«Mein Sprach­aufenthalt war der absolute Horrortrip»

Jana durfte mit 15 Jahren für ein halbes Jahr nach England. Aus der Traumerfahrung wurde die reinste Katastrophe. Danach war sie nicht nur physisch, sondern auch psychisch am Ende.

Jana* träumte schon immer davon, einen Sprachaufenthalt in England zu machen. Die Kultur, die Sprache, die Architektur. Das Alles faszinierte die Zürcherin enorm. Um sich ihren Traum zu erfüllen, mussten ihre Eltern ganz schön tief in die Taschen greifen, immerhin kosteten die sechs Monate ganze 10‘000 Franken. Angst davor, alleine zu verreisen, hatte das Mädchen nicht: «Ich war schon damals ein sehr aktives Mädchen, hatte viele Freunde, war immer unterwegs und sehr selbständig», erzählt die heute 22-Jährige über sich. Gerade deshalb kann sie selbst kaum fassen, wie sehr sie diese Horrormonate mitgenommen haben.

Schon bei ihrer Ankunft in Chester in Nordengland, stand sie alleine am Flughafen und wartete. «Meine Gastmutter hatte mich tatsächlich schon vergessen gehabt, obwohl ich ihr eine Woche vorher noch geschrieben habe.» Kaum verwunderlich. Die ältere Dame interessierte sich auch in den folgenden Wochen nicht für das junge Mädchen. Das Haus war das reinste Chaos. Anstatt sich mit Jana zu unterhalten, betrank sich die Frau jeden Tag vor dem Fernseher oder starrte stumm vor sich hin.

Betrunkene Gastmutter

«Ich weiss noch, wie enttäuscht ich damals von ihr war», erinnert sich Jana. Für die 15-Jährige war das ein totaler Kulturschock. «Ich komme nicht aus einer reichen Familie, aber meine Eltern haben immer geschaut, dass es mir an nichts fehlt.»

Einen Monat hielt sie es bei der alten Frau aus. Immer wieder versuchte sie über ihre Betreuungsperson der Sprachorganisation eine neue Familie zu bekommen. «Schon bei unseren Gesprächen merkte ich aber, dass die mir gar nicht zuhörte und so komisch lallte. Erst später realisierte ich, dass sie bei unseren Treffen immer betrunken war», realisiert Jana.

Neue Gastfamilie – noch mehr Stress

Die Schülerin suchte sich also auf eigene Faust eine neue Gastfamilie und zog zu einer Klassenkameradin. Doch auch hier wurde es nicht besser. «Wir lebten in einem winzigen Haus mit der arbeitslosen Gastmutter, ihrer ebenfalls arbeitslosen Tochter und deren drei Kindern. Obwohl sie Geld für uns bekamen, behandelten sie uns wie einen störenden Parasit.»

«Die neue Gastmutter schrie die ganze Zeit. Einmal beschimpfte sie mich wie verrückt, weil ich ausversehen ihren Diätjoghurt gegessen hatte. Dabei hiess es, wir dürfen uns Sachen aus dem Kühlschrank nehmen. Ich musste ihr dann einen neuen kaufen. Um zehn Uhr nachts.»

Gefährliche Gegend

Auch das Wohnviertel in Blacon Chester schockierte Jana. «Es war sehr gefährlich. Man musste höllisch aufpassen in welche Strassen man einbog, weil dort oft Gangs lauerten. Nachbarn warnten uns davor.» Sehr viele Einwohner waren auch drogenabhängig, wie auch der Sohn der Familie. «Seine Mutter hatte ihn zwar rausgeworfen, aber er brach regelmässig bei uns ein, plünderte den Kühlschrank und schlief dann auf dem Boden ein. Ich hatte sowas zuvor noch nie erlebt. Es war nicht schön», erzählt Jana.

Die Schülerin fühlte sich im Haus nicht wohl und verbrachte so viel Zeit wie nur möglich mit ihren Freundinnen. «Wir gingen viel weg und schwänzten Schule. Ich fing an, selbst zu trinken und zu kiffen, weil das alle machten und keiner uns Regeln machte. Es interessierte niemanden einen Dreck, wo wir waren», regt sich Jana heute auf.

Psychische Probleme

Nach fünf Monaten gab sie schliesslich auf. Der ganze Stress und die Anfeindungen der Gastmutter hatten sie psychisch und physisch so mitgenommen, dass sie sogar 15 Kilo verloren hatte. «Meine Eltern waren richtig geschockt, als sie mich das erste Mal wieder sahen.»

Die Zeit in England hatte Jana nicht erwachsener gemacht, sondern total verunsichert. «Ich fühlte mich so allein gelassen und hilflos, was sehr an meinem Selbstbewusstsein nagte. Wieder zu Hause litt ich an Panikattacken, Angst und Depressionen und musste das Gymnasium abbrechen. Meine Ärzte schickten mich in eine Klinik – auch um wieder mein Normalgewicht zu erreichen», erzählt sie.

Etwas Positives konnte sie aus ihrem Auslandsaufenthalt jedoch mitnehmen: «Danach konnte ich fliessend Englisch und mit meinen Freundinnen von dort habe ich noch heute Kontakt.» Allerdings durfte ihre jüngere Schwester keinen Sprachaustausch machen.


Kommentar schreiben

127 Kommentare

vor 6 Monate
es würde mich interessieren über welche organisation sie in die gastfamillie vermittelt wurde denn sicher ist das nicht die erste katastrophe die diese zu verantworten hat .ich würde klagen fertig
1
0
Antwort
Stephie vor 6 Monate
Ich war vor 7 Jahren 1 Monat in Brighton. Die Gastfamilir war der Hammer!! Die Schule von EF Schweiz jedoch die reinste Katastrophe! Die 4000.- waren reine Geldverschwendung was die Schule anbelangte!
6
1
Antwort
Warum so anonym? vor 6 Monate
Versteh jetzt nicht so ganz warum sie ihr gesicht nicht zeigt und ihr name geändert wurde? falls es wegen den psychischen probleme. ist ist das ziemlich traurig denn dafür muss man sich nicht "schämen" und man kann stolz sein wenn man es gewchafft hat und die lebensfreude wieder neu entdeckt hat. ansonsten gibts ja eigentlich keinen grund
1
8
Antwort
Antwort von Mr.Smith vor 6 Monate
Es gibt tausende Gründe, warum man sich nicht im Internet zeigen möchte.
3
0
Antwort
17-Jährige tauscht Jung­fräu­lich­keit gegen iPhone

17-Jährige tauscht Jung­fräu­lich­keit gegen iPhone

Dieser US-Kampfroboter soll Japan erledigen

Dieser US-Kampfroboter soll Japan erledigen

Tausende lieben diesen Ekel-Trend

Tausende lieben diesen Ekel-Trend

16-Jährige druckt und bearbeitet Fotos von Leichen
sponsored

16-Jährige druckt und bearbeitet Fotos von Leichen