Der erste Zero-Waste-Laden in Zürich


Wir Schweizer produzieren europaweit am meisten Müll. Vier Revoluzzer wollen das ändern und gründeten deshalb einen Laden, in dem umweltschädliche Plastikverpackungen verboten sind.

Ein Thema, bei dem uns allen die Alarmglocken klingeln sollten, ist die Umwelt. Immerhin produziert jeder Schweizer durchschnittlich 694 Kilogramm Abfall pro Jahr – so viel wie kein anderer Europäer. Wollen wir das wirklich auf uns sitzen lassen? Es gibt unter uns aber auch Helden, die dieses Image nicht akzeptieren wollen und sich für den Zero-Waste-Weg entschieden haben – wie Tara, Christof, Simon und Karin. Heutzutage keinen Müll zu verursachen, ist allerdings verdammt schwer. Das wollen die Vier ändern und gründeten deshalb das Ladencafé «Foifi» im Kreis 5 in Zürich. Vor wenigen Tagen feierten sie ihre Eröffnung.

Ein Zero-Waste-Leben ist stressig

Mitgründerin Tara lebt seit eineinhalb Jahren so gut wie vollkommen ohne selbstproduzierten Müll. «Heute ist alles in Plastik verpackt, selbst das Biogemüse. Versuch mal Produkte zu finden, die nicht eingepackt sind. Da rennt man von einem Ort zum anderen», regt sich die 41-Jährige auf. Diesen Stress will sie anderen mit dem «Foifi» ersparen: «Es müsste alles an einem Ort sein.»

Einen Discounter kann ihr Laden jedoch nicht ersetzen: «Wir sind ein guter Bioladen mit hochwertigen Produkten, von saisonalem Gemüse über Pasta bis hin zu kleineren Haushaltsprodukten wie Reinigungsmittel und Zahnbürsten.» Sogar Tampons und Binden zum Wiederverwenden stehen bereit. Die Kunden können ihre eigenen Taschen, Glasflaschen und Behälter mitbringen und darin genau so viel abfüllen, wie sie wirklich brauchen. «So verhindern wir, dass kein zusätzlicher Verpackungsmüll anfällt.»

Vor allem eingepacktes Biogemüse findet Tara lächerlich und Christof ruft hinter der Theke hervor: «Biogemüse in Plastik ist wie ein Veganer im Pelz!» Nur Fleisch und frische Milchwaren wie Mozzarella lassen sich schwer unverpackt verkaufen. In Zukunft wollen Tara und ihr Team versuchen, auch solche Produkte ohne Verpackung anzubieten. Die Kunden würden diese dann in der eigenen Tupperware mitnehmen, statt verschweisst.

Man darf auch mit einer Plastiktüte kommen

«Falls jemand doch mit einer Plastiktüte reinläuft werden wir ihn aber nicht verscheuchen. Besser, als sie wegzuschmeissen», lacht Tara. Das Konzept erlaubt es dem Kunden, keinen Müll zu verursachen. Aber wie sieht es mit dem Laden selber aus? Ganz ohne Abfälle kämen sie nicht aus. Die Nudeln und Getreidesorten werden vom Lieferant verpackt geliefert, allerdings in Säcken zwischen zehn und zwanzig Liter.

Auch die Einrichtung im «Foifi» ist nachhaltig. Alles second-hand oder recycelt – nur die Glasbins wurden neu gekauft. Selbst die Kundentoilette braucht kein Papier sondern reinigt mit Wasser. WC-Papier liegt trotzdem bereit, weil nicht alle den Wasserstrahl geniessen wollen. Das anschliessende Trockenföhnen im Intimbereich dauert übrigens auch eine ganze Weile, wie wir dank Selbsttest herausfinden durften.

«Ich benutze noch Toilettenpapier»

Genau das, mit der Weile, ruft Tara im «Foifi» bewusst hervor: «Wir leben alle so gestresst. Bei uns muss man sich Zeit nehmen, schon alleine wegen dem Abfüllen.» Wer die Zeit dazu allerdings nicht hat, kann seinen Einkauf im Onlineshop vorbestellen und später abholen kommen.

«Bei uns kauft jeder ein: Von der jungen Familie bis hin zu Senioren. Nur grössere Familien und WGs, die mehr brauchen, stossen hier an ihre Grenzen.» Da verkauft Tara die Nudeln dann doch in der grossen Verpackung.

Tara selbst lebt mittlerweile fast komplett nach dem Zero-Waste-Prinzip, selbst ihr Shampoo besteht aus fester Seife. Nur auf dem Klo benutzt sie noch recyceltes Toilettenpapier. Das ist zwar nicht so flauschig, aber auf diesen Luxus verzichtet sie gerne für die Umwelt.


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28 Kommentare

Lisa vor 8 Monate
Es ist eine Straftat die eigenen Tupperware für Fleisch, etc. über die Ladentheke zu geben. Dies verstösst gegen Hygienegesetze der Schweiz. Das würde man im Migros und Coop schon lange machen. Es ist schlichtweg verboten, da das kontaminierte Gebinde hinter die Theke zum Frischfleisch gelangt und dort dann dieses kontaminiert, in dem das Gebinde erst auf dem Brett oder irgendwo steht und danach das frische Fleisch am genau selben Ort zu liegen kommt. Ein lustiger Laden voller Träumereien.
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Just Do It vor 8 Monate
Natürlich macht es einen Unterschied ob ich in diesem Geschäft einkaufe oder beim herkömmlichen Detailhändler. Klar kommt die Ware im Zero-Waste Lädeli teilweise verpackt an, aber jeder einzelne Artikel zählt! Wenn alle Menschen nur noch so einkaufen würden, hätten wir so enorm viel weniger Abfall. Fangt klein an, macht es euch einfach, aber nehmt am Umweltschutz teil, stellt euch eurer Verantwortung. Danke!
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Hausi vor 8 Monate
Tampon zum Wiederverwenden? Na dann, prost am Sächsi. Filz garantiert, nach 3 Gebräuchen. Ääääckh
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Antwort von Tanja vor 8 Monate
Das ist kein wiederverwendbarer Tampon. Das ist eine Menstruationstasse und die ist viel "gesünder" als die herkömmlichen Produkte, da sie keine Schadstoffe enthält. Und nach der Mens kochst du sie aus. Nix mit Filz. Ist ne gute Sache und man spart viel Geld.
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