«Du bleibst ein Idiot, auch wenn du gut boardest»

Landschaftsgärtner Aron (31) zog vor 14 Jahren von Zürich nach Davos. Eine Rückkehr in ein geordnetes Leben ist für ihn kaum mehr vorstellbar.

Ja, Aaron sieht aus wie ein Snowboarder. Leichte Baggy-Hosen, ein Hoodie und eine Kappe auf dem Kopf, die jede Sekunde runterzufallen droht – was aber nie passieren wird. Der Zürcher Strahlemann ist 31 Jahre alt, wird aber oft auf 25 geschätzt – Schuld daran ist die Davoser Bergluft. «Die hält mich jung», lacht er.

Täglich verbringt Aaron mehrere Stunden im Schnee, flitzt mit seinem heissgeliebten Brett die Berge hinunter oder erobert die Lüfte im Freestylepark. Als er mit 17 Jahren nach einer abgeschlossenen Landschaftsgärtner-Lehre für eine kurze Auszeit nach Davos ging, schnallte er sich zum ersten Mal ein Snowboard um die Füsse, war angefixt und blieb – nun schon seit 14 Wintersaisons.

Freigeist der Szene

«Snowboarden ist wie eine Droge», schwärmt er uns vor. Den Schnee am Morgen unter sich knirschen zu hören, durch die Natur zu fahren, frei sein von Gedanken – mehr will er gar nicht.

Inzwischen kennt man den Freigeist im beliebten Skigebiet. Nicht nur durch seine Arbeit als Barkeeper im legendären «Pöstliclub», sondern auch durch seine sehr erfolgreiche Zeit als Contestfahrer. Bei fast jedem Freestyle-Wettbewerb, an dem er teilnahm, stand er auf dem Podest.

Mit Contests Miete zahlen

Das Highlight dieser Zeit? Der namhafte und in der Snowboardszene beliebte Contest «Hit the Cheese». An diesem Wettbewerb kreuzen die besten Freizeitboarder mit den Profis die Bretter. Aaron wurden zum Allroundgewinner gekürt und schnappte somit allen Pros den heissbegehrten Titel vor der Nose weg (Achtung, ein schlechtes Wortspiel: Die Vorderspitze des Snowboards heisst «Nose»).

Doch anstatt seine Karriere anzufeuern, hängte er die Contestfahrerei nach diesem Sieg an den Nagel – obwohl er mit einem einzigen Contest seine Miete zahlen konnte. Zu lange musste er zwischen den einzelnen Runs warten, verpasste dadurch guten Schnee und die allgemeinen Schranken des Contestlebens entsprechen nicht seinem Hippie-Lifestyle.

Zigistummel auf der Piste

Denn Aaron wurde ein grosses Potential hervorgesagt. «Manche rieten mir, nach Laax zu gehen, um meine Skills zu verbessern und auf ein neues Level zu bringen», erzählt er. Doch aus dem beliebtesten Snowboardgebiet der Schweiz wegzuziehen, kam für ihn in all den 14 Jahren nicht infrage. Zu gross ist seine Liebe für Davos.

Auch der Jatzpark, der Freestylepark auf dem Jakobshorn, sei so familiär und idiotenfrei. Denn obwohl Snowboarder meist angenehme Zeitgenossen sind, trifft man auch da auf Arschlöcher.  Aaron kann das nur bestätigen: «Du bleibst ein Idiot, auch wenn du gut boardest.» Idioten sind auch diejenigen, die ihre Zigarettenstummel auf der Piste liegen lassen und Skilehrer, die ihren Schülern nicht beibringen, wie man sich auf der Piste richtig verhält.

Eine Fleischplatte zum Runterkommen

Doch nicht nur die angenehme Boardercommunity ist ein Grund zum Bleiben – auch von seiner zweiten Familie im Pöstliclub würde er sich nur schweren Herzens trennen können. «Nach der Arbeit bleiben wir alle noch ein bisschen hocken, essen eine gute Fleischplatte und kommen runter.» Im Raucherteil des Clubs beschert er die Gäste mit Drinks und ab und an auch mit einem lieben Kompliment. «Das ist doch einfach schön, wenn man jemandem eine Freude machen kann», sinniert er. Ja, er ist ein Hippie im Herzen. Ein Hippie, der am Ende des Abends auch lieber nach Rauch stinkt, anstatt nach anderen Ausdünstungen: «Der Rauch übertüncht Bierfürze», erzählt er lachend.

Für Aaron ist sein Job die ideale Arbeit. Nachts kann er nicht Snowboarden und wenn seine Arbeitskollegen noch am Schlafen sind, kann er – nach etwa fünf Stunden Schlaf – aufs Board steigen und seiner wahren Berufung nachgehen: Auf dem Board durch die verschneiten Bergen von Davos zu shreddern.

Das Kind im Boarder

Doch seit etwa drei Jahren zieht es den Zürcher immer mehr ins Unterland. Grund dafür ist seine Freundin. Ob seine Freundin mit ihm manchmal die Piste erobert? «Nein, sie ist eher so der Sommertyp», grinst er.

Sie macht ihm auch keinen Druck, nach Zürich zurück zu kehren – aber die Frage drängt sich nach 14 Jahren natürlich schon auf. Für ihn gäbe es nur einen Grund, im Unterland wieder sesshaft zu werden: «Wenn ich Vater werde, dann hole ich mir einen Vollzeitjob – dann muss ich ja für mein Kind arbeiten. Bis das passiert, kümmere ich mich aber um das Kind in mir», grinst er. Wir verstehen es, sind ein kleines bisschen neidisch auf ihn und wünschen uns zu ihm auf die Davoser Berger, anstatt hier im matschigen Unterland zu versauern.


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15 Kommentare

bergler vor 9 Monate
der titel stimmt perfekt 😃 denn mann ist ein idiot wenn man anfängt drogen zu nehmen und wie er bereits sagte boarden ist eine droge bin ihr selber auch verfallen. sobald es ein bischen schnee gibt kann ich mich bei der arbeit nicht mehr richtig konzentrieren und muss wenn möglichst freeriden gehen. darum an alle lasst die finger von dem snowboard 😃
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Phil vor 9 Monate
Aaron, ich geb dir einen wichtigen Tipp: mach nicht den Fehler und geh ins Unterland zurück und nimm einen Vollzeitjob an! Auch nicht wenn du Kinder hast! Wirklich, ich weiss wovon ich rede, du wirst es bereuen! Bleib dir treu, auch deine Kinder werden es dir danken, ihr werdet alle glücklicher sein!
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Sagt Mal... vor 9 Monate
Muss man den kennen?!? Nie gehört...
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Kenner vor 9 Monate
Das muss ein slapper sein - toller typ!
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