Wie helfen wir unseren depressiven Freunden?

Facebook erkennt jetzt, wenn sich Menschen das Leben nehmen wollen und bietet Hilfe an. Wir fragen bei Experten nach, wie wir selbst unseren depressiven Freunden helfen können.

Der Weltgesundheitsorganisation zufolge sind Suizide die zweithäufigste Todesursache bei Menschen unter 30. Und das Schweizerische Gesundheitsobservatorium berichtet, dass jede sechste Person in der Schweiz mindestens ein Mal in ihrem Leben an Depressionen leidet.

Wenn ich mich in meinem Umfeld umsehe, muss ich den Zahlen wohl Glauben schenken. Eine meiner besten Freundinnen schlug sich jahrelang mit der Krankheit herum. Natürlich versuchten wir im Freundeskreis, ihr zu helfen. Und zeitweise lief das ganz gut: Sie schien stabil zu sein und wirkte so emotional wie ein Pfannendeckel. Für jemanden, der an Depressionen leidet, ist das gar nicht so schlecht. An anderen Tagen hingegen verbrachten wir die ganze Nacht wach neben ihr, nur um dann am Morgen doch ins Krankenhaus zu fahren, weil sie es irgendwie schaffte, ungesehen ein halbes Dutzend Schmerzmittel zu schlucken.

Keine Hilfe in der Schule

Im Freundeskreis waren wir überfordert und immer mehr von uns gingen auf Distanz zu ihr, weil wir uns ins Tief mitreissen liessen. Irgendwie verständlich, oder? Wir waren alle um die 18 Jahre alt und wollten eigentlich nur Billigwein trinken, Partys feiern und rauchend bis in die frühen Morgenstunden über Gott, die Welt und neue Musikalben diskutieren. Niemand von uns hatte irgendwelche Erfahrungen mit Depressionen – woher auch?

In der Schule lernten wir nacheinander wie man sich die Zähne putzt, wie man sich auf einen Job bewirbt und wie man verschiedene Steinarten voneinander unterscheidet. Aber wie man jemandem in einer Krise hilft und sich dabei selbst gesund hält – das lernten wir nie.

Facebook will helfen

Facebook will uns jetzt mit einem Tool dabei unterstützen. Man kann depressive Freunde melden – oder sie werden gleich vom Algorithmus herausgepickt – und danach erhalten sie ein paar Tipps zur Problembewältigung und die Nummer einer Notfallhotline. Grundsätzlich: Daumen hoch für die Idee. Aber wir sollten das doch auch selbst hinkriegen. Deshalb befragten wir einen Experten, wie wir unseren depressiven Freundinnen und Freunden helfen können – nur damit ihr nicht den gleichen Quatsch durchleben müsst, wie wir damals mit unserer Freundin.

Isolation deutet auf Probleme hin

«Heftige Gefühle und auch Tage mit Null-Bock-Stimmung begleiten viele Jugendliche», erklärt Alain Di Gallo, Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik Basel. Achtgeben müsse man aber, wenn dieser Zustand mehrere Wochen lang hinhält und sich jemand abkapselt. «Wenn sie sich beispielsweise aus ihren sozialen Aktivitäten zurückziehen, Freundschaften vernachlässigen oder in der Schule oder während der Lehre Probleme bekommen.»

Bemerkt man dies in seinem Umfeld, solle man die betroffenen Personen ansprechen. Aber natürlich mit Feingefühl: «Von einem depressiven Menschen zu verlangen, sich zusammenzureissen, ist genauso sinn- und hilflos wie einem Menschen, der das Bein gebrochen hat, zu sagen ‹Nun hab dich nicht so und steh endlich auf!›», erklärt der Jugendpsychiater. Schliesslich handelt es sich bei Depressionen um eine Krankheit und nicht um ein bisschen Pessimismus mit Kopfschmerzen.

Zwischen Nähe und Abgrenzung

Auch wenn der Umgang mit depressiven Menschen unangenehm sein kann, soll man nicht wegschauen und lieber öfter Mal auf Besuch gehen und nachfragen, wie das Leben so läuft. Und zwar ehrlich und mit einem offenen Ohr. «Zeige deine Bereitschaft, dass du offen bist für dein Gegenüber», schlägt Di Gallo vor.

Wenn man unsicher sei oder sich überfordert fühle, helfen Sozialarbeiter, Betreuer oder Lehrer. Und das ist wichtig, denn: «Hilfe anzubieten ist immer eine Gratwanderung zwischen Nähe und Abgrenzung. Wenn du dich zu stark eingibst und auch in den depressiven Strudel hineinziehen lässt, kannst du nicht mehr helfen und überforderst dich», sagt der Experte.

Grundsätzlich heisst das: Wir sollten mit unseren Freundinnen und Freunden sprechen, wenn sie in schwarze Löcher fallen. Also schreibt doch eurem Kumpel, der sich immer mehr abkapselt, eine kurze Nachricht, ladet ihn auf einen Kaffee ein und fragt wie es ihm geht. Ich zumindest werde das jetzt tun und bei der alten Freundin anklopfen. Denn wir sind auch für das Glück unserer Lieblingsmenschen mitverantwortlich.


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18 Kommentare

Dani vor 7 Monate
Alles was ich sagen kann ist dass man die Gefühle und Gedanken einer depressiven Person anerkennen muss. Nur weil eine 'gesunde' Person nicht nachvollziehen kann was in einem anderen Kopf vorgeht sollen die Gefühle und Gedanken nicht vermindert werden und oft machen wir das ohne es zu meinen
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Lisa vor 7 Monate
"und wie man verschiedene Steinarten voneinander unterscheidet" Auf was für einer Schule warst du denn? Du hast nicht zufällig deinen Namen tanzen müssen...oder?
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Antwort von vor 7 Monate
An einer Kantonsschule normal in Geografie
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baba vor 7 Monate
ich habe eine bekannte die jammert seit 10 jahren wie schlecht es ihr geht. dabei hat sie alles erreicht was sie vor diesen 10 jahren unbedingt wollte. Sie sieht nur überall das Negative und kann sich nicht auf das Positive konzentrieren auch wenn ich versuche ihr zu zeigen was sie alles schöne hat im Leben. Sie suhlt sich in der Opferrolle, jammerst ständig und ist nicht bereit Hilfe anzunehmen wenn man sie anbietet. sorry, aber wenn man sich selbst nicht helfen will, dann können andere auch nix mehr tun. dann wäre es an der Zeit sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und nicht immer allen anderen die Schuld geben.
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