ein. Tor anonymisiert deine Identität und verschlüsselt deine digitalen Schritte, in dem er all deine Daten über Server auf der ganzen Welt verteilt. Vorsicht und eine Prise Paranoia schaden trotzdem nicht. Das Erste, auf das wir stossen, ist das «Hidden Wiki», die Wikipedia-Seite des Darknets. Es ist ein Sammelsurium an Links, das von verschlüsselten Messangern über Untergrundmarktplätze bis zu Pornografie reicht und von jedem bearbeitet werden kann.

Wir scrollen uns durch die zwielichtigen Sektoren und landen bei den Schwarzmärkten. Unser Rechtsdienst weist uns besorgt darauf hin, dass wir unter keinen Umständen Drogen oder Waffen kaufen dürfen – das ist schliesslich illegal und könnte uns unseren Job kosten. Wir surfen weiter. Nach kurzer Zeit finden wir ihn dann: Einen Auftragskiller – oder besser gesagt ein ganzes Killer-Kollektiv, das sich hinter dem Decknamen «C'thulhu» verbirgt. Beim Blick auf die angebotenen Dienstleistungen, die Mord, Verstümmelung und Vergewaltigung gegen verdammt hohe Geldsummen beinhalten, wird uns so richtig klar, wie abgefuckt das Darknet sein kann. Ein bisschen Schiss haben wir jetzt schon, deswegen verzichten wir lieber auf die geplante Kontaktaufnahme und klicken das Fenster weg.

Von Falschgeldhändlern abgezockt

Ganz mit leeren Händen wollen wir das Darknet trotzdem nicht verlassen und fragen deshalb nochmal beim Rechtsdienst nach. Der gibt uns grünes Licht: Falschgeld kaufen (aber nicht in Umlauf bringen!) sei ok. Mit Bitcoins, einer üblichen Online-Währung, zahlen wir also hundert Franken auf das Konto einer Seite ein, die sich «Cheap Euros» schimpft. Hätten wir schon beim Namen riechen müssen, dass da was faul ist. Wissen wir selbst. Erst als die verschlüsselte Mail samt Lieferadresse nicht bei den Inhabern ankommt, geraten wir in Panik. Internetabzocke at its best. Doof nur, dass wir die Lektion auf die harte Tour lernen müssen.

Ist das Darknet demnach die böse Zwillingsschwester des normalen Internets? Jein. Komplett verteufeln sollte man es nicht: Auf der einen Seite ist dieser Ort ein digitaler Deckmantel für Schutzsuchende, auf der anderen Seite wird dieser Schutz eben auch für illegale Aktivitäten missbraucht. Wenn man nicht vorsichtig genug ist, kann man hier Sachen mitbekommen, die man so schnell nicht wieder aus dem Gedächtnis löschen kann. Ob man seine Freizeit wirklich an so einem gefährlichen Ort verbringen möchte, bleibt jedem selbst überlassen. Wir bleiben wohl doch eher an der Oberfläche. 


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19 Kommentare

Andreas vor 26 Tagen
Wieder einmal ein toller Artikel. Jeder weiss dass die Angebote von Cthullu fake sind, genau so wie alle anderen "Hitman services"! Und dann kauft Ihr Falschgeld ohne Escrow? Ach bitte, Ihr habt's doch darauf angelegt verarscht zu werden, damit ihr gegens Darknet schiessen könnt.
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Mr. Nasty vor 26 Tagen
Ha, ha, ha, Bitcoin... Wenn die EZB, die SNB, die FED usw. die Nase davon voll haben, wird die Bundesanwaltschaft den Laden dicht machen. Bitcoins sind überhaupt nichts wert, da es sich dabei um Falschgeld handelt. Damit würde ich nie und nimmer bezahlen! Es dient bloss dazu, dass keine Bankverbindung nachgewiesen werden muss und man so komplett anonym bezahlen kann. Aber gesetzlich gesehen, ist es illegal. Ich kenne mich nicht aus im Darknet. Davon habe ich keine Ahnung; bin halt eben ein bisschen ein Doofy. Aber bestellen würde ich dort grundsätzlich nichts. Ich kaufe schon so nicht gerne im Internet ein.
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Freiemeinungsäusserung vor 26 Tagen
Ich nutze hauptsächlich Kommentarfunktionen über Darknet. Denn so kann man auch mal schreiben was man denkt, ohne mit dem Risiko zu leben, dass am Abend die Rennletiung vor der Türe steht.
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Antwort von Andreas vor 26 Tagen
Ich glaube, du meinst, du nutzt den Tor-Browser für die Kommentarfunktion? Dass du den Tor-Browser benutzt, heisst nicht, dass du im Darknet bist. Es heisst nur, dass du auf das Darknet zugreifen könntest. Offenbar hast du aber keine Ahnung.
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