Bin ich ein Alkoholiker?

Unser Redaktor trinkt häufig zuviel und macht deswegen Pause. Doch das ist erstaunlich schwierig.

Als ich kürzlich für eine wissenschaftliche Studie – Nebenverdienst halt – der Forscherin meinen Alkoholkonsum darlegen musste, geriet ich an die Grenze meiner Kopfrechnungsfähigkeiten. Feierabendbier, Sitzungsbier, Prosecco zum Brunch, Anstossen zum Geburtstag … wöchentlich kommt da eine erschreckend grosse Menge zusammen: Meist ein «Rausch» und ein paar angesäuselte Abende.

Das machte mir ein bisschen Sorgen. Laut dem Blauen Kreuz wird hierzulande rund die Hälfte des Alkohols von etwa zehn Prozent der Erwachsenen getrunken. Und wenn ich mich in meinem Bekanntenkreis umsehe, habe ich teilweise das Gefühl, diese zehn Prozent hätten sich allesamt rein zufälligerweise um mich herum versammelt. Klar, aus Gründen kenne ich viele Barkeeper – aber das sagt vielleicht eben auch etwas über mich aus.

Grill(b)ieren

Also wage ich mich daran, mal auf Alkohol zu verzichten. Ich kenne mich, meine Selbstbeherrschung und mein Suchtpotential gut genug, um zu wissen, dass das durchaus ein schwieriges Unterfangen werden könnte.

Am zweiten Abend Abstinenz treffe ich ein paar Freunde zum Grillieren, irgendwo auf einem Hügel am Arsch der Ostschweiz. Ob ich was mitbringen soll? Nee, sei von allem genug da. Ist es auch: Genug Bier, Weisswein, eine Flasche Prosecco – das einzig Alkoholfreie, das vorhanden ist, brutzelt über dem Feuer und riecht nach Fertigmarinade. Als ich irgendwann durstig zum nächsten Brunnen spaziere, dämmert es mir, dass ich hier vielleicht auf ein extrem weit verbreitetes Kulturgut verzichte.

Sinkender Alkoholkonsum

Auch wenn in der Schweiz immer weniger getrunken wird – in den letzten 25 Jahren halbierte sich die Anzahl an Männern, die täglich trinken – ist Alkohol beim Abendessen mit der Familie oder dem Apéro im Büro ebenso mit dabei, wie beim Ausgehen in Clubs. Und je nachdem an was für Orten du so rumhängst, ist die Auswahl an alkoholfreien Getränken nicht Mal halb so gross wie das Biersortiment.

Spätestens als es das erste Mal Freitag ist und ich im Stammlokal herumhänge, muss ich zugeben, dass es doch ziemlich schwierig ist, so ohne Drinks und so. Einerseits wollen mich Menschen zu Shot-Runden überreden, andererseits werden Menschen nervig, wenn sie besoffen sind. Das führt dazu, dass ich um Mitternacht bereits Zuhause bin und mich via Google informiere, ob ich eigentlich ein Alkoholproblem habe.

Zwei Stangen pro Tag

Der grobe Richtwert für Männer: Zwei Standardgläser am Tag gehen in Ordnung – das heisst zwei Deziliter Wein, zwei Stangen Bier, ein Shot. Easy, oder? Das ist die Menge, die keine körperlichen Probleme verursachen sollte. Mit psychischer Abhängigkeit hat das noch gar nichts zu tun.

Nach zehn Tagen und ein paar Abenden im Ausgang verspüre ich immer noch keinen Drang zu trinken – dementsprechend sollte das auch auf psychischer Ebene ganz okay sein. Aber ironischerweise fühle ich mich jetzt im Gegensatz zu vorher wie ein Alkoholiker und einer Freundin, die derzeit ebenfalls nichts trinkt, geht es gleich. Irgendwie kurios, dass wir das Nicht-Trinken eher mit Alkoholismus verbinden, als das Trinken. Aber: Besoffen interessiert einem solches Zeugs halt auch nicht.

Besseres Leben

Nach rund zwei Wochen Abstinenz ist der Unterschied in der Lebensqualität aber ziemlich krass. Ich brauche rund eine Stunde weniger Schlaf, bin um einiges schaffensfreudiger und motivierter und fühle mich ganz okay dabei, zu Grillabenden selbst ein paar nichtalkoholische Getränke mitzuschleppen. Alles in allem: Gute Sache, weitermachen!

