Schaust du dir Filme in der Synchronfassung an?

Für Kenner klingen synchronisierte Filme wie Nägel an der Wandtafel. Trotzdem werden in unseren Breitengraden die meisten fremdsprachigen Produktionen übersetzt. Wir wollen wissen: Wie stehst du dazu?

Es ist die Gretchenfrage unter Kinogängern: Original oder Synchronisation? Während Puristen oft auf der ursprünglichen Fassung beharren, dominieren synchronisierte Versionen den Schweizer Kinomarkt: Laut der Statistik von ProCinema werden mehr als die Hälfte der Kinokarten für Synchronfassungen verkauft.

Auch in der Tilllate-Redaktion gehen die Meinungen auseinander: Während einige von uns lieber einen leeren Bildschirm anstarren würden, als einen einen synchronisierten Film über sich ergehen zu lassen, haben andere überhaupt kein Problem mit nachgesprochenen Tonspuren. Argumente dafür oder dagegen gibt es genügend. Deshalb möchten wir die Frage an dich weitergeben.

Synchronisation zu Propagandazwecken

Zuerst werfen wir aber einen Blick auf die Geschichte der Filmsynchronisation. Diese wurde in der Vergangenheit immer wieder zu Propagandazwecken missbraucht: Den Klassiker «Casablanca» (1942) etwa schnitten und vertonten die Macher für den deutschen Markt so, dass keine Nazis mehr vorkommen. Auch in Hitchcocks «Notorious» (1946) wurden die Nationalsozialisten, die sich nach Südamerika abgesetzt hatten, in der synchronisierten Fassung zu ganz normalen Ganoven. Sonst hätte der Film die Deutschen wohl nur daran erinnert, wie beschissen sie damals auf der ganzen Welt wahrgenommen wurden.

Genauso vertuschte man später im Bruce-Willis-Actionstreifen «Stirb Langsam» (1988), dass es sich bei den Terroristen im Original um Deutsche handelt. Besonders absurd erschien dadurch eine Szene, in der sich die Terroristen auf Deutsch (im Original also unverständlich für ihre Geiseln) unterhalten. In der synchronisierten Fassung wirken die Bösewichte deshalb wie komplette Vollidioten, die vor ihren Opfern ganz offen ihre weiteren Pläne besprechen.

Der «Burger» wird zur «Frikadelle»

Bis weit in die Siebzigerjahre diente die Synchronfassung nicht nur dem einfacheren Verständnis – die Aufgabe bestand darin, Filme «einzudeutschen»: Mit sprachlichen Mitteln wurden möglichst alle Elemente ausgemerzt, die einen Film als ausländische Produktion entlarvten. Aus dem amerikanischen «Hamburger» wurde eine «Frikadelle», aus der «Bar» eine «Kneipe» und statt mit Dollar bezahlte man mit Mark, auch wenn die Handlung klar erkennbar in den Staaten angesiedelt war. Stell dir das mal heutzutage vor: Nemo ginge dann wahrscheinlich in der Nordsee verloren, der Hogwarts-Express würde am Bahnhof Zoo fahren und die Blair Witch im Pfälzerwald ihr Unwesen treiben.

Ab den Achtzigerjahren, als Filmwissenschaften im deutschsprachigen Raum boomten, wandte man sich von dieser inhaltlichen Eindeutschung ab und setzte vermehrt auf glaubwürdige Synchronisationen, die die Handlung möglichst nicht entstellt. Klar: Trotzdem gibt es auch heute noch gewisse Wortspiele und Finessen im Dialog, die sich einfach nicht übersetzen lassen und genau das stört O-Ton-Fans.

Es geht noch viel schlimmer

Immerhin gibt es bei uns überhaupt vernünftige Synchronfassungen: In Ländern wie Russland, Polen, Lettland und Litauen ist auch heute noch die sogenannte Synchronverdolmetschung verbreitet. Das heisst, die Szenen werden, vergleichbar mit einer Off-Stimme, einfach über den Originalton, der im Hintergrund noch hörbar ist, nachgesprochen. Das Ganze klingt extrem gewöhnungsbedürftig, weshalb sich auch in diesen Ländern langsam professionelle Synchronfassungen durchsetzen.

Noch schlimmer waren übersetzte Filme im Ostblock vor der Wende: Ausländische Produktionen sollten dem lokalen Markt möglichst kostengünstig zugänglich gemacht werden. Oftmals vertonte man alle Figuren mit einem einzigen Sprecher neu. Dies musste auch gar keine richtige Synchronisation sein – teilweise wurde die Handlung einfach erzählend oder kommentierend übersetzt.

Jetzt wollen wir aber deine Meinung hören: Schaust du dir Filme in der übersetzten Fassung an oder bist du ein Purist, der nur den Originalton hören möchte? Erzähl es uns in den Kommentaren.


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122 Kommentare

Pfellini vor 1 Monat
Synchronisiert ist besser! Wenn ein Dialog 1000 Wörter enthält, dann enthalten die dazugehörigen Untertitel höchstens 200 Wörter. Mit Untertiteln verliert man unheimlich viel Information und kann ausserdem den Film nicht schauen (Film = Bilder, Handlung), weil man dauernd auf die Untertitel starren muss. Je mehr Dialog desto mehr Untertitel, desto weniger bekomme ich etwas vom Film mit. Was habe ich von der "Originalstimmung", die alle Originalfassungs-Liebhaber anpreisen, wenn ich ausser der Originalstimmung nur 25% des Films mitbekomme? In einem Rambo-Film stören Untertitel nicht, denn da wird eh kaum ein Wort gesprochen, aber in Filmen wie "A man from earth" oder "Thank you for smoking" oder "Twilight", wo viel gesprochen wird, ist man mit Untertiteln verloren bzw. man verpasst den Film, weil man mit Lesen beschäftigt ist.
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Antwort von tweileit und tränsformärs beste ever 4 ever vor 22 Tagen
Nein. Film nicht nur = Bild/Handlung. Sonst hiesse es Stummfilm. Ein beachtlicher Teil machen Stimme/Betonung, usw. aus, nebst Musik, Geräuschkulisse, etc. Dass die Stimme zum Schauspieler/Kunstwerk gehört, sich bei der Verwendung dieser was gedacht wurde und sie nicht einfach nach belieben ausgetauscht werden kann, peilen halt nicht alle. Meist dieselben, welche allenfalls nicht mal die paar Wörter Subs überfliegen/lesen, und sich zugleich auf die Handlung fokussieren können. Sux, hä.
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huwi vor 1 Monat
Also entweder verstehe ich einen Film und was gesprochen wird - oder schaue gleich einen Stummfilm. Schlimm sind die deutsch untertitelten, da kommt man kaum mit, alles zu lesen. Vom Film selber bekommt man dann gar nichts mit. Einmal hab ich das Kinoinserat zu wenig beachtet und bin mit dem Junior an einen Star Wars Film, der englisch gesprochen war. Nach einer halben Stunde sind wir wieder raus. Total enttäuscht natürlich! -> Was scheinbar nicht in eure Köpfe will: Nicht alles können Englisch!!!
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Paddy Zé vor 1 Monat
Bud Spencer und Terence Hill Filme sind die am genialsten falsch übersetzten Filme überhaupt. Ich liebe die Sprüche, die nur in Deutsch lustig sind.
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