«Mit 3000 Franken kannst du ein Menschenleben retten»

Weltweit schliessen sich immer mehr junge Menschen dem Effektiven Altruismus an. Was steckt hinter der Bewegung?

«Stell dir vor du läufst an einem Teich vorbei, in dem gerade ein Kleinkind ertrinkt. Was tust du? Du springst natürlich ins Wasser und rettest es. Klar. Was aber, wenn das Kind nicht vor deinen Augen ertrinkt, sondern stattdessen in einem anderen Land an den Folgen einer heilbaren Krankheit stirbt? In den meisten Fällen lautet die Antwort darauf: Nichts!» Mit diesem Beispiel eröffnet der Philosoph und Unternehmer Adriano Mannino unser Gespräch. Es sei wiedersprüchlich und irrational nur dann zu helfen, wenn sich das Leid in unserer Nähe abspielt, meint der 28-Jährige weiter.

Effizient die Welt retten

Das Ziel des Effektiven Altruismus ist schnell erklärt: Das Leid auf der Welt verringern und Menschenleben retten. Aber nicht irgendwie, sondern effizient. Zu diesem Zweck hat Mannino 2015 die Stiftung für Effektiven Altruismus mit Hauptsitz in Basel ins Leben gerufen. Wer also wissen will, wie er der Welt am effektivsten dient, kann sich hier von einem Mitarbeiter persönlich und kostenlos beraten lassen. «Es gibt verschiedene Arten das Leid auf der Welt zu verringern. Die einfachste ist Geld zu spenden. Aber wir helfen jungen Leuten zum Beispiel auch bei der Berufswahl.» Ein Rezept für alle gebe es indes nicht. Um das Maximum aus jedem herauszuholen, müsse man jeden Fall individuell betrachten.

Was spendet man denn so als effektiver Altruist? «Die meisten geben rund 10 Prozent ihres jährlichen Einkommens. Andere bis zu 50 Prozent», sagt Mannino. Er selber spende monatlich 20 Prozent seines ohnehin bescheidenen Gehaltes, sei aber glücklicher denn je: «Anderen helfen macht erwiesenermassen glücklich.» Wer sich der Bewegung des Effektiven Altruismus anschliessen möchte, müsse aber keine grossen Spenden aufbringen, meint Adriano weiter. «Eigentlich kann jeder ein Superheld sein. Schon mit 5 Franken kann man zum Beispiel zehn Kinder in armen tropischen Ländern mit einer Impfung entwurmen. Ein Cappuccino kostet bei uns ja schon mehr. Dafür haben 10 Kinder ein Jahr lang ein besseres Leben.» 

Ein Menschenleben in Zahlen

Ein Grossteil des gesammelten Geldes (rund 1.5 Millionen) sei bisher an die «Against Malaria Foundation» geflossen. Diese verteile in Afrika Moskito-Bettnetze, unter denen die Menschen schlafen können. Das schütze sie vor Malaria-Infektionen und verhindere viele Todesfälle. Die statistischen Studien haben erwiesen, dass man so für 3000 Franken ein Leben retten könne. In einem reichen Land wie der Schweiz, koste es immer mindestens 300´000 Franken ein Leben zu retten. Das heisst auch, dass man in den ärmsten Ländern für dasselbe Geld 100 Mal mehr Menschen vor dem Tod bewahren kann. Und um genau diese Effizienz gehe es im Effektiven Altruismus. Ein radikaler Gedanke. Schliesslich sind wir es uns nicht gewohnt, Menschenleben in Zahlen auszudrücken.

Das Zeil rechtfertigt die Mittel

Um das Ganze noch effizienter zu machen, arbeitet die Stiftung mit Mitteln, die bisher im Spenden-Sektor weitgehend verrufen waren: «Das Geld, das wir sammeln, geht nicht direkt an die Hilfsorganisationen», meint Adriano. «Wir stellen damit erst Leute an, die Fundraising betreiben. Auf diese Weise haben wir in einem Jahr eine anfängliche Spendensumme von 100´000 verzehnfacht.» Erst dann wurde das Geld gespendet. In diesem Sinne funktioniert die Stiftung wie ein gewöhnliches Startup, das auf Gewinnmaximierung aus ist. Adriano: «Unseren Profit messen wir aber nicht in Geld, sondern in geretteten Leben und vermindertem Leid.» Es sei ja eigentlich paradox, wenn man ausgerechnet da, wo es um die Rettung von Menschenleben gehe, nichts zur Effizienz beitrage.

Im globalen Vergleich ist die Schweiz der drittgrösste EA-Hub, nach Oxford und der San Francisco Bay Area. Soeben hat die Stiftung für Effektiven Altruismus, bei der bereits 20 Leute arbeiten, ein neues Büro in Berlin eröffnet, um auch in Deutschland zu expandieren. Und auch auf dem politischen Parkett wird man in Zukunft öfters von der EA-Stiftung hören. Dieses Jahr lanciert sie in Zürich die Initiative «Zürich gegen die Weltarmut». Die Forderung: Die Stadt solle 1 Prozent ihres Gesamtbudgets an die effektivsten direkten Hilfsorganisationen spenden. Ein Vorschlag, der wohl für hitzige Diskussionen sorgen wird.


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57 Kommentare

harry vor 2 Jahre
Schade hat jetzt der Fischnetzproduzent vor Ort jetzt keine Arbeit mehr....so einfach ist es nicht
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Edith vor 2 Jahre
Seit wann entwurmt man Kinder mit Impfungen?
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Michael vor 2 Jahre
Wieso sollte man die Leben möglichst viele Leben retten wollen, die sowieso im Elend leben ? Pro Jahr 80 Mio Bevölkerungswachstum, das ist das grösste Problem auf unserem Planeten !
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Susi vor 2 Jahre
Je mehr es von etwas gibt desto weniger wert hat es. Wollen wir denn 100 mal mehr menschen?
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