 


Kommentar schreiben

88 Kommentare

Bier_360 vor 26 Tagen
Genau hat so meine Alkoholsucht angefangen. Dort ein Gläschen und da ein Gläschen, dann am Mittag, gegen den Schluss am Morgen. Jeder der zur Sucht neigt merkt es schon ziemlich früh, ob er dem Alkohol zugeneigt ist. Jeder der das bei sich merkt sollte abstinent leben. Sonst ist es eines Tages zu Spät!
2
0
Antwort
Saison Trinker vor 26 Tagen
Ich mache schon viele Jahre intensiv Fasncht. Dass auch immer wieder mit Alkohol. Obs das braucht? Dass darf jeder für sich selbst entscheiden. Nach der Saison mache ich konsequent eine abstinente Zeit. Fällt mir das schwer? Nein zum Glück nicht. Den Rest des Jahres ist mein Konsum deutlich reduziert. Wenn ich feststelle dass dieser stetig steigt, lege ich eine bewusste Pause ein. Wiso ich das mache? Ich kenne Akoholismus aus unmittelbarer Nähe. Mein Vater ist trokener Alkoholiker. Die Dosis ist das Gift und die Gewohnheit ein alter Narr! Darum Herr Hofmann, nachen Sie Ihre „Fasten-“, “Abstinenz-„“ oder “wie immer“ Zeit und schauen sie was dabei rum kommt. Grüsse von einem Saisontrinker
5
0
Antwort
Saison Trinker vor 26 Tagen
Ich mache schon viele Jahre intensiv Fasncht. Dass auch immer wieder mit Alkohol. Obs das braucht? Dass darf jeder für sich selbst entscheiden. Nach der Saison mache ich konsequent eine abstinente Zeit. Fällt mir das schwer? Nein zum Glück nicht. Den Rest des Jahres ist mein Konsum deutlich reduziert. Wenn ich feststelle dass dieser stetig steigt, lege ich eine bewusste Pause ein. Wiso ich das mache? Ich kenne Akoholismus aus unmittelbarer Nähe. Mein Vater ist trokener Alkoholiker. Die Dosis ist das Gift und die Gewohnheit ein alter Narr! Darum Herr Hofmann, nachen Sie Ihre „Fasten-“, “Abstinenz-„“ oder “wie immer“ Zeit und schauen sie was dabei rum kommt. Grüsse von einem Saisontrinker
0
0
Antwort
Roland K. Moser vor 28 Tagen
vor einiger Zeit habe ich mal im www recherchiert, was so alles mit einem passiert, wenn man übermässig Alkohol konsumiert. Wobei zu sagen gilt, dass täglich die Standardgläser bzw. -menge schon übermässig ist. Realitätsverlust Erhöhte Reizbarkeit Erhöhte Aggressivität Paranoia (Verfolgungswahn, am Häufigsten meint der Süchtige, er werde von Leuten angegriffen, welche sich eigentlich neutral oder positiv zum Süchtigen verhalten) in allen Varianten und "lustigsten" Mischungen. Innovations-Feindlichkeit. Schizophrenie in allen Varianten und "lustigsten" Mischungen Grössenwahn, Überlegenheits-Gefühl Fremdgefährdung Affektlabilität Enthemmung Eingeschränkte Urteilsfähigkeit Eingeschränkte motorische Fähigkeiten, auch nüchtern! Depressionen psychotische Störungen Eifersuchtswahn auf Personen oder Objekte, Erzeugen von negativen Gruppendynamiken gegen dem Alki unliebsame Personen Alkoholtoleranz, man ist "geeicht", evt. wird damit geprahlt, dass man geeicht ist, oder man legt wert darauf, dass man geeicht ist usw. und verlangt dies von seinem Umfeld auch Verherrlichung und Anbetung der Droge (Hier Alkkohol) und ihren Produkten auf alle möglichen Arten. Testosteronmangel und Anstieg des Östrogens Stimmungsschwankungen und Aggressivität usw. Allgemein sind der Hormonhaushalt und der Stoffwechsel so ziemlich heftig aus dem chemischen Gleichgewicht! Ein Alki ist chemisch total übersäuert Alkoholabhängige versuchen immer mit allen möglichen und unmöglichen Argumenten andere zum Konsum von Alkohol zu verleiten/nötigen.
6
7
Antwort
«Instagram-TV könnte ein Youtube-Killer sein»

«Instagram-TV könnte ein Youtube-Killer sein»

video
Hunde gehören nicht an den Arbeitsplatz

Hunde gehören nicht an den Arbeitsplatz

«Spuck auf seinen Burger»

«Spuck auf seinen Burger»

Junge Sprayer werden von Zug erfasst und sterben

Junge Sprayer werden von Zug erfasst und sterben