«Es tat mir leid, es töten zu müssen»

Sina* war 26 Jahre alt als sie ungewollt schwanger wurde. Weil sie den Mann nicht liebte und selbst eine schwierige Kindheit hatte, entschied sie sich für eine Abtreibung. Uns hat sie erzählt wie es ihr dabei erging.

«Es war einfach nicht der richtige Zeitpunkt, nicht der richtige Mann», fängt Sina* an zu erzählen. Ihre Stimme zittert ein wenig. Vor zwei Jahren wurde die damals 26-Jährige ungewollt schwanger von einer kurzzeitigen Affäre. Sina und er verhüteten mit Kondom. Eines Nachts vergass der Typ jedoch den Pariser überzuziehen – das sagte er zumindest Sina. «Ich verstehe bis heute nicht, wie das passieren konnte. Immerhin hatte er das Kondom ja ausgepackt», erinnert sich die Baslerin.

Erst als er in ihr kam, merkte sie, dass er keinen Gummi trug und wurde natürlich stinksauer: «Ich fühlte mich total verarscht von ihm. Ich wollte doch kein Kind mit ihm zeugen!» Am nächsten Morgen holte sie sich sofort die Pille danach und hoffte auf das Beste.

«Der Schwangerschaftstest war ein Schock für mich»

Nach ein paar Wochen fingen ihre Brüste an zu schmerzen und ihre Periode blieb aus. «Es ist echt krass, wie schnell der Körper reagiert», meint Sina. Die Pille hatte nicht gewirkt. Denn zur Zeit der Einnahme hatte Sina bereits ihren Eisprung gehabt und somit konnten die Spermien ihr Ei befruchten. Zwei Mal machte sie einen Schwangerschaftstest, bis sie sich eingestehen musste: «Ja, ich bin schwanger». Ein Schock.

Dann wurde ihr bewusst: «Unter meinem Herzen schlägt jetzt einfach ein Zweites – ein Lebewesen wächst heran. Ein komisches Gefühl. Ich mag Kinder ja nicht mal besonders.» Im Kopf ging sie alle Szenarien durch, was wäre, wenn sie das Kind behalten würde: «Wer könnte mich unterstützen? Wie mache ich das? Soll sich mein Leben jetzt komplett ändern?».

«Ich will meinem Kind eine bessere Mutter sein als meine eigene»

Vor allem aber wollte sie ihrem Kind einmal eine bessere Mutter sein als ihre eigene es war. Denn Sinas Mutter litt an Depressionen und verbrachte viel Zeit in der Klinik. «Ich wollte, dass mein Kind in einer liebevollen Umgebung aufwächst. Mit einer Mutter und einem Vater, die sich kümmern können. Nicht mit irgendeinem Typ, in den ich gar nicht verliebt war.» Ihre Schwangerschaft hatte sie sich komplett anders vorgestellt.

Also kam nur eine Abtreibung in Frage. «Ich finde meinen Entschluss auch etwas egoistisch. Aber ich war und bin sehr zufrieden mit meinem Leben, möchte noch reisen und liebe meinen Job.» Das aufzugeben, dafür war sie noch nicht bereit. Da sie noch keine 49 Tage schwanger war, konnte sie mittels Tabletten den Embryo abstossen, ohne sich die Gebärmutter aussaugen lassen zu müssen.

In der Klinik wurde sie erstmal untersucht. «Man machte einen Ultraschall, um sicher zu sein, dass ich tatsächlich schwanger war. Ich konnte dabei nicht auf den Bildschirm sehen», erinnert sich Sina. Auch wollten die Ärzte ihre Gründe wissen: «Aber ich war sehr froh, dass sie meine Entscheidung eigentlich sofort akzeptierten.» Von Ihrem Gotti holte sie sich den Rat, sich von dem Baby liebevoll zu verabschieden und ihm die Situation zu erklären. «Obwohl man erst ein paar Wochen schwanger ist, entwickelt man bereits eine Art Mutterliebe. Das machte es nicht einfacher.»

Schmerzhafter als erwartet

Dem Vater des ungeborenen Kindes erzählte sie von ihrem Vorhaben und er erklärte sich bereit, die Abtreibung zu bezahlen. Unter Beobachtung der Ärzte schluckte Sina mehrere Tabletten. Zwei Tage später musste sie eine weitere in ihre Scheide einfügen. Dann setzten ihre Tage wieder ein. Schmerzhafter und länger als normalerweise. «Ich weiss noch, dass ich unglaubliche Rückenschmerzen hatte und deshalb viel Medikamente nehmen musste.» Dieses Erlebnis prägte sie.

