«Ich kläre alle meine Sexpartner über mich auf»

Der 27-jährige Münchner Bernhard H. hat sich vor mehreren Jahren durch ungeschützten Geschlechtsverkehr mit dem HI-Virus angesteckt. Im Gespräch mit 20 Minuten Tilllate erzählt er von seinem Alltag nach der Diagnose und den Reaktionen aus seinem Umfeld.

Conchita Wurst, Popstar, Drag Queen und Gewinnerin des Eurovision Song Contest 2014, outete sich via Instagram-Posting als HIV-positiv. Das emotionale und öffentliche Geständnis trägt dazu dabei, die Wahrnehmung von HIV und Aids in der Gesellschaft offener anzunehmen und einen Dialog zu gestalten.

HIV ist kein Todesurteil und heutzutage gut zu behandeln. Trotzdem sollten die Gefahren und das Risiko nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Schutz und Prävention sind bei steigenden Infektionszahlen wichtiger denn je.

Vor einiger Zeit haben wir uns mit Bernhard, einem jungen Münchner, der sich mit dem HI-Virus angesteckt hat, über die Zeit nach der Diagnose, die Reaktionen aus seinem Umfeld und über seinen Alltag unterhalten:


Bernhard ist 27, wohnt in München und ist HIV-positiv. Die Diagnose erhielt er 2012, also mit 23, nachdem er sich wegen Pilzbefalls im Rachen untersuchen lassen hat. «Das deutet ja schon auf ein extrem geschwächtes Immunsystem hin – ein klassischer Hinweis auf Diabetes oder HIV», erzählt der gelernte Übersetzer. Nach einem Test durch die AIDS-Hilfe war das Resultat dann wie erwartet – positiv.

Sex, Drogen und Alkohol als Mittel zur Selbstzerstörung

«Ich war damals generell in einer bös depressiven, selbstzerstörerischen Phase, da hat mich das anfangs gar nicht so mitgenommen, es hat mich nicht wirklich interessiert», erklärt der junge Mann seine teilnahmslose Reaktion auf das Testergebnis. Bei wem er sich mit dem Virus angesteckt haben könnte, weiss Bernhard nicht genau. «Mir war in dieser Zeit fast alles egal. Alkohol- und Drogenkonsum waren genau wie Sex Mittel zur Selbstzerstörung.»

Dennoch: «Eine Zeitlang war ich von mir selbst entfremdet. Es ist seltsam, wenn du plötzlich weisst: Da ist etwas in deinem Körper, das dich töten kann.» Das Leben ging aber natürlich weiter und nach ein paar Monaten sei wieder normaler Alltag eingekehrt. Zuerst ging es aber zu Spezialisten, bei denen Bluttests zur Bestimmung der Viruslast (Anm.: Viruskopie pro Milliliter im Blut) und T-Helferzellen (Anm: Art der hauptsächlich befallenen weissen Blutkörperchen) durchgeführt wurde, danach gleich der Beginn der medikamentösen Therapie.

Kein Ansteckungsrisiko mehr – auch bei ungeschütztem Sex

Sein Umfeld reagierte auf die Neuigkeit – wie Bernhard selbst sagt – positiv. Akzeptanz und Unterstützung fand er vor allem in seinem schwulen Freundeskreis, wo sein Status nichts Fremdes mehr darstellte. «Bei manchen – seien es jetzt Homos oder Heteros – musste ich noch ein bisschen Aufklärungsarbeit leisten, aber grösstenteils war genügend Grundwissen da, dass allzu blöde Reaktionen ausgeblieben sind.» Seiner Mutter habe er sich erst vor Kurzem anvertraut. «Da hatte ich irgendwo Schiss, auch wenn die Angst eigentlich unbegründet war. Happy ist sie natürlich nicht, aber es ändert nichts an ihrer Liebe.» 

Durch die Medikamente – anfangs täglich fünf Pillen, heute nur noch eine – sei die Viruslast schnell unter die Nachweisgrenze gesunken. «Das heisst, dass man in meinem Blut keine Kopien des Virus mehr findet. Die Tabletten verhindern, dass sich der Virus in meinen weissen Blutkörperchen vermehren kann. Aber die genauen Mechanismen wären dann vielleicht für jetzt doch zu wissenschaftlich.» Ansteckungsrisiko bestehe bei dem Münchner grundsätzlich keines mehr – auch bei ungeschütztem Sex nicht.

Die alltägliche Angst vor dem Tod

Wir wollen wissen, wie er trotz (oder gerade wegen) dieser Tatsache zu Safer Sex steht. «Ungeschützten Geschlechtsverkehr habe ich meistens – aber nicht nur – mit anderen HIV-Positiven. Ich kläre aber alle meine Geschlechtspartner über meinen Status auf, verheimliche nichts. Sex mit Positiven, deren Viruslast unter der Nachweisgrenze liegt, ist im Endeffekt genauso sicher, wie mit Menschen, die den Virus nicht in sich tragen.» Man dürfe natürlich nicht vergessen, dass es andere sexuell übertragbare Krankheiten gibt. Kondome grundsätzlich abzuschreiben sei deshalb keine Option.

Angst vor dem Tod hat der Münchner zwar schon, «aber nicht speziell wegen HIV. Da hab ich mehr Angst, dass mal ein Pendelzug entgleist oder ein Autofahrer den Zebrastreifen nicht beachtet. Durch die Medikamente habe ich in etwa die gleiche Lebenserwartung wie alle anderen auch.»

Ein wahnsinniges Privileg

Er sei sehr dankbar dafür, in einer Zeit und Gesellschaft leben zu können, in der das Gesundheits- und Sozialsystem ihm den Zugang zur lebensrettenden Medizin so einfach gestaltet. «Man muss sich bewusst sein, dass das ein wahnsinniges Privileg ist, das vielen Menschen auf der Welt immer noch verwehrt bleibt.»

Für Betroffene und Angehörige gibt es auch in der Schweiz Vereine und Organisationen, die Fragen beantworten und konkrete Tipps und Hilfestellungen anbieten. So etwa die «AIDS-Hilfe Schweiz» und lokale Ableger oder die «Swiss Youth Positive Group», als Anlaufstelle für HIV-positive Kinder und Jugendliche.

(Dieses Interview mit Bernhard aus München wurde das erste Mal am 22. August 2016 veröffentlicht. Aus gegebenem Anlass publizieren wir es, in leicht angepasster und überarbeiteter Form, heute neu.)


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297 Kommentare

Mardith vor 2 Tagen
Ich habe Angst an HIV darum bin 16 Jahre kein SEX mehr will wegen dem. Bevor ich mit einem Mann Beziehung aufbauen, und mit ihm später SEX machen. Er muss erst HIV Test machen. Weil ich will kein Kondom, ich will Natur und ihm fest zu spüren. Ich selber bin sauber, mein Mund hat seit 16 Jahre kein KÜS mehr bekommen und mein Vaginal ist sauber weil ich 16 Jahre mit ein Mann nicht mehr geschlafen darum bin vorzeitig.
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vor 2 Tagen
So ein Blödsinn. Dann sind Hepatitis,Grippe und Co ja auch eine Strafe Gottes?!
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Pirmin Z. vor 2 Tagen
AIDS ist eine Strafe Gottes!
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Antwort von Kurt vor 2 Tagen
Gott. Ist doch dieser typ in diesem Buch. Ich mag harry potter lieber
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