«Vom Zocken kann man hier nicht leben»

Remo «Ray» Bügler ist einer der besten «Hearthstone»-Gamer der Schweiz. Uns verrät der eSportler wie er zum Nationalteam kam und wie sein Training aussieht.

In Südkorea hängen die besten «Starcraft»-Gamer auf riesigen Plakaten von Hochhäusern und in Skandinavien werden eSports-Turniere auch mal auf dem nationalen Sportsender übertragen. Zocken ist mittlerweile ein grosses Ding – hierzulande treibt sich die Szene aber immer noch stark in ihrer eigenen Nische herum.

Einer der bekannteren Pro-Gamer der Schweiz ist Remo «Ray» Bürgler. Der 27-Jährige hat sich in «Hearthstone» verknallt – ein digitales Sammelkartenspiel von Blizzard, den Herstellern von «World of Warcraft» oder «Starcraft». Grundsätzlich ist das Game ziemlich simpel: Du stellst dir ein Deck aus Monstern, Zaubern und anderem Kram zusammen und versuchst danach deinen Gegner zu zerstören.

Über 70 Millionen Spieler weltweit zocken «Hearthstone». Ray ist einer der besseren davon. Für die Schweiz nahm er an den offiziellen «Global Games» teil und leitet ein Team für SILENTGAMING – die älteste eSports-Organisation des Landes. Uns erzählt er, wie er seine Crew trainiert und wie es sich anfühlt, auf der Strasse erkannt zu werden.

Remo, wann hast du begonnen zu Zocken?
Schon ziemlich früh, bereits bevor Online-Spiele auf dem Markt waren. Mit 12 oder 13 habe ich dann bereits die ersten Game-Turniere gespielt, «Warcraft 3» war damals mein Einstieg ins kompetitive Gamen. Während meiner Koch-Lehre hatte ich aber kaum mehr Zeit fürs Zocken. Als «Hearthstone» erschien, war ich dann wieder gefesselt und spiele seither ziemlich viel.

Wie bist du in einem eSports-Team gelandet?

Mein Bruder war in der «Starcraft 2»-Szene ziemlich stark unterwegs und auch bei einem Schweizer Team unter Vertrag. Dieses suchte im letzten Dezember Leute für eine «Hearthstone»-Crew, ich meldete mich, spielte ein paar Proberunden mit ihnen und stieg danach mit ein. Das war für mich auch ziemlich cool, da ich davor fast nur Online-Freunde hatte, mit denen ich über meine Game-Leidenschaft reden konnte. Nachdem dann mein Spielervertrag auslief, wechselte ich zu SILENTGAMING und stellte ein eigenes Team auf die Beine.  

Im letzten Jahr nahmst du für die Schweiz an den «Hearthstone Global Games» teil – sozusagen der Weltmeisterschaft. Wie kam das?
Der Gamehersteller schnappte sich aus jedem Land die Top-Spieler nach dem spielinternen Ranking und liess danach die Community voten. Und da kam ich glücklicherweise gut weg. Am Turnier schieden wir leider bereits in der Gruppenphase aus.

Von den Teamhäusern in Korea, in denen eSports-Crews beinahe schon eingesperrt leben und 18 Stunden täglich trainieren, hört man ab und an. Wie sieht denn ein Teamtraining in der Schweiz aus?
Das ist natürlich nicht so extrem. Mein Team und ich sehen uns fast täglich oder telefonieren zumindest jeden Tag. Dabei gamen wir gar nicht so häufig «Hearthstone», sondern verbringen auch viel Zeit mit der Analyse von vergangenen Spielen und mit Strategiediskussionen.

Wie sehen denn die Verträge in der Szene aus? Erhältst du einen Fixlohn?
Soweit ich weiss kann hierzulande noch kein Team fixe Löhne auszahlen – zumindest bei «Hearthstone». Die Deals beinhalten vor allem Spesen für internationale Anlässe, das Aufteilen von Preisgeldern und Vereinbarungen mit Sponsoren, die sich um unser Equipment kümmern. Aber die Verträge umfassen auch Social-Media-Etiquette und das Verhalten in der Öffentlichkeit.

Was hältst du denn von der eSports-Szene im Land?
Die Szene ist ziemlich offen und cool. Und nachdem es vor einigen Jahren bereits einen kleinen Hype fürs Profi-Gamen gab, flachte der wieder etwas ab. Jetzt scheint es wieder aufzukommen, auch da beispielsweise der FC Basel ein eSports-Team aufstellt, aber ich glaube, das wird immer eine Nische bleiben. 

Wie bereitest du dich auf ein Spiel vor?
Ich gehe nochmals meine Strategie durch und versuche mich gut zu konzentrieren. Ausserdem höre ich auch immer die gleiche Playlist bei den Games: Klavierkonzerte von Chopin. Das hilft mir, mich zu konzentrieren.

Wirst du von Fans auf der Strasse erkannt?
Das passiert tatsächlich. Gerade nach den Global Games kamen an Konzerten oder so bereits Leute auf mich zu und wollten mit mir über «Hearthstone» reden. Das macht mir natürlich Spass und es motiviert auch, wenn ich merke, dass Menschen mein Spiel schätzen.

Dieses Wochenende findet die Zurich Game Show mit Cosplay Contests, neuen Games, VR-Stationen und eSports-Turnieren statt. Ray wird am Samstag zwischen ca. 13.30 und 15.30 Uhr am Stand Nr. 418 für kleine Spielsessions und «Hearthstone»-Tipps zu haben sein.


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22 Kommentare

Marc vor 21 Tagen
Ich denke da gäbe es ganz andere Gaming Grössen in der Schweiz, welche man interviewen könnte......
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Patrick S. vor 1 Monat
Silentgaming ist nicht die älteste e-sport gemeinschaft der Schweiz. Nur weil die es auf ihrer Homepage schreiben muss es nicht stimmen. Man sollte die Informationen überprüfen. Nach einer Minute mit google habe ich herausgefunden das Silentgaming seit 2006 bestand hat, ieS Virtual Gaming gibt es seit 2002. Nehme auch an das dies nicht die einzigste oder die älteste der Schweiz ist.
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Marc vor 1 Monat
Mhhhh. Hearthstone-Pros machen auch nicht mit Turnier-Gewinnen, sondern mit Streaming und Youtube Geld. Das ist aber echt nichts neues.
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Gerry vor 1 Monat
Für die schweiz? Er nahm für die Schweiz teil? Weiss das das Departement für Sport? Wie viel Unterstützung hat ihm das VBS zukommen lassen als Vertreter der Schweiz. Oder kam er einfach AUS DER SCHWEIZ.
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