Ich bin keine «kleine, geile Stute»!

Zu viel Passion kann schnell aufgesetzt und gewollt wirken – vor allem im Bett. Ein Plädoyer für unangestrengte Leidenschaft

Also ich hatte letzte Woche ein Tinderdate. Es war von beiden Seiten von Anfang an ziemlich klar, dass es uns einfach um ein bisschen Spass geht. Locker, easy, no strings attached. Nicht mehr und nicht weniger. Der Typ – nennen wir ihn Julian – war ganz sympathisch, sah gut aus und war auch untenrum nicht schlecht ausgestattet.

Multiple Orgasmen mit Schlaganfall

Der Sex an sich wäre auch recht in Ordnung gewesen, hätte Julian nicht die wahnsinnig unattraktive und wahrscheinlich auf übermässigen Pornokonsum zurückzuführende Angewohnheit, sich wohl ein bisschen zu sehr wie ein harter Machoficker zu fühlen. Das resultiert dann nämlich in röhrenden Elchgeräuschen und Dirty Talk à la «Ja, du kleine geile Stute, ich steck ihn dir richtig rein! Das willst du doch! Das ist es, was du brauchst, du Sau!»

Ähm… Geht so. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die wenigsten Menschen, die als «kleine geile Stute» betitelt werden, durch diesen Wortlaut grossartig geil werden. Was wird hier von mir erwartet? Sollen mich Vergleiche mit Nutz- und Reittieren in unendliche Geilheit und vibrierende Ekstase versetzen, um mich durch die dadurch ausgelösten multiplen Orgasmen bis kurz vor den Schlaganfall zu treiben?

Mehr Humor, weniger Verbissenheit

Ich will ja jetzt nicht für die Allgemeinheit sprechen, aber bei mir trocknet da sofort alles aus. Ausserdem wundere ich mich, wie Julian (und all die Typen, für die er hier in diesem Text stellvertretend einstehen muss) es überhaupt schafft, solche Worte in den Mund zu nehmen, ohne das Bedürfnis zu haben, sich die Zunge mit einer rostigen, glühenden Zange aus dem Mund zu reissen. Oder zumindest direkt danach laut über sich selbst lachen zu müssen.

Genau das ist es, was ich mir wünschen würde: Ein bisschen mehr Humor, ein bisschen weniger sture Verbissenheit und das Bedürfnis, sich überenthusiatisch in jeden Scheiss reinzusteigern. Wem gibt es denn etwas zu beweisen? Lass dich gehen, hab Spass und mach das, was sich gut und richtig anfühlt. Kein Grund, jemanden beeindrucken zu müssen. Schaffst du eh nicht. Deine Mühen kippen höchstens ins Gegenteil um und lassen dich wie einen lächerlichen Idioten aussehen. Und das ist nicht sonderlich sexy.

Weniger ist oft tatsächlich mehr

Julian werde ich wohl nicht wieder sehen. Habe ihm aber – bevor ich ihn rausgeworfen habe – noch ein paar gutgemeinte und ehrliche Ratschläge mitgegeben. Das Pornostar-Image steht ihm einfach nicht. Das steht den wenigsten Menschen. Und auch seine gigantische Sextoysammlung sollte er bei zukünftigen ersten Dates vielleicht lieber mal zuhause lassen. Weniger ist oft mehr.


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67 Kommentare

Anal? vor 1 Jahr
vielleicht hättet ihr es mit Analverkehr versuchen sollen? dazu würde das dirtytalk besser passen und wäre somit weniger lächerlich.
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Kevin K. vor 1 Jahr
Solltest nicht mit dem Jugo pimpern...
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Joya vor 1 Jahr
Mag sein dass das nicht die Art von Sex war, die die Schreiberin bevorzugt. Aber dann halt beim nächstenmal erst etwas ausführlicher darüber unterhalten vor dem ersten Date. Nur weil es dir nicht passt, heisst es nicht, dass es falsch war. Ich wäre auf jedenfall gut abgegangen bei sowas.
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Eli vor 1 Jahr
Ich glaube es wird immer mehr zum Trend über Sex zu schreiben, leider findet man da auch solche Berichte; der Artikel klingt, als würde eine 18-jährige sich darüber wundern, dass bei One-Night-Stands kein guter Sex entsteht. Vielleicht war er extrem nervös, weil er kaum oder noch nie Sex hatte. Vielleicht hatte er eine lange Beziehung und kennt daher nur solchen Sex. Vielleicht steht er einfach da drauf und wer bist du darüber zu urteilen, was im Bett OK und nicht OK ist? Für dich ist er ein vielleicht Machoficker (unglaublich, dass ich diesen Ausdruck wiederhole), für ihn bist du daher evt nur prüde und solltest ins Kloster. Sorry aber kann heute eigentlich jeder für die Zeitung schreiben?
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