«Wir stehen für Liebe und Weltoffenheit»

Die Rap-Kombo Eldorado FM vereint auf ihrem neuen Album lustige Sprüche mit intellektueller Gesellschaftskritik. Manillio und CBN standen uns Rede und Antwort.

Nach fünf kostenlosen Mixtapes hat die Raptruppe Eldorado FM, bestehend aus den Rappern Manillio, CBN, Dezmond Dez und Tommy Vercetti, ihr langerwartetes Album «Luke mir si di Vater» veröffentlicht. Im Interview erzählen Manillio und CBN was sie an der Schweiz stört und wieso die Rapper ihre Lichtschwerter ausgepackt haben.

Wir fangen einfach an: Wer sind die besten Schweizer Musiker?
CBN: Für mich ist James Gruntz der kompletteste Musiker. Und Müslüm. Ich höre die ganze Zeit das Müslüm-Album.
Manillio: Dem stimme ich zu. Sonst sind es für mich die üblichen Verdächtigen. Ich freue mich zum Beispiel sehr aufs Patent-Ochsner-Album.

Und wer sind die besten Schweizer Rapper?
M: Wir. Natürlich hört sich das extrem arrogant an, aber ich glaube an meine Jungs! Das gehört zum Spirit von Rap; man muss überzeugen. Dass ich mich manchmal scheisse finde, interessiert ja niemanden.

Wer ist der beste Rapper bei Eldorado FM?
C: Komm, wir nennen einfach einen von denen, die nicht da sind. Also: Dezmond Dez.
M: EFM ist wie eine Superheldencrew — jeder hat seine Spezialkräfte. Wir haben für jeden Geschmack etwas dabei.

Ein Teil eurer Hörerschaft ist ziemlich jung. Verstehen die eure Texte überhaupt, wenn ihr von Borges, Tolstoi und Mata Hari rappt?
M: Klar gibt es Leute, die an ein EFM-Konzert kommen, weil sie abgehen, pogen wollen und mehr für Musik als für Texte da sind. Aber es gibt auch solche — und darauf bin ich sehr stolz — die sich trotz des jungen Alters mit unseren Texten auseinandersetzen.
C: Man darf die jungen Menschen nicht unterschätzen. Sie haben teilweise ein sehr grosses Interesse an anspruchsvollen Texten. Und falls wir ihnen durch unsere Texte den Zugang zu diesen Themen ermöglichen können, dann ist das doch schon ein grosser Erfolg.

Entsteht keine Diskrepanz zwischen den zwei Fanlagern? Die eine Gruppe, die wegen der Lyrik da ist und die andere, welche einfach nur feiern möchte — belächeln die sich nicht gegenseitig?
C: Das müsste man die Fans fragen. Ich glaube aber nicht, dass das der Fall ist. Diese Lagerbildung wäre zu einfach.
M: Es ist ja auch nicht der Fall, dass jeder unserer Songs total tiefgründig ist.

Ihr seid eine ziemlich grosse Nummer im Schweizer Rap. Ausser Manillio lebt aber keiner von euch von der Musik. Führt das nach so vielen Jahren in der Szene und unzähligen Releases nicht zu Frustration?
C: Das ist ja eine Frage des Marktes. Wir kennen den Schweizer Musikmarkt und wussten von Anfang an, dass das nicht der Fall sein wird. Ich mache lieber aus der Not eine Tugend und sage: Es ist ein Privileg.
M: Es ist auch eine Frage, ob man das auch wirklich will. Es ist nämlich nicht so einfach von der Musik zu leben. Für mich wäre es viel einfacher einen geregelten Job zu suchen und ein regelmässiges Einkommen auf meinem Konto zu haben. Viele Menschen leben in der Illusion, dass Musiker, die in der Schweiz von ihrer Arbeit leben, ein extrem geiles Leben haben und nicht auf das Geld schauen müssen.

Wie effektiv ist denn Rap in der Schweiz als Kritikplattform?
C: Rap ist unser Medium — wir können lediglich mit unseren Mitteln arbeiten. Natürlich ist es effektiver, eine Motion im Parlament einzureichen. Gerade den Einfluss auf junge Leute darf man aber bei Rap nicht unterschätzen, auch wenn man diesen nicht messen kann. Für alles weitere muss man andere Wege wählen.

Was würdet ihr an der Schweizer Gesellschaft am meisten kritisieren?
M: Jedem, der jemals einen EFM-Song gehört hat, ist sicher bewusst, dass wir uns klar links positionieren. Wir stehen eher für Liebe und Weltoffenheit. Deshalb habe ich auch gebuht, als Köppel an den Swiss Music Awards aufgetreten ist.
C: Mich besorgt die zunehmende Angstmacherei in der Schweiz. Nicht nur gegenüber Fremdem, sondern auch im privaten Umfeld. Die Leute haben Angst, können diese aber nicht benennen und wenden sich deshalb konservativeren Lebensphilosophien zu. Das allgemeine Vertrauen fehlt.

Lockern wir das Ganze mal auf: Woher kommt die Star-Wars-Thematik auf dem Album?
C: Von Tommy Vercetti [ein weiteres Mitglied von Eldorado FM, Anm. d. Redaktion].
M: Stimmt, von Tommy. Ich hatte einen schwachen Moment und fand es lustig. Eldorado ist halt immer noch ein Spielplatz, auf dem wir Sachen ausprobieren, die wir lustig finden. Das muss nicht unbedingt jeder verstehen.

Wieso soll sich jemand, der noch nie was von Eldorado FM gehört hat, das Album anhören?
M: Wer guten Rap mag von Jungs, die auch etwas zu erzählen haben, ist bei uns sicher gut aufgehoben.

>> Das Album «Luke mir si di Vater» kann man hier bestellen.


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3 Kommentare

... Heart and music vor 2 Jahre
Best crew ever!!! Und s erste "lade"-album isch eifach numä top, abr das hed mä gwüsst wenn mä d'gratis mixtapes kennt. EFM, das isch Schwiizer Rap!
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Sorry aber... Eher weniger vor 2 Jahre
Wow! Er hat gebuht als Köppel augetreten ist! Ein richtiger Revoluzer! Guter Rap
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Heisenberg vor 2 Jahre
Das beste was der Schweizer Rap im Moment zu bieten hat. EFM
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