Wir haben Nazi-Tattoos überstochen

Aus Reichsadler wird Krähe: Gemeinsam mit einem Tattoo-Studio überstachen wir rechtsextreme Tätowierungen von Ex-Nazis. Einer davon erzählt uns von seiner Zeit in der Szene.

Im Frühling startete ein amerikanisches Tattoo-Studio eine grossartige Aktion: Geläuterte Ex-Nazis, -Hooligans und andere Extremisten konnten sich bei «Southside Tattoo» ihre alten Tätowierungen überstechen lassen. Die Coverups sollen den Einstieg in ein neues Leben erleichtern.

Da wir die Aktion schlicht traumhaft finden, wollten wir hier in der Schweiz das Gleiche durchziehen: Gemeinsam mit dem Tattoo-Studio 2nd Skin überstechen wir einigen Menschen ihre alten Tätowierungen, die von ihrer düsteren Vergangenheit zeugen.

Mit 14 zum Nazi geworden

Einer davon ist Patrick*. Er wird bald 30 Jahre alt und war bis vor rund zehn Jahren in der rechtsextremen Szene unterwegs. Auf seiner linken Brust trägt er einen Reichsadler, auf dem restlichen Oberkörper tummeln sich weitere Hasssymbole. Auf der rechten Brust sieht man einen noch nicht fertiggestochenen Panzer mit Hakenkreuz-Emblem. Patrick wird ihn nicht vollenden lassen.

«Ich bin mit 14 in die rechte Szene gerutscht», erzählt Patrick. Zwei Jahre später schmissen ihn seine Eltern aus dem Haus und er gab seine Lehre auf. «Man vergräbt sich mehr und mehr im extremistischen Umfeld. Nach einer Weile kennt man kaum mehr andere Menschen – logisch, die wollen alle nichts mehr von dir wissen, wenn du so drauf bist.» Er zog mit anderen Rechtsextremen um die Häuser und war dabei Teil von gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Andersdenkenden. Bis er sich entschied, auszusteigen.

Durch den Sohn geläutert

Mit 18 wurde Patrick Vater. Das gab ihm einen Ruck: Gemeinsam mit der Mutter seines Kindes, die auch in der Szene aktiv war, nahm er Abschied von seinem rechtsextremen Umfeld. «Das ist aber ziemlich schwierig», sagt er. «Du hast kein soziales Umfeld mehr. Du stehst plötzlich ganz alleine da.» Aber der Ausstieg lohne sich – er fühle sich endlich wohl in seiner Haut.

Je nach Thema findet sich Patrick heute mal links und mal rechts wieder. Er arbeitet als Maurer und wenn er an heissen Tagen oben ohne auf der Baustelle steht, sehen seine Mitarbeiter einen Oberkörper mit den extremistischen Tätowierungen. «Natürlich musste ich ihnen meine Geschichte erzählen. Und klar: Ich muss mir dann dumme Sprüche anhören. Aber meine Freunde wissen, dass das ein Teil meiner Vergangenheit ist.» Ansonsten vermeidet er es, in der Öffentlichkeit seinen Körper zu zeigen – in die Badi geht er nur selten.

«So ergibt mein Job einen Sinn»

Das soll sich ändern, Schritt um Schritt. Heute übersticht ihm der Tattoo-Künstler Louis Konstantinou von 2nd Skin den Reichsadler auf der Brust. Für den Tätowierer ist das eine Ehre: «Das ist beinahe schon heilig», sagt Kontantinou. «Natürlich liebe ich es auch, übliche Tätowierungen zu stechen. Aber gerade bei solchen Arbeiten ergibt mein Job so richtig einen Sinn.»

Knapp vier Stunden später ist der Reichsadler verschwunden und stattdessen ziert eine stolze, verdammt hübsche Krähe die Brust von Patrick – vom Hasssymbol ist nichts mehr zu sehen. Patrick freut sich: «Es ist Zeit geworden, dass ich endlich ganz mit dieser Lebensphase abschliessen kann.» Mit dem Tattoo-Künstler hat er bereits über weitere Coverups gesprochen. Wir wünschen ihm nur das Beste.

*Name geändert


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42 Kommentare

Ringo vor 5 Monate
Schade um denn schönen Reichsadler.
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Historiker vor 5 Monate
Was ist mit dem Panzerabzeichen der Wehrmacht auf der anderen Brustseite? Das Panzerabzeichen hat im übrigen den Reichsadler darüber und nicht wie auf seinem Tattoo der Luftwaffeadler. Die "Nazis" heutzutage kennen nicht einen Zentimeter der Historie von damals, einfach nur "Drecksausländer" zu schreien und sich dann Nazi zu bezeichnen, ist beschämend und beleidigend.
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Antwort von Heinz vor 5 Monate
Der Begriff 'Nazi' wurde ohnehin nie von den Nationalsozialisten gebraucht. Die heutigen Nazis haben rein gar nichts gemeinsam mit den Nationalsozialisten. Bier saufen, laute Konzerte, Parolen schreien etc hat NICHTS mit Nationalstolz zu tun. Der Begriff Nazi wurde von den jüdischen Marxisten erfunden und als rufschädigend zu Propagandazwecken gegen Deutschland verwendet.
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Antwort von Patrik vor 5 Monate
Was ja so auch nicht stimmt. Die Broschüre Der Nazi-Sozi von 1931, ist immerhin von Dr. Goebbels verfasst worden.
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