Er will die Afghanen zum Tanzen bringen

David Guetta oder Calvin Harris? Westliche Popmusik findet in Afghanistan nicht statt. Der Danceproduzent Shuja Rabbani leistet im kriegsgeplagten Land Pionierarbeit.

Terrorangriffe und Schusswechsel sind in Afghanistan an der Tagesordnung. Die Hauptstadt Kabul ist gezeichnet vom Krieg. Zerbombte Häuser, Stromausfälle, Armut. Nur in ein paar hochbewachten Clubs für die ausländische Elite herrscht im Land etwas Partystimmung. Doch das soll sich ändern: Der Exil-Afghane Shuja Rabbani will in seiner Heimat elektronische Tanzmusik populär machen.

Musik in Afghanistan

«In Afghanistan kennt man praktisch keine westliche Musik», sagt Rabbani zu 20 Minuten Tilllate. So kennen seine Landsleute David Guetta und Calvin Harris genau so wenig wie Schweizer die afghanischen Stars Shakib oder Farzana Naz. Trotzdem beeinflusst westlicher Pop die afghanische Musik immer mehr. «Ich bin Teil einer grossen Welle von Musikern, die im Ausland aufwuchsen und nun mit ihrer Musik in ihre Heimat zurückkehren», sagt der 35-Jährige.

Rabbanis Familie stammt ursprünglich aus dem Norden Afghanistans. Noch vor seiner Geburt musste sie nach Pakistan flüchten. «Ich hatte das Glück, dass meine Familie die finanziellen Mittel besass, vor dem Krieg zu entkommen», sagt Rabbani. Mit 15 Jahren ging die Reise nach Dubai weiter. In den Vereinigten Arabischen Emiraten studierte Rabbani Personalwesen und lebt heute noch dort.

Der Weg in die Heimat führt über Social-Media

Rabbani machte besonders mit seinen Statements zum Korruptions-Skandal der damaligen Regierung auf sich Aufmerksam.

2014 trat der Afghane zum ersten Mal in seiner Heimat in Erscheinung. Jedoch nicht mit seiner Musik. Auf Twitter machte der 35-Jährige durch seine politische Haltung zu der Präsidentschaftswahlen von sich reden.

«Deshalb weiss ein Grossteil der afghanischen Internet-Gemeinschaft, was ich mache», sagt der Musiker. Rabbani ist mit 300000 Anhängern der populärste Afghane auf Twitter und es sollen noch mehr Follower werden. Bei der Vermarktung seines zweiten Albums «Alpha Male» setzt der unabhängige Künstler nur auf Social-Media-Werbung. «Ich möchte jeden Afghanen, der einen Computer oder ein Smartphone besitzt, erreichen. Man wird nicht um mich herumkommen.»

Steht also die Dancerevolution vor der Tür? «Wenn die lokalen Radiosender meine Musik unterstützen würden, könnte ich mir gut vorstellen, dass die Jugend dann versteht, mit welchen einfachen Mitteln man elektronische Musik produzieren kann», sagt Rabbani. Er hofft, dass er so eine neue Generation Musiker inspirieren kann. Das Potenzial für eine florierende Szene stecke nämlich in Afghanistan.

 «Die Leute würden auch gerne ausgehen, haben aber selten die Möglichkeit dazu», sagt der Produzent. Einer der wenigen grösseren Anlässe sei zum Beispiel das Hamdeli Festival vor den zerstörten Buddha-Statuen in Bamijan. Das Musik- und Kunst-Openair wird von jungen Afghanen veranstaltet und die Bilder der Veranstaltung gingen um den Globus. «Wir hätten die schönsten Orte für Festivals wie das Tomorrowland, würde kein Krieg herrschen.»


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5 Kommentare

Tippgeber vor 2 Jahre
Lass die naiven und unschuldigen leute in ruhe und verseuche sie nicht mit dem müll!
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alois vor 2 Jahre
Ich bin alt und brauche es auch
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Deephouse-Listener vor 2 Jahre
Nicht ganz mein Geschmack. Finde es aber geil wenn Medien einen unbekannten Künstler promoten! Bitte weiter so 😉
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Peter Griffin vor 2 Jahre
Wie wärs wenn man sie zum arbeiten motiviert, das würde sie wenigstens weiterbringen.
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