Deine Band interessiert keine Sau

Unser Redaktor arbeitet in einem Konzertlokal, das von Bandanfragen überflutet wird. Viele davon wärmen tote Musik auf oder sind einfach nur langweilig. Das nervt.

Gleich mal vorweg: Ich liebe Bands. Und ich liebe Live-Musik und besuche gerne gute Konzerte. Und die gibt es in der Schweiz zur genüge. Sophie Hunger hat erst gerade den hochdotierten Schweizer Musikpreis verliehen bekommen. Und auf den sozialen Medien kocht die Kulturszene vor Eifersucht. Dabei ist Hunger eine der wenigen, die mit ihrer Kunst auch im Ausland begeistert. Respekt dafür.

Aber es gibt eben auch die anderen. Du weisst schon: Die Band deiner Freunde, die seit Pubertätszeiten immer noch dieselben Teenie-Punk-Songs spielt. Oder der Kumpel, der dich auf Facebook mit Einladungen zuspammt und dich per Privatnachricht darum bittet, bei einem nichtssagenden Youtube-Channel für seine Hard-Rock-Band zu voten. Ich mache selbst Musik und bin wahrscheinlich keinen Deut besser. Trotzdem nervt das.

Gitarrenmusik ist (noch) nicht tot, riecht aber komisch.

Nirvanas «Smells Like Teen Spirit» ist kürzlich 25-jährig geworden, «Motörhead»-Frontmann Lemmy ist tot und David Bowie ebenfalls. Trotzdem tätowieren sich 16-Jährige noch heute Zitate von Kurt Cobain auf den Arm und hängen ihn als Plakat in ihr Zimmer. Genau diejenigen schreiben mit ihrer Hard-Rock-Band Protestsongs über den Hausarrest, den sie von ihren Eltern wegen dem Tattoo gekriegt haben. Und die Musik klingt dann wie die 80er-Lieblingsband vom Daddy. Irgendetwas ist schräg daran.

Gitarrenmusik muss man heute neu erfinden, damit sie jemanden anderen als die «Jeden Tag ein neues Bandshirt»-Fraktion hinter ihrem Smartphone hervorlockt. Wie wärs beispielsweise mit einem knalligem Genre-Mix oder coolen Kostümen à la John Gailo? Lord Kesseli & The Drums machen derweil auf Kirchen-Pädos – und das macht die eh schon abgefahrene Musik gleich noch etwas fesselnder. Oder man kann auch etwas weiter gehen. Etwa so wie der Basler Navel-Frontmann Jari Antti, der vor einer guten Weile mit den beiden einzig wahren Rap-Punks der Schweiz zusammengearbeitet hat: Göldin & Bit-Tuner. Deren Album-Release-Homepage ist übrigens auch ein Spektakel für sich

Hübsche Beispiele gibt es genug. Also kriege ich die Krise, wenn ich zum hundertsten Mal lese, dass eine Band «guten, alten Rock» spielt. Wieso muss man dreissig Jahre später noch AC/DC-Riffs in der Mikrowelle aufwärmen? Die Welt hat die 70er und die 80er aus gutem Grund abgeschafft. Belassen wir es doch dabei.

Keine Haare am Sack, aber im Puff drängeln

Während die klassischen Rockbands das Internet irgendwie doof finden, feiern meine zweiten Lieblings-Hass-Bands das Internet etwas zu sehr. Auf deren Facebook-Seite lassen sich zwar kaum Songs anhören, dafür gibt’s Food-Selfies, ein «Finde den Fehler»-Bild oder ein Anmeldeformular für ein «Meet and Greet»-Raclette.

Echt jetzt: Keine Songs veröffentlichen, aber kiloweise Merchandise aus China einfliegen?! Wie sagt man so schön? Keine Haare am Sack, aber im Puff drängeln. Konzentriert euch doch bitte auf die Musik. Ihr seid eine Band und nicht Bendrit.

Christkind Camenzind gibt's nicht

Es geht darum, sich Mühe zu geben und versuchen, etwas Neues, Interessantes, Abgefahrenes zu schaffen. Wer im Proberaum rumsitzt und darauf wartet, dass Jack White oder Roman Camenzind mit einem Plattenvertrag vorbeikommen, weil man «ja so gute Gitarrensolos wie Slash» spielen kann, der kann auch aufs Christkind warten.

Sophie Hunger hat den Preis verdient, weil sie clevere und spannende Songs spielt, und nicht alte Zeiten aufwärmt, die sie nie erlebt hat, oder sich mehr für ihre T-Shirts als für ihre Songs interessiert. Daran könnten sich hierzulande einige ein Vorbild nehmen.

 


Kommentar schreiben

66 Kommentare

Timemachine vor 4 Monate
Es gibt aktuell diverse gute schweizer Bands! Hators, Uesless, Mantra, Living Shape ect. weiss nicht was du hast!
0
0
Antwort
Feigenwinter vor 12 Monate
Sophie Hunger? Ist es schlimm, wenn man die nicht kennt? Hiess nicht mal ne Snowboarderin so ähnlich? Keine Ahnung.
3
1
Antwort
Ferdi vor 1 Jahr
Toll ist es, 40 Jahre schon Punk-Musik zu machen, damit Erfolg zu haben, immer noch zu spielen und neue Songs aufnehmen, auch ohne ein einziges Mal vom Staat oder Kanton unterstützt worden zu sein. Wir blieben immer unabhängig, und unser neustes Album heisst "unFAiRbindlich", FAiR.
28
1
Antwort
Evilgrin vor 1 Jahr
Gitarre ist kacke und ich finds scheisse seit fast 40 Jahren! Punkt.
2
23
Antwort
16-Jährige druckt und bearbeitet Fotos von Leichen
sponsored

16-Jährige druckt und bearbeitet Fotos von Leichen

17-Jährige tauscht Jungfräulichkeit gegen iPhone

17-Jährige tauscht Jungfräulichkeit gegen iPhone

«Rick & Morty» gibt es natürlich auch als Porno

«Rick & Morty» gibt es natürlich auch als Porno

Insta-Star nimmt sich unabsichtlich beim Sex auf

Insta-Star nimmt sich unabsichtlich beim Sex auf