Wohin mit meiner verdammten CD-Sammlung?

Dank Spotify, Youtube und iTunes fristen Musik-CDs oft nur noch ein Leben als Staubfänger. Was tun mit unserer Sammlung?

Musik-CDs sind tot. Die Verkäufe sinken seit Jahren, dank USB-Sticks, Spotify und dem Vinyl-Hype sind die runden Silberlinge heute noch in etwa so weit verbreitet wie ein Faxgerät. Wenn mir jemand seine CD in die Hand drücken will, frage ich mich immer, ob «Lass doch. Deine Band ist sicher auf Youtube, oder?» eine unhöfliche Antwort sei.

Beinahe alles gibts im Netz

Trotzdem sitze ich auf einer beachtlichen CD-Sammlung, die ich seit Jahren beim Umziehen mitschleppe und natürlich nie brauche. Als Apple-User besitze ich nicht mal mehr ein CD-Laufwerk und meine alte Stereoanlage zum Singen zu bringen, gestaltet sich schwieriger als die Beatles wiederzubeleben. Der einzige CD-Spieler in meinem Leben steckt in meinem imaginären Auto. Kurz gesagt: Ich müsste die Scheiben eigentlich alle loswerden.

Aber soll ich wirklich meine geliebte Sammlung einfach so aufgeben? Einige Stichproben mit mittelgrossen Bands bestätigen: Heute sind eh alle auf Spotify, Apple Music, Bandcamp oder Soundcloud. Und für jedes noch so absurde Sub-Genre aus den letzten Jahrzehnten gibts Nerd-Blogs, die rare Alben mehr oder weniger legal zum Download anbieten. Fazit: Ich schmeisse einen Stapel Pink-Floyd- und Nirvana-CDs in eine Tasche und muss ein bisschen weinen.

CDs auf den Computer laden

Beim Durchwühlen stosse ich auch auf ein paar Perlen, die man so tatsächlich nicht im Netz findet: Mixtapes der Ex-Freundin, selbstaufgenommene CDs von Strassenmusikern und diverse Scheiben von kleineren Bands, die es nicht hingekriegt haben, genügend Kohle für Schallplatten zu crowdfunden. Um diese seltenen Stücke auf den Computer zu laden, bieten knapp ein halbes Dutzend Unternehmen in der Schweiz einen CD-Ripping-Service an, schieben dir die Dinger im Wunschformat auf eine Festplatte und beschriften alle Files hübsch. Das kostet natürlich auch: Rund zwei Franken pro CD. Eine überlegenswerte Option ist das wohl nur für Hardcore-Sammler, die ihre tausenden Scheiben auf einen eigenen Medienserver übertragen wollen.

Für alle anderen: Die CDs selbst auf den Computer zu übertragen ist ziemlich einfach. Mit einem (externen) Laufwerk und ein paar Sonntagen, die man mit CD-Rippen und Seriengucken verbringt, geht das easy. Nur das Eintragen der Meta-Infos (Interpret, Songname, Albumtitel etc.) könnte etwas umständlich sein, wenn die Scheibe nicht automatisch von iTunes oder einem anderen Player erkannt wird.

Schmeisst man CDs in den Haushaltsmüll?

Ich versuche einige schick aussehende Konstruktionen mit den CDs nachzubauen, die ich auf Pinterest gefunden habe. DIY-Discokugeln oder Lampenverzierungen zum Beispiel. Aber ich bemerke schnell, dass ich dabei nur den Zimmerboden mit Kunststoffkrümeln übersäe. Mir ist klar: Die Scheiben müssen sterben. Aber wohin damit? In den normalen Haushaltsmüll?

Grundsätzlich bestehen die Dinger aus Polycarbonat – sprich: Sie sind so umweltfreundlich wie ein Grenzkonflikt zwischen zwei Militärregimen. Ein Freund von mir schmiss trotzdem alle seine Scheiben in einen Müllsack und stellte ihn vor die Tür. Er kaufe sonst viel Fairtrade-Zeugs, das ginge schon in Ordnung, sagt er. Wers besser machen will: Alle Migros-Filialen und Swico-Sammelstellen nehmen CDs fürs Recycling entgegen. Wäre das dann auch geklärt.

Während ich meinen CDs ein gutes post-rezykliertes Leben als Autoscheinwerfer oder Brillengläser wünsche, dröhnt vom Laptop mit geöffnetem Youtube schon lange nicht mehr die Musik, die ich mal hören wollte und für die ich extra in den Laden gelaufen bin, um Geld für unpraktische Staubfänger auszugeben. Dafür läuft jetzt ziemlich cooler japanischer Jazz, den ich nie im Leben auf CD gekauft oder gefunden hätte. Wahrscheinlich ist die Zeit der kleinen Silberlinge schlicht vorbei.


Kommentar schreiben

76 Kommentare

J-P vor 10 Monate
Bei zwei CD's reicht einen Sonntag
0
2
Antwort
Nick vor 10 Monate
Beimeinen CD's habe ich alle Plastikhüllen weggeschmissen und das Inlay zusammen mit der CD je nach Musikstil in verschiedene Albumähnliche Bücher (alle sogar mit Reisverschluss) gesteckt. Das nimmt am wenigstenPlatt weg und die Sammlung kann immer noch gepflegt werden. Natürlich befindet sich alles auch noch als MP3 auf der Festplatte und davon stelle ich mir dann für ins Auto immer wieder mal eigene Compilations auf dem Memorystick zusammen.
6
3
Antwort
Cybot vor 10 Monate
CDs in MP3 umwandeln? Echt jetzt? Das hab ich schon vor 15 Jahren gemacht! In welchem Jahrhundert lebt ihr denn? Und die CDs wegschmeissen ist nicht empfehlenswert, sonst hast du keine legale Kopie mehr. Gut, interessiert eh keinen.
8
3
Antwort
Antwort von Digital Max vor 10 Monate
Oh Du nist aber ein grosser Junge! Dann empfehl ich Dir maL EINE dEINER "LEGALEN" Originale nochmals zu rippen mit heutiger Software.... Das Resultat wird Dir zu denken geben. Sollte aber ein Junge mit so grosser Erfahrung eigentlich auch wissen 😉
5
5
Antwort
video
«Vine» kommt zurück und alle so «Yaaas!»

«Vine» kommt zurück und alle so «Yaaas!»

Die 10 reichsten Youtuber sind 123 Mio. wert

Die 10 reichsten Youtuber sind 123 Mio. wert

«Ich würde mir nie Kassetten kaufen!»

«Ich würde mir nie Kassetten kaufen!»

Auf ein Bier mit einem Verschwörungs­theoretiker

Auf ein Bier mit einem Verschwörungs­theoretiker