«Die Homoehe ist eine dumme Idee»

Gerade während der Pride wird für gleiche Rechte für alle protestiert. Doch nicht alle queeren Menschen sind liberal. Ein Interview mit einem konservativen Schwulen.

 

Dieser Tage weht fast auf der gesamten Welt wieder die bunte Regenbogenflagge: Es ist Pride-Saison. Angehörige, Freunde und Unterstützer der LGBTQ-Community machen sich sichtbar und setzen sich für die Rechte sexueller Minderheiten ein. Auch hierzulande sind queere Personen rechtlich noch nicht zu hundert Prozent gleichgestellt. Ein wichtiger Punkt: Die Ehe für alle.

Doch längst nicht jeder steht hinter diesen Aktionen. Kritische Stimmen – vor allem aus konservativen und religiösen Lagern – halten dagegen und bestehen auf die Definition der Ehe als einen Bund zwischen Mann und Frau. Dass ältere, heterosexuelle Damen und Herren und ein paar Christen Aufstand machen, sollte eigentlich niemanden verwundern. Irgendjemand ist ja schliesslich immer dagegen. Viel interessanter ist doch, dass selbst in LGBTQ-Kreisen nicht alle Freudensprünge machen.

Der 23-jährige Fabian studiert Tanz und Theaterwissenschaften. Obwohl er selbst seit rund drei Jahren in einer schwulen Beziehung lebt, sagt er: Nein zur Homoehe! Wir haben mal nachgefragt.

Hallo Fabian. Du bist selbst offen schwul, bezeichnest dich aber als konservativ und bist gegen die Homoehe?
Bloss weil ich selber ein Homo bin, muss ich nicht alles befürworten, nur weil ein paar andere Schwuchteln ihre Regenbogenflaggen schwenken und bescheuerte Dinge fordern.

Gleichberechtigung und Liebe sind bescheuert?

Nein! Aber wir leben hier in Europa in einer Gesellschaft, die es zum Glück allen Menschen möglich macht, mehr oder weniger frei und selbstbestimmt zu existieren. Mit der eingetragenen Partnerschaft besteht schon lange auch für Lesben und Schwule ein Modell, das der Ehe eigentlich so gut wie gleichgestellt ist.

Aber eben nicht ganz.
So what? Sorry, aber ich find das einfach nur peinlich. Für mich bedeutet Gleichberechtigung nicht, immer mehr zu fordern, sondern die Gesellschaft zusammenzubringen und eine fortschrittliche, gemeinsame Zukunft aufzubauen. Die Ehe im Allgemeinen halte ich für veraltet und nicht erstrebenswert – unabhängig von Geschlecht und Sexualität.

Wieso das?

Sie ist ein uraltes Konstrukt, das in erster Linie dazu gedient hat, Nachwuchs zu sichern, Kinderaufzucht zu stabilisieren und ein schon lange nicht mehr aktuelles Familienmodell zu schaffen. Vater arbeitet, Mutter kümmert sich um Haushalt und Kids. Come on – diese Zeiten sind längst vorbei.

Also wärst du dafür, die Ehe ganz abzuschaffen?
Schau – ich bin kein Traditionalist. Aber der Spruch «Don't fix it, if it's not broken» trifft es eigentlich ganz gut. Ich bin auch kein fanatischer Homoehe-Gegner. Soll sich doch jeder ins eigene Unglück stürzen, wenn er das möchte. Aber hey – die Heteros haben doch eh nichts mehr für sich selbst. Lasst ihnen doch das einzige, was ihnen noch geblieben ist.

Warum so zynisch?
Was mich im Grunde an der ganzen Sache wirklich stört, ist dieses aufgesetzte «Gay Pride»-Getue. First World Problems, really. Homosexualität ist nichts, worauf man stolz sein müsste. Entweder man ist ein Homo oder eben nicht. Ist genauso wie mit Nationalstolz – völlig daneben. Man kann nur auf etwas stolz sein, das man selbst geleistet hat. Ich bin eher so der Typ für gelebtes Selbstverständnis.

Was hältst du von Adoptionen durch Homosexuelle?

Schwierig. Klar – wenn ein Kind ein behütetes Zuhause hat, in dem es aufwachsen kann, ist das natürlich zu befürworten. Aber Kinder können grausam sein. Und wenn der kleine Robert als einziger in der Klasse zwei Mamis hat, dann wird ihn das zu einer guten Zielscheibe für alle Nachwuchs-Arschlöcher machen. Aber wie gesagt: Schwieriges Thema.

Wie steht eigentlich dein Freund zu deiner Einstellung?
Der plant schon seit unserem dritten Date unsere Hochzeit und gibt bis heute die Hoffnung nicht auf. Mal sehen, wer zuerst einknickt.


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597 Kommentare

Sasha vor 6 Tagen
Bei vielen Kommentaren überlege ich mir ernsthaft auszuwandern. Eine Aussage wie "Ich bin nicht homophob und habe nichts gegen Homosexuelle. Aber die sollen ihre Sexualität doch bitte zuhause ausleben." ist etwa so hirnrissig wie zu behaupten "Ich bin nicht rassistisch. Aber Schwarze sollen doch bitte in Afrika bleiben."
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Antwort von Ekeltoni vor 3 Tagen
Du sagst also homosexuelle sollen ihre sexualität öffentlich ausleben. Zur sexualität gehört sex dazu, sonst wäre es nicht SEXualität. Du würdest es also begrüssen, wenn im bus zwei schwule neben dir analverkehr haben😂hahaha. Na ja. Jedem das seine, und man sagt ja so schön: echlii schtenckä muäs es😁hahahah!!!! Weil beim analsex kommt sicher ein besonderes gschmäckli auf🙄...............
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Antwort
Ehe eher nicht vor 6 Tagen
Die Ehe an sich ist sowieso überholt. Viele heiraten bloss wegen den Steuern, dabei sollte man Kirche und Staat getrennt halten - d.h. auch keine Steuernachlässe für Verheiratete. Ebenfalls sollte dem Partner nicht die Hälfte des Vermögens zustehen, damit es keine Erbschleicher, Goldgräber und der Gleichen mehr gibt. Dass würde die ganze Ehe-Thematik entschärfen und es könnte jeder sein eigenes spirituelles Ritual zum ewigen Bund mit dem Partner haben ohne Staat/gesetzliche Sanktionen, denn es gäbe keine "legale Ehe" mehr.
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Pilou vor 6 Tagen
Fabian ich feiere dich!
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Antwort
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