Schmerzen und Eiter vom Festivaltattoo und -Piercing

Wer sich an einem Openair zwischen Staub und Dreck neue Körperkunst stechen lässt, riskiert schnell mal eine Entzündung oder Schlimmeres. Die Profis zu Hause können deine Deko aber meistens retten.

Es ist ja verdammt verlockend: Man hat einen Riesenspass am Lieblingsfestival, mindestens zwei Bier zu viel intus und spaziert an einem Stand mit schönen Piercings vorbei, bei dem man sich direkt auch ein nettes Ohrloch oder Nasenpiercing stechen lassen kann. Obwohl man stets vor solchen Angeboten gewarnt wird – am Ende kann man doch nicht widerstehen.

Ich selbst bin leider auch in die Falle getappt und habe mir für läppische 12 Franken ein Nostril-Piercing schiessen lassen. Ja genau: Der – ich glaube selbst ziemlich betrunkene, angebliche Piercer – hielt mir eine kleine Pistole an die Nase und schoss mir einen Ohrstecker durch den rechten Nasenflügel. Das kleine, nickelfreie Stäbchen war viel zu kurz und so konnte die Wunde nicht richtig anschwellen. Die Folge waren Schmerzen und ein entzündetes Loch – und das war definitiv kein schöner Hingucker im Gesicht.

Ich bin nicht die einzige

Mit meinem Festivalfehltritt stehe ich aber nicht alleine da, wie uns Livia vom Piercing- und Tattoostudio «Giahi» in Zürich erklärt: «Besonders im Sommer erhalten wir verzweifelte Anrufe von Personen, die sich an Festivals oder im Urlaub günstig ein Tattoo oder ein Piercing haben stechen lassen und jetzt mit einer Entzündung oder im schlimmsten Fall sogar einer Infektion kämpfen.»

Das Problem dabei ist, dass sich die Piercer und Tätowierer kaum Zeit nehmen, ihre Kunden zu beraten. «Im Ausland denken sie schnell, das sind Touristen, die sehe ich eh nie wieder. Da spare ich mir die zehn Minuten», meint Livia. Als erfahrene Piercerin weiss sie aber wie wichtig es ist über Hygiene und Risiken aufzuklären.

«Wer besoffen in der Sonne einschläft, muss sich nicht wundern»

Vor allem bei Festivals sind die hygienischen Bedingungen überhaupt nicht gegeben: «Es ist dreckig, heiss und staubig. Die Besucher waschen sich vielleicht nur einmal täglich und desinfizieren ihr Piercing oder Tattoo nicht genug. Da dringen schnell Bakterien in die Wunde hinein.»

Andy von «The Secret Parlor» in Basel weiss, dass die Gefahr von Entzündungen und Infektionen an Openairs erhöht ist. «Meistens liegt das aber nicht am Piercer oder Tätowierer, sondern daran, dass der Kunde sich nicht richtig um die Pflege kümmert. Wer betrunken in der Sonne einschläft, muss sich nicht wundern, wenn sich das frischgestochene Tattoo entzündet», meint der Körperkünstler.

Lass dein Piercing oder Tattoo professionell retten

Auch in Luzern ist man mehrheitlich dagegen, sich Piercings und Tattoos an Festivals stechen zu lassen. «Das Umfeld ist einfach nicht optimal, vor allem wegen der fehlenden Hygiene», meint Joy von «Living Color». Wer trotzdem nicht ohne neuen Körperschmuck nach Hause gehen kann, sollte sich diesen eher am Ende des Festivals stechen lassen. Das sei sinnvoller, denn zu Hause könne man sich ausreichend um die Wunde kümmern.

Wer nach dem Festival mit dem schmerzenden Piercing oder einem entzündeten Tattoo zu kämpfen hat, geht lieber zu Hause in einen etablierten Laden und bekommt dort eine ausführliche Beratung und – wenn nötig – den Stecker gewechselt.


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8 Kommentare

Dä Jesus vor 3 Monate
Wer auf einem Festival, bei einem Piercer/Tätowierer, der nach dem Festival wieder unauffindbar verschwindet, absolute Hygiene erwartet, ist auch selber Schuld.
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Noblis vor 3 Monate
Hab mich am Festival von einer Biene stechen lassen. War nicht besonders schmerzhaft, und ist auch ohne Entzündung verheilt.
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Kühl vor 3 Monate
Ich denke die meisten solchen entscheide sind auch mehr oder weniger auf Drogen und Alkohol zurück zu führen
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Carel vor 3 Monate
War ja nur ein Piercing.Bei einem Festival in der Nähe von Prag konnte sich Mann für nur 100 Euro sterilisieren lassen.(In altem Krankenwagen)
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