Frank Ocean bringt das verwirrendste Album des Jahres

Jahrelang liess Frank Ocean auf sein neues Werk warten. Jetzt hat er gleich zwei Alben gedroppt und der ganze Release ist ein einziger Brainfuck. 20 Minuten Tilllate bringt Licht ins Dunkel.

Angekündigt war das zweite Frank-Ocean-Album eigentlich bereits vor zwei Jahren. «Boys Don't Cry», wie es damals heissen sollte, wurde jedoch immer wieder verschoben und erschien letzten Endes gar nicht.

Dafür hat Christopher Edwin Breaux, wie Ocean richtig heisst, am Wochenende gleich zwei Alben veröffentlicht. Zweieinhalb, um genau zu sein. Plus drei Magazine. Aber ganz langsam – gehen wir das Schritt für Schritt an.

Über Jahre hinweg verschoben

Weil der erste Hype um Frank Ocean doch schon einige Jahre her ist, blicken wir zurück zu den Anfängen: Eigentlich ging der junge Produzent nur nach Los Angeles, weil sein Studio in New Orleans von Hurricane Katrina zerstört wurde. In der Stadt der Engel holte sich Ocean Aufträge für Grössen wie Justin Bieber, Kanye West, Jay-Z und Beyoncé. 2012 erschien dann sein erstes eigenes Album «Channel Orange», das einen Grammy gewann und vom «Guardian» als «Ziggy-Stardust-Moment des R&Bs» bezeichnet wurde.

Danach sass die Musikgemeinde lange auf Nadeln. Schon bald entwickelte sich der kommende Ocean-Release zu einem Running Gag: Wird es jemals erscheinen? Wenn ja, wann? Wird das Projekt zum popkulturellen Equivalent zum geplanten Berliner Flughafen? Ist Frank Ocean der musikalische Godot?

Als dann am ersten August dieses Jahres ein geloopter Live-Stream auf Oceans Website erschien, drehten Fans und Kritiker durch. Sie wussten ja nicht, was noch alles auf sie zukommen sollte.

«Endless»: Das visuelle Album

Der Live-Stream entpuppte sich als 45 Minuten langes visuelles Album namens «Endless». Eine ziemlich nerdige Angelegenheit: Während man Ocean beim Handwerken zusah, kletterte er mit sanfter Stimme bis in höchste Falsettlagen. In Kombination mit teilweise avantgardistischen Beats war das eine Herausforderung für viele Hörer.

Es war nicht das Album, das die Welt erwartet hatte. Dass es Frank Ocean seinen Anhängern nicht einfach machen würde, war aber von Anfang an klar. Zudem hörte man mit all den kleinen Noises und Loops die Bestandteile von Oceans Produktionen. Hinter «Endless» steckt ein klares Statement: Der Arbeitsprozess ist wichtiger als das Produkt.

So ernst das Projekt auch gemeint ist: Der Künstler muss sich ins Fäustchen gelacht haben, als diverse Medien innert weniger Stunden hastig Reviews rausprügelten. Und es sollte nicht der letzte Schreck für dieses Wochenende bleiben: Aus dem Nichts erschien noch ein zweites Album namens «Blonde».

Ein Gedicht von Kanye

Als wäre das nicht kompliziert genug, veröffentlichte Ocean «Blonde» (auf dem Cover stilisiert zu «blond») in zwei Versionen: Die eine war exklusiv auf Apple Music verfügbar, die andere gab es nur in Pop-Up-Stores in Los Angeles, New York, Chicago und London zu kaufen. Die CD war in ein Magazin (dieses heisst nun offenbar «Boys Don't Cry») verpackt, welches wiederum drei verschiedene Covers zeigte. Diese Magazin-Version von «Blonde» erhielt Songs, die im offiziellen Apple-Release nicht enthalten waren.

Das 360 Seiten starke Magazin besteht vor allem aus Bildern, Interviews und – jetzt wird es richtig absurd – Gedichten! Unter anderem eines von Kanye West über McDonalds. Diese Poesie wollen wir euch nicht vorenthalten. In Kanyes Gedicht heisst es unter anderem:

McDonalds, man, McDonalds, man,
I know them French fries have a plan
The cheeseburger and the shakes formed a band
To overthrow the French fries plan

What. The. Fuck. Aber wieder: Die Wege des Frank Ocean sind unergründlich. Aber wie klingt «Blonde» denn nun?

Das richtige Album

«Nikes», zu dem parallel ein Clip erschien, eröffnet das lange ersehnte Album. «Ich habe zwei Versionen», singt Ocean mit tief runtergepitchter Stimme. Das passt zum Release, aber auch zu den Kontrasten, die das Video zeigt: Einerseits ist es mit viel Glitzer und nackten Körper unweigerlich sexy – andererseits aber auch zwielichtig. Und es kommt ein rappender Chihuahua drin vor.

Das Arrangement ist mit Akustikgitarren und sphärischen Synthie-Flächen sehr entspannt. Davon dass Ocean eigentlich aus dem Rap-Bereich stammt, zeugen vor allem noch die ratternden Trap-Hats. Sonst verschreibt er sich über weite Strecken dem experimentell angehauchten Soul.

Songs wie «Solo» oder «Good Guy» kommen ganz ohne rhythmische Elemente daher, sondern leben fast ausschliesslich von Streichern, lustlos geschrummelten Gitarren, Orgeln und Chören. Zum meditativen Vibe tragen auch Spoken-Word-Tracks wie «Be Yourself» und «The Facebook Story» bei. Als poppig könnte man höchstens «Pink + White» bezeichnen.

In letzterem singt offenbar sogar Beyoncé im Hintergrund mit. Laut Wikipedia gibt es auf «Blonde» unzählige nicht-deklarierte Gastauftritte: Kendrick Lamar ist in «Skyline To» zu hören, genauso wie James Blake in «Ferrari». Dass diese Tatsache nicht einmal weiter auffällt, zeigt, dass Frank Ocean mittlerweile über ihnen allen steht. Und dass dieses Album einfach ein einziger Brainfuck ist.


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9 Kommentare

yeezus vor 9 Monate
das album ist gut
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0
Antwort
woher diese magazin vor 9 Monate
was ist das für 1Ocean
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0
Antwort
Marvin vor 9 Monate
Wenn ihr schon solche super-tollen mega-angesagten englische Wörter in eure Blogs reinbasteln müsst, dann sorgt wenigstens dafür, dass ihr die richtigen verwendet. Brainfuck - was soll das sein?
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Antwort
Kendrick vor 9 Monate
"Ich habe zwei Versionen" Er sagt "I have two virgins..." nicht "...versions" zu Beginn des Songs. Nur so nebenbei....
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Antwort
Nein, das sind keine Fotografien

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