Rihanna ist nicht das Produkt, du bist es

Am Donnerstag freuten sich eine Million Rihanna-Fans über eine Gratis-Kopie ihres neuen Albums «Anti». Doch auch etwas Kostenfreies hat seinen Preis.

So nett: Samsung und Tidal verschenkten am Donnerstag eine Million Kopien des neuen Rihanna-Albums «Anti». Die zwei Unternehmen hegen aber keine wohltätigen Zwecke. Die Gratis-Profiteure zahlen etwas, auch wenn es ihnen nicht bewusst ist.

Test-Abo von Tidal und Werbung von Samsung

Wie heisst es so schön: Nichts im Leben ist kostenlos. Ein gratis Album ist nicht zwingend ein kostenfreies Album. Anstatt aufs Portemonnaie zielen Firmen in der digitalen Welt immer wieder auf andere unbewusste Währungen ab. Im Fall von Rihannas «Anti» zahlten die Million vermeintlich Glücklichen mit ihren Daten und mit einem Test-Abonnement bei Tidal.

Jeder, der «Anti» für lau runtergeladen hat, ist jetzt Nutzer von Tidal. Zumindest für zwei Monate – so lange läuft die Testphase. Eigentlich auch ganz nett. Aber der Streaming-Service wird beim Ablauf der Periode alles daran setzen, die Tester zu zahlenden Kunden umzumünzen und so Profit aus der Aktion zu schlagen.

Samsung wiederum ist nun in Besitz von mehr als einer Million E-Mail-Adressen – bis am Freitagmorgen konnte man noch seine Mail-Adresse angeben, um zu erfahren, dass es keine kostenlosen Alben mehr gibt. Was mit diesen Daten passiert, steht nicht auf der Donwload-Seite. Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, dass die Musik-Fans die eine oder andere Werbe-Mail von Samsung erhalten.

Eine kleine Lebensweisheit

Doch nicht nur bei Rihannas neuem Album läuft die Masche so. Immer, wenn du nicht für ein Produkt zahlst, bist du das Produkt. Das fängt schon bei klassischer Werbung (auch bei uns, Sorry) an, geht aber noch viel weiter.

Wenn du bei einem Facebook-Wettbewerb zum Sharen eines Posts aufgefordert wirst, machst du dich selbst zur Werbefläche. Wenn du etwas googelst, analysiert die Suchmaschine deine Interessen. Dein Lieblings-Youtuber wurde wahrscheinlich gezahlt, um dir ein Produkt näher zu bringen. Alle Gratis-Apps haben sowieso einen Haken. «Whatsapp» wird früher oder später Werbung aufschalten oder die Nutzerdaten verwerten.

«Die Unternehmen müssen rentieren»

«Das Betreiben und Weiterentwickeln einer Plattform wie Facebook oder Google Mail verschlingt Unsummen an Ressourcen. Am Ende muss ein Unternehmen rentabel sein», sagt Moritz Gerber von der Web-Werbeagentur Feinheit. So hätten solche Firmen Tools entwickelt, die mit Daten Geld verdienen. Entweder mit effizienter spezifischer Werbung oder mit dem Verkauf anonymisierter Daten.

«Im Endeffekt können Nutzer nicht profitieren, wenn sie ihre Daten nicht freigeben wollen – was zum Teil sehr aufgezwungen ist», führt Gerber weiter. Im Fall von Rihanna sei der Selbstschutz nur da, wenn man das Album kauft. «Es wird wohl eine oder zwei Generationen gehen, bis das Verständnis da ist, was die Datenfreigabe für eine Tragweite hat.»


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8 Kommentare

Ich vor 12 Monate
man musste kein Probeabo machen um das Album zu Downloaden!
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Wahrheit vor 12 Monate
...in so einem Fall, immer auf der Tastatur rum hauen für die Daten und irgend was erfinden. Selber schuld wenn die die Adressen nicht prüfen 😉 ...und ich sage dann: Danke
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Oskar Meier vor 12 Monate
Schlussendlich will aber auch jeder einen Gutbezahlt Job!! Oder wie dachtet ihr, wie Unternehmen an neue Kunden kommen? Es kann ja nicht jeder in der Verwaltung arbeiten!!
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Hans Muster vor 12 Monate
Bei WhatsApp etc. genau das Gleiche. Wenn etwas gratis ist, bist du das Produkt. Bedenklich, wie wenig (junge) Leute das erst einsehen...
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