Die besten Reden hält man betrunken

Mit einer satirischen Show, in der Besoffene ziemlich lustige Reden zu kuriosen Themen halten, feiert ein junger Ami grosse Erfolge. Dem soll jetzt ein Ende gesetzt werden.

 

Was als kleiner Gag unter Studenten der University of Chicago begonnen hat, entwickelte sich ziemlich schnell zu einem der Geheimtipps für – halbwegs – intellektuelle Abendunterhaltung und machte seinen Weg von Chicago bis nach New York City. «Drunk TED Talks» ist genau das, was der Name verspricht: Eine durch Alkohol angetriebene Variante der weltbekannten «Schlaue Leute reden über wichtige Themen»-Reihe TED. (Die Abkürzung steht übrigens für «Technology, Entertainment, Design»)

Die Idee des Originalformates mag grundsätzlich ganz cool sein. Regelmässig gehen Videos von motivierenden, rührenden und emotionalen Ansprachen zu wichtigen Topics wie Bildung, Kreativität, Jugendförderung und Identität viral und erreichen mitunter über 30 Millionen Klicks. Die Sprecher sind hohe Tiere aus Wirtschaft, Politik und anderen Bereichen, die uns Normalsterblichen mehr oder weniger ein Mysterium sind. Will man live bei einer solchen Superrede dabei sein, zahlt man schon mal rund 8500 Franken für ein Ticket.

Kim Kardashian verdient auch eine Rede

Kein Wunder also, werden immer wieder auch kritische Stimmen laut. Anstatt plump auf Twitter abzuhaten oder eine prätentiöse Sitz-Demo abzuhalten, haben sich Eric Thurm (der mittlerweile als freier Journalist für grosse Zeitungen wie «The Guardian» und «GQ» schreibt) und seine Kollegen eben oben erwähntes, alkoholgeschwängertes Satire-Format überlegt. Hier haben Menschen, die etwas loswerden möchten, die Möglichkeit genau das zu tun – und jeder darf vorbeikommen und zuhören. Einzige Bedingung: Die Vortragenden müssen sich vor ihrer Präsentation erstmal ganz schön einen hinter die Binde kippen.

Das lockert nicht nur die Zunge und vertreibt nervöses Lampenfieber, sondern macht auch für das Publikum Reden zu Themen wie «Kim Kardashian: American West» oder schlicht «Witches» («Hexen») nicht nur erträglich, sondern zu einem wahren Comedy-Highlight. Zu den eifrigen Trinkern und Rednern gehören aber nicht nur in Insider-Kreisen bekannte Esoterik-Hipster, sondern auch renommierte Autoren und Journalistinnen – wie etwa Casey Johnston von der «New York Times».

Das Ende ist nah

Der Spass soll nun aber ein Ende haben – die Macher hinter den «echten» TED Talks haben Eric nämlich vor wenigen Tagen ihre Anwälte auf den Hals gehetzt. Seine Parodie auf das Werk ihrer Klienten führe zu «Verwirrungen» und könnte aufgrund der Verwechslungsgefahr falsches Licht auf diese werfen. Er hätte unverzüglich die Show einzustellen oder zumindest Titel und Aufmachung zu ändern.

Der 24-Jährige reagiert auf das Schreiben relativ gefasst: «Ich wusste immer, dass das passieren könnte», gibt er im Interview mit der «Chicago Tribune» zu. «Viele Leute drängen mich dazu, es zu einem Gerichtsverfahren mit TED kommen zu lassen. Das kann ich mir aber nicht leisten. Vielleicht wäre es für alle anderen lustig – aber nicht für mich.»



Somit scheint das Schicksal von «Drunk TED Talks» besiegelt. Das Konzept bleibt aber auf jeden Fall unter neuem Namen bestehen. Und vielleicht kommt Eric schon bald die nächste tolle Idee – während einer launigen Partynacht, nach ein, zwei, drei Glas Bier.



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1 Kommentar

robin hood vor 9 Monate
nun, betrunken hat man in der regel nicht die beste aber die ehrlichste rede.
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