«Man denkt immer, das passiert einem nie. Und trotzdem wurde ich ungewollt schwanger. Heute verhüte ich immer doppelt – mit Pille und Kondom.» Auch sonst hat sie diese Erfahrung mitgenommen. «Nach meiner Abtreibung hatte ich das Gefühl, dass mich das Thema verfolgt», erinnert sich Sina, «Plötzlich liegen überall Babynahrungsbroschüren herum. Ich bin auch viel sensibler auf Abtreibungsgegner geworden. So eine Entscheidung ist etwas total Persönliches und sollte von niemandem verurteilt werden!» Deshalb findet sie es wichtig, dass über Abtreibungen diskutiert wird.

Heute, ziemlich genau zwei Jahre später, weiss sie, dass es die richtige Entscheidung für sie gewesen ist. «Ich habe es nie bereut und bin mit meinem Leben sehr zufrieden.» Ob sie in Zukunft Kinder haben möchte, weiss Sina immer noch nicht. Nur manchmal – wenn sie jungen Müttern mit kleinen Kindern begegnet – wird sie etwas traurig und denkt: «Das könnte auch ich sein.»

*Name von der Redaktion geändert


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263 Kommentare

Name vor 26 Tagen
Oh mein Gott, wenn ich die Kommentare hier lese.... Sie hat das Richtige getan und ich hätte es genauso gemacht. Ich arbeite in einer Suchtklinik und sehe tagtäglich, in was für Verhältnisse Kinder geboren werden und da denkt man sich manchmal wirklich, es wäre besser, die Kinder wären nicht hier. Ja, hart, ich weiss, aber Realität. Lieber das Kind abtreiben, anstatt es zum seelischen Krüppel zu machen, weil die Umstände derart widrig sind. Ein Verhütungsunfall kann JEDEM passieren.
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DerSohn vor 26 Tagen
Ja das finde ich die richtige Entscheidung! Ich bin selber betroffen, Und habe bis heute keine richtige Familie. Mutter hat inzwischen 2 neue Kinder....
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Antwort von no vor 24 Tagen
sprich nicht von dir für andere. Andere sind dankbar fürs Leben. Hey, man hat dich nicht wie ABFALL zerstückelt in den Abfalleimer geworfen. Du bist ein Mensch. Du warst damals in deiner Mutter drin ein Mensch. Dass dich deine Mutter nicht wie ein Stück Scheisse weggeworfen hat finde ich gut. Weil du keine Scheisse bist. Du bist ein Mensch und warst ein Mensch in deiner Mutter drin
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Antwort
das Menschen-Kind in der Mutter lebt vor 27 Tagen
das Kind lebt nicht? Mütter mit Herz und Seele die es später reut dass sie ihr eigenes Kind umgebracht haben wissen ganz GENAU dass das Kind als Mensch nun fehlt. Natürlich tötet die Mutter den Menschen in sich drin. Es ist eine Tochter oder ein Sohn. Es ist nicht nur ein hypothetisches Leben sondern ein wahres Leben. Das Kind ist ein Mensch. Der Mensch in der Mutter drin existiert. Es ist kein totes Gewebe das man entfernt sondern der bereits existierende Mensch. Der Mensche braucht nicht mal Augen oder Ohren oder ein Bewusstsein. Trotzdem stirbt nämlich der Mensch in der Mutter drin. Indem die Mutter den Menschen in sich drin zerstört zerstört sie den ganzen Menschen von der Befruchtung bis zur Geburt bis zum Kindesalter und der Jugend und dem Erwachsenenalter bis hinein ins Alter. Dieser Mensch in der Mutter drin existiert bereits und sie ist MUTTER. Weil einem der Neuankömmling nicht passt definiert man einfach das Leben in der Mutter um. Jede ehrliche Mutter weiss dass ab der Befruchtung ein nigelnagelneuer Mensch in ihr drin ist mit dem ganzen darauffolgenden Leben. Kein Mensch ist illegal skandieren die Menschenrechtler oft. Ausser natürlich die ungewollten Kinder in der Mutter. Auch die Schwächsten sollen die Menschenrechte erhalten ausser natürlich die Kinder der Menschenrechtler. Menschenrechtler verweigern gerade den allerschwächsten das Recht auf Menschenwürde und Leben. Man sagt: Das ist nur unterentwickelter Mensch - den darf man (noch) töten.
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