«Wir könnten in einer Diktatur enden»

Unser Smartphone schneidet Gespräche mit und unsere Webcam filmt uns beim Schlafen – stimmt das wirklich? Wir haben mit einem Netzaktivisten und Datenschutz-Experten gesprochen.

Sogar Facebook-Gründer Mark Zuckerberg klebt seine Webcam ab. In Zeiten, in denen wir alle einen kleinen Computer in der Tasche rumtragen, wird das Thema Datenschutz immer wichtiger. Doch wie viel Vorsicht ist gerechtfertigt? Ist das Misstrauen der Post-Edward-Snowden-Ära angemessen oder werden wir alle unnötig paranoid?

Wir haben mit einem Internetaktivisten, der sich online Dodger nennt, über das Thema gesprochen. Als längjähriges Mitglied der internationalen Hacker-Vereinigung Chaos Computer Club (CCC) beschäftigt er sich täglich mit Fragen des Datenschutzes im Internet. Wenn es nach ihm geht, haben wir tatsächlich ein Problem.

Wofür setzt ihr euch mit dem CCC in Sachen Datenschutz konkret ein?
Das Recht auf Privatsphäre ist eines der höchsten Güter im Zusammenleben von Menschen – niemand möchte, dass permanent Fremde im Schlafzimmer stehen und bei allem zuschauen – das muss im übertragenen Sinne auch digital gelten. Die Aufgabe des CCC ist es, darüber aufzuklären, wozu Datenmissbrauch und Überwachung führen können und diese Unfreiheit zu verhindern.

Ist es denn wirklich so schlimm, wie wir seit Edward Snowden meinen?
Es ist noch viel schlimmer als du denkst. Wir befinden uns bereits jetzt in der Phase, in der die gesammelten Daten aktiv genutzt werden – sei es für Gesichtserkennung, Bewegungsprofile und die aktive Unterdrückung unbeliebter Meinungen. Unternehmen, Regierungen und Private sind an den gesammelten Daten interessiert – am HB in Zürich läuft zum Beispiel ein Pilotprojekt, um Kunden über ihre Mobiltelefone zu verfolgen und dann zu analysieren, wer wann wo in welchem Geschäft eingekauft hat.

Wozu werden diese Daten denn genutzt?
Das Ganze dient der Optimierung von Marketing und ist vor allem interessant, wenn es mit den Verkäufen und Bankdaten kombiniert wird. So könnte deine Krankenversicherung sehen, wie oft du im Kiosk Tabak oder Alkohol kaufst und entsprechend deine Prämien anpassen. Es reicht nicht, den Handel mit diesen Daten zu verbieten – die Erfassung muss verhindert werden.

Als jemand, der keine sensiblen Daten auf seinem Rechner hat – wieso sollte ich mir Sorgen machen?
Selbst wenn du wirklich keine persönlichen Mails, Steuererklärungen, Bilder und Unterlagen auf deinem Rechner hättest, greift immer noch das Prinzip der Herdenimmunisierung: Wenn alle Menschen verschlüsselt kommunizieren – auch Triviales wie Verabredungen zum Fussballspielen – dann wird es für die Überwacher schwerer, in dem Rauschen die wirklich brisanten Nachrichten auszufiltern, etwa von Freiheitskämpfern oder Dissidenten in totalitären Regimes.

Was sagst du zum häufig gehörten Argument, dass man sich keine Sorgen machen muss, wenn man nichts zu verbergen hat?
Wer nichts zu verbergen hat, soll halt mal all seine Whatsapp-Nachrichten ausdrucken und in der Fußgängerzone aushängen. Dann merkt man schon, was das bedeutet.

Wie genau kann ich mich als Laie denn am besten schützen?
Das geht mit ganz einfachen Mitteln: Du kannst zum Beispiel deine Freunde überzeugen, zu einem sichereren Messenger zu wechseln, der nicht in der Hand eines amerikanischen Großkonzerns ist. Wer noch Mails schreibt, kann mit einfachen Mitteln lernen, sie zu verschlüsseln. Für den Anfang rate ich dazu, einfach mal eine sogenannte Cryptoparty zu besuchen, wo man solche Dinge lernt. Die gibt es mittlerweile kostenlos in vielen Städten.

Lohnen sich kleine Tricks, wie etwa die Webcam abzukleben?
Ja, weil man unsichere Geräte sehr einfach finden kann und Menschen sich einen Spass daraus machen, diese Kameras dann anzusurfen oder automatisiert abzufragen. Deshalb halte ich das Abschalten oder sogar Abkleben von Kameras für eine gute idee – jede Hard- und Software hat Lücken und die können ausgenutzt werden.

Wie sieht es mit dem Smartphone aus?
Hier gilt das Prinzip der Datenhygiene: Muss ich wirklich die Liebeskummer-Nachrichten und Partyfotos von vor drei Jahren aufbewahren? Oder kann ich da an einem verregneten Sonntag mal durchgehen und aufräumen?

Stimmt es denn, dass unsere Handys ständig unsere Gespräche aufzeichnen, auch wenn wir es nicht benutzen?
Naja, bei der Installation fragen die Apps nach, auf welche Komponenten der Telefone sie zugreifen dürfen. Mikrofon und Kamera sind etwa für eine Schach-App völlig unnötig. Wenn wir die Erlaubnis geben, kann die App aber mitlauschen und bei – für uns Menschen unhörbaren – Frequenzen «nach hause» funken. So können Anbieter zum Beispiel überwachen, welche Werbung wir gesehen oder gehört haben. Genauso ist es bei Apps, die ohne ersichtlichen Grund Zugriff auf Bewegungsdaten oder das Adressbuch verlangen – diese Daten sind Gold wert.

Gehen wir mal vom Worst-Case-Szenario aus: Niemand gibt einen Dreck auf Datenschutz – wie sähe die Welt dann in 20 Jahren aus?
Wir hätten wahrscheinlich eine Gesellschaft, die extrem angepasst wäre. Eine Welt, in der jeder eine Schere im Kopf hätte, wenn es um die Meinungsfreiheit geht. Wir erleben ja heute schon, dass Menschen sagen: «Ich bin gegen dies und das und ich würde auch demonstrieren gehen – aber ich könnte dadurch Nachteile erleiden, weil ich dabei überwacht werde.» Eine freie Demokratie basiert auf Meinungsfreiheit und Kritik – wenn wir die nicht anbringen können ohne Repressionen zu fürchten, enden wir in einer Diktatur.


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105 Kommentare

Ekeltoni vor 17 Tagen
Immer dieses gerede von datenschutz und orwellianischer totalüberwachung. Dabei weiss doch jeder die wahre bedrohung sind die strahlungen aus dem all😲*&$#@!!! Bastelt euch aluhüte, leute, sonst lesen die reptiloiden vom planeten aldebaran eure gedanken😱!!!
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Antwort von Mensch vor 17 Tagen
Niemand hat dich lieb und das macht dich zu einem verbitterten herablassenden Menschen. Such dir doch ein Hobby Fischen z.B. oder geh wandern das Wetter ist im Moment wunderbar dafür.
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Antwort von Ekeltoni vor 17 Tagen
Ööööööh, kann hier jemand nicht damit umgehen dass ich das lezzte wort habe, du mensch?
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Antwort von Mensch vor 17 Tagen
ach so es geht dir um das Letzte Wort wusste gar nicht das du auf so tiefem dich bewegst sorry das darfst du natürlich gerne haben. Gleiches zu Gleichem mal sehen ob du das schnallst :-D